News-Detail

Dezember 2011

RESTLICHT, 1992/2012 - Werner Mally (DE)

Modell: RESTLICHT - Werner Mally, Foto: Siegfried Wameser


Modell und Projekt

1992, Gedenkstätte für die 1938 zerstörte Synagoge in Schwerte (nicht realisiert)

2012, Realisierung als mobile Gedenkstätte für die 5. Schweizerische Triennale der Skulptur in Bad Ragaz (CH)

Werner Mally ist eingeladen, RESTLICHT für die 5. Schweizerischen Triennale der Skulptur in Bad Ragaz (CH) zu realisieren und zu präsentieren. Diese Ausstellung, die von dem Chefarzt und Kunstmäzen Rolf Hohmeister und seiner Frau Esther veranstaltet wird, findet vom 12. Mai bis 4. November 2012 statt. 79 Künstlerinnen und Künstler aus 16 Ländern stellen ihre Großskulpturen unter freiem Himmel aus.

Werner Mally hat sich entschieden, seine Skulptur so zu produzieren, dass sie mit einer Größe von 4,00 x 4,00 m und einer Höhe von 2,50 m als mobiles Objekt problemlos auf- und abgebaut werden kann. Es ist die Idee, RESTLICHT nach der Triennale auf die Reise zu schicken und an verschiedenen Orten temporär zu zeigen.

WÄCKER & GRAUPNER übernehmen die Projektbetreuung.

Ab 10. Januar 2012 werden das Projekt und das Modell der Skulptur im Büro in der Baaderstraße ausgestellt, um Interessenten und potentiellen Sponsoren das Vorhaben zu präsentieren:

10. Januar. – 11. Februar 2012
Di / Do 14 – 19, Sa 11 – 14 Uhr und nach Vereinbarung

WÄCKER & GRAUPNER
Kunstvermittlung Ausstellungen
Baaderstraße 19
80469 München
T *49 (0)89.30 70 42 64
buero@waecker-graupner.de  
www.waecker-graupner.de


Konzept

Ein Baldachin, wie der Hochzeitsbaldachin, die Chuppah, ein Dach, wie das der Laubhütte, durch das die Sterne schimmern – das sind die sakralen, tragbaren Räume, die diese Gedenkstätte andeutet.
Provisorische Behausungen gehören von seinen Uranfängen zur Geschichte des Judentums: Seit Abraham Engel als Gäste in Zelten empfing, seit der Jahre dauernden Flucht aus Ägypten, der Zerstörung des Tempels, den Pogromen in Europa, seit der Zeit des Nationalsozialismus.
Solche Räume sind mit dem Wesen des Judentums verbunden – bis heute. Daher ist die Geschichte der Synagogalarchitektur keineswegs mit der Geschichte der Kirchenarchitektur Europas vergleichbar.
Auch bei diesem Pavillon schimmert unter einem Stahldach auf vier Pfeilern der Himmel hindurch, diesmal nicht durch Laub, noch durch Baldachinstoff, sondern durch kleine Bohrungen. Es sind die Zahlen der schicksalhaften Jahre 1938 bis 1945, die in die Stahlplatte perforiert wurden.
Doch nicht auf irgendeine Art, sondern als Nachahmung von Tätowierungen! Die einzelnen Nadelstiche lassen Licht auf den Besucher fallen, der sich im Bereich des Schattens aufhält. Die Stiche als Lichtüberträger, die entstehende "Tätowierung" des Besuchers mit Licht, machen den besonderen Eindruck dieses Ortes aus.
Im Judentum ist es explizit verboten, die Haut eines Menschen zu tätowieren (Leviticus 19/28). Maimonides begründet das mit dem heidnischen Charakter solcher Bräuche. Tiere, aber nicht Menschen können damit versehen werden. Das Tätowieren der jüdischen Gefangenen in den Konzentrationslagern hat sie daher in ihrem religiösen und in ihrem menschlichen Selbstverständnis verletzt.
In Bad Ragaz ist der Lichteinfall nicht dem Zufall überlassen: Die Winkel der konischen Bohrungen versuchen das einfallende Licht optimal auszunutzen, die projizierten Jahreszahlen wandern je nach Tages- und Jahreszeit über den Bürgersteig bis zu den angrenzenden Gleisen des Bahnhofs.
Damit bezieht das Kunstwerk die scheinbar unbeteiligte Umgebung mit ein. Das Licht- und Schattenspiel erhält hier seine besondere Bedeutung: Der Schatten des Unbewussten, der zugleich das Unbekannte, das Verdrängte, das Verworfene und das Verwerfliche, ja das Böse schlechthin darstellt, kann durch das Licht des Bewusstseins ausgeleuchtet werden. So entsteht exemplarisch und archetypisch – z.B. in den Schöpfungsmythen ein lebbarer Raum. Ohne Licht gäbe es kein Leben, kein Sehen, kein Erkennen des Guten und des Bösen. Die Be- und Er-Leuchtung des verschatteten Raumes der Holocaust-Geschichte durch das Erinnern stellt den eigentlichen Auftrag dieses Werkes dar. So sind es die Jahreszahlen der für die Juden dunkelsten Zeit von 1938 bis 1945, die als Lichtquellen dienen, um den Schatten punktuell auszuleuchten.  Mit ihrer Wanderung über das erhöhte Plateau bis zu den angrenzenden Gleisen berührt das Bewusstsein die Außenwelt.

(Text: Joanne Wieland-Burston)                                                                                                                                               


Vita

1955  geboren in Karlovy Vary (Karlsbad), CZ
1966  Umsiedlung in die Bundesrepublik Deutschland
1980  Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München  
          bei Sir Eduardo Paolozzi
1984  Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei  
          Bruno Gironcoli 
lebt und arbeitet in München

www.wernermally.de 

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