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Juli 2010

Olafur Eliasson: "Innen Stadt Außen" (D)

Olafur Eliasson: "Mikroskop", 2010 ©the artist


Innen Stadt Außen ist die erste Einzelausstellung des dänisch-isländischen Künstlers in einer Berliner Institution. Thematischer Ausgangspunkt der speziell für den Martin-Gropius-Bau konzipierten Ausstellung ist Olafur Eliassons enge Beziehung zu Berlin – der Stadt, in der er seit vielen Jahren lebt und arbeitet und in der er ein ungewöhnlich facettenreiches Atelier etabliert hat, das Recherche, Produktion und Lehre gleichsam miteinander verbindet. Seit 2008 hat er eine Professur an der Universität der Künste Berlin und leitet dort das Institut für Raumexperimente.
Nach zahlreichen internationalen Übersichtsausstellungen und Projekten profitiert diese Ausstellung davon, dass Berlin Olafur Eliasson als Ort für Experimente mit Architektur und urbanen Strukturen offen steht. Durch zahlreiche neue, speziell für die Ausstellung realisierte Installationen wird der Martin-Gropius-Bau zum Schauplatz von Olafur Eliassons Praxis.
Innen Stadt Außen beschäftigt sich intensiv mit dem Verhältnis von Museum und Stadt, Architektur und Landschaft, sowie von Raum, Körper und Zeit. Die Entwicklung ortsbezogener Arbeiten für den musealen Kontext wird durch Projekte im öffentlichen Raum erweitert und kommentiert. So wird der Martin-Gropius-Bau mit unterschiedlichen Orten innerhalb der Stadt verknüpft. Das Gesamtprojekt umfasst über 28 Werke, deren überwiegender Teil für diesen Anlass geschaffen wurde.

Kuratiert wird die Ausstellung von Daniel Birnbaum, Kritiker, Ausstellungsmacher und Rektor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, Frankfurt a. M., und Leiter der 53. Internationale Kunstausstellung der Biennale Venedig 2009.

Daniel Birnbaum zur Ausstellung:
Zuweilen entsteht der Eindruck, in Eliassons Arbeiten gehe es größtenteils um die Natur, genauer gesagt um intensive Naturphänomene wie Wind, Wasser, Nebel und Licht. Diese werden allerdings lediglich als Mittel zur Erzeugung von Kunstwerken genutzt, deren Entstehung dem Publikum vor Augen geführt wird, indem beispielsweise die Tragekonstruktion eines vor dem Fenster im ersten Geschoss „schwebenden“ Rasenstücks deutlich sichtbar bleibt. Der Fokus wird hierbei also auf den Vorgang des Wahrnehmens von Welt gelegt. Des eigenen Wahrnehmens.

Im Rahmen der Ausstellung Innen Stadt Außen taucht immer wieder das Motiv des Spiegels auf und bewirkt dabei stets eine Umkehrung von Innen und Außen. Überall in Berlin stößt man auf Fahrräder mit seltsam entmaterialisierenden Rädern und auf Spiegel, die an den ungewöhnlichsten Orten angebracht sind. Ein Lkw, der auf einer Seite mit einem riesigen Spiegel versehen ist, bewegt sich langsam durch die Stadt und „überträgt“ dabei in
Echtzeit sein eigenes flüchtiges Film-Porträt. Der Spiegel erzeugt einen überraschenden Split Screen-Effekt, bei dem die tatsächliche und die gespiegelte Umgebung gleichzeitig und doch verschieden nebeneinander existieren. Er versetzt die statischen Gebäude mittels gleitender Verzerrungen in Bewegung und bewirkt so nicht nur eine Verdopplung des Raums, sondern auch eine Umkehrung der Ausdehnung des Raums in den Raum; er hält die kurzen Eindrücke von Fußgängern, Radfahrern und Autos bei ihrem Weg durch die Stadt fest.

Eliassons Fähigkeit zu verdoppeln, zu erweitern und umzukehren wird nirgends sichtbarer als im Zentrum des Martin-Gropius-Baus. Er lässt die Ornamente der Innenfassade ins Dunkel treten, indem er ein riesiges, bis zum Oberlicht reichendes Kaleidoskop errichtet, das den Betrachter in eine verblüffende Architektur aus unendlichen Spiegelungen katapultiert. Mit einfachsten Mitteln inszeniert Eliasson die optische Illusion eines Kristallpalastes, in dem die Besucher, umhüllt von dieser durchlässigen Architektur, zwischen Innen und Außen zu schweben scheinen.

28. April bis 9. August 2010, Martin-Gropius-Bau, Berlin

www.innenstadtaussen.de / www.olafureliasson.net / www.gropiusbau.de

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