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"Alberto Bañuelos: Die Liturgie der Steine" im IVAM, Valencia (E)

Opus DXIV, Deconstruccion 24, Sílice (Kiesel), 31x54x45 cm, 2006; © Alberto Bañuelos

Oktober 2009


Alberto Bañuelos gilt seit 25 Jahren als einer der führenden Stein-Bildhauer Spaniens, nun hat ihm das IVAM CENTRE JULIO GONZÁLEZ in Valencia eine große Einzelausstellung gewidmet. Hier sind seine Werke nicht einfach chronologisch geordnet, sondern mehr als eine Abfolge der Reflexion des steten Arbeitsprozesses.  Daher werden die Exponate in Zusammenhang mit seinem eigenen Atelier gezeigt, wo fertige Werke neben Projektskizzen oder neben Maquetten stehen und so dem Bildhauer erlauben Nachzudenken, zu Spielen oder zu Weiterzuentwickeln.

Alberto Bañuelos wurde 1949 in Burgos geboren. Schon als Kind war er von Pinseln angezogen und er zeigte ein frühes Talent für Zeichnen. Bald ging er nach Madrid, um an der Universität Politische Wissenschaften und Soziologie zu studieren, nahm aber gleichzeitig auch Zeichenunterricht an Privatschulen. Ab 1978 hatte er ein eigenes Atelier, wo er den Weg von der Figuration zur Abstraktion fand. 1982 schuf er seine erste Skulptur, einen Torso aus einem Block Alabaster. Seither sind Torsos in seinem Werk immer präsent, sie sind seine ?Wegzeichen?. In diesen Jahren lebte er auch in den legendären Steinbrüchen in Carrara, wo er seine technischen Fähigkeiten verfeinerte.

Bañuelos Skulpturen wirken wie ein Echo der Megalithen und Monolithen aus der Steinzeit. Ob die Menhire, Dolmen und Grabhügel in Carnac oder von Los Millares in Almería ? all diese mächtigen und geheimnisvollen Steine der Urzeit finden sich in seiner Arbeit wieder. ?Entre la Tierra y el Cielo? (Zwischen Erde und Himmel) war denn auch der Titel, das Bañuelos für seine Wanderausstellung wählte, die von 2006 bis 2008 durch Mexiko tourte. Und schaut man auf die immer weiter steigende Höhe seiner Arbeiten, dann mag man fast sagen, dass Bañuelos seine Steine braucht, um mit dem Himmel zu sprechen ? aber zugleich auch mit denen, die sie hier auf der Erde anschauen.

Bañuelos ist ebenso bekannt für seine sehr fein bearbeiteten, hochpolierten ?Torsos?, ?Lunas? und ?Quillas?. Sie zeigen seine Leidenschaft für Stein: Alabaster, Basalt, Zimbabwe Granit, jugoslawischen Marmor oder den weissen Carrara-Marmor, die er alle selbst transportiert, aufbricht und allein bearbeitet, ohne jegliche Hilfe Dritter. 

Der zeitgenössische Charakter der Arbeiten und seiner Hinwendung zum Stein ? zuerst sichtbar in den fliessenden Formen der Serie ?Juegos? (Spiele) von 1983/84 ? zeigt sich auch klar daran, dass sich seit Jahren die Aufmerksamkeit wegwendet von der früher grossen Technik-Faszination hin zur stärkeren Beschäftigung mit der Natur. Bañuelos fragt sich daher selber, ob seine Suche nach der ?perfekten? Form ein ästhetisches Anliegen ist oder eine moralische Kategorie. Das mag es einerseits dem Traditionalismus entsprungen sein, der in der asketischen Mystik Kastiliens oder Teresa von  Ávila?s Perfektion begründet liegt. Andererseits ist es eine universelle Frage, denn diese Kastilianische Asketik findet man auch bei verschiedenen amerikanischen und britischen Künstlern der 1960/70er Jahre. Ein interessantes Beispiel dafür ist ? Spiral Jetty?, 1970 vom amerikanischen Bildhauer, Robert Smithson in Great Salt Lake, Utah geschaffen ? Bañuelos nimmt das wieder auf in seiner neuesten Arbeit ?Homenaje a Smithson? (Homage an Smithson), 2009, die in der Ausstellung gezeigt wird.

Das Jahr 2003 markiert den Beginn einer neuen Phase in seinem Werk, die Phase der ?Dekonstruktion?. Dabei benutzt er verwitterte Steine, die er zerteilt, kippt, aufeinanderstapelt oder wieder zusammensetzt. ?Es ist wie die stetige Wiederentdeckung neuen Lebens, schon Jacques Derrida schrieb darüber. Ich zerstöre Steine und mache etwas Neues aus ihnen? reflektiert Bañuelos über die Veränderungen. Es sei wie ein Element orientalischer Philosophie und die Technik wie die des Schälens einer Frucht in einzelne Stücke oder wie das Öffnen einer Tür: es erscheint die Seele der Dinge. ?Das Element der Überraschung ist dabei grundlegend und ich gebe zu, dass ich immer gerne gespielt habe. Ein Künstler vergisst niemals seine Kindheit.? 

30. September 2009 bis 10. Januar 2010

IVAM Centro Julio Gonzalez - Galería 5 (Sala Pinazo), Guillem de Castro, 118, E -46003 Valencia

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10- 20 Uhr, Montag geschlossen

http://www.ivam.es

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