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Dezember 2009

László Moholy-Nagy Retrospektive in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (D)

LÁSZLÓ MOHOLY-NAGY ?Dual Form with Chromium Rods?, 1946, Plexiglas und verchromte Messingstäbe, 93 x 121 x 56 cm, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Photograph by David Heald © The Solomon R. Guggenheim Foundation, New York

 

Kein anderer Lehrer am Weimarer und Dessauer Bauhaus, aber auch kaum ein anderer Künstler der an utopischen Entwürfen reichen Epoche der 1920er-Jahre in Deutschland weist ein so breites Spektrum an Ideen und Aktivitäten auf wie der in Ungarn geborene László Moholy-Nagy (1895 ? 1946) ? er war von allen Künstlern am Bauhaus der vielseitigste und wohl auch der produktivste.  Seine zukunftsweisenden Theorien über die Kunst als Versuchsfeld für neue Ausdrucksformen und deren Anwendung auf alle Bereiche des modernen Lebens wirken bis in die Gegenwart hinein.

 

In Moholy-Nagy`s Werk stehen Malerei und Film, Fotografie und Skulptur, Bühnenbildentwurf, Zeichnung und Fotogramm gleichwertig nebeneinander und treten kontinuierlich immer  wieder auf. Sie werden abwechselnd eingesetzt, variiert und als Teile eines universellen Gesamtkonzepts wieder aufgegriffen, dessen roter Faden der wache, neugierige und unbändig experimentelle Geist des ?Multimedia?-Künstlers Moholy-Nagy ist. Lange bevor von ?Mediendesign? und professionellem ?Marketing? gesprochen wurde, arbeitete Moholy-Nagy auch in diesen Bereichen als Vordenker neuer technischer, gestalterischer und didaktischer Instrumente. ?Alle Gestaltungsgebiete des Lebens sind eng miteinander verknüpft?, schrieb er um 1925 und war trotz seines Mottos ?Kunst und Technik ? eine Einheit? kein unkritischer Verehrer des Maschinenzeitalters, sondern eher ein der Technik offen und aufgeschlossen gegenüberstehender Humanist. Steigerung der Lebensqualität, Vermeidung von Spezialistentum, Wissenschaft und Technik als Bereicherung und Vertiefung menschlicher Erfahrungen ? so ließe sich seine künstlerische Grundhaltung zusammenfassen, die exemplarisch für das idealistische und utopische Denken einer ganzen Epoche steht und bis heute nachwirkt.

 

Nachdem er 1928 das Bauhaus verlassen hatte, gründete Moholy-Nagy in Berlin ein eigenes Atelier und entwickelte Werbegrafiken unter anderem für die von Wilhelm Wagenfeld geschaffenen Entwürfe der Jenaer Glaswerke. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten emigrierte Moholy-Nagy über Amsterdam und Großbritannien nach Amerika und gründete 1937 das ?New Bauhaus? und nach dessen Schließung 1939 die wenige Jahre später in Institute of Design umbenannte School of Design in Chicago, wo er sich weiter für die Integration von Kunst, Wissenschaft und Technologie einsetzte. Am 24. November 1946 starb Moholy-Nagy in Chicago an Leukämie.

 

Die Retrospektive der Schirn Kunsthalle präsentiert anhand von etwa 170 Werken ? Gemälden, Fotografien und Fotogrammen, Skulpturen und Filmen sowie Bühnenbildentwürfen und Typografien ? alle Werkphasen. Anlässlich des 90-jährigen Jubiläums der Gründung des Bauhauses führt sie damit erstmals seit der letzten großen Ausstellung in Kassel 1991 die enorme künstlerische Bandbreite Moholy-Nagys vor Augen.

Die Ausstellung in der Schirn wird durch den bis 2009 unverwirklichten ?Raum der Gegenwart? ergänzt, der eine prägnante Zusammenfassung von Moholy-Nagys Werk darstellt. Die Entwürfe für dieses viele Theorien des Künstlers vereinende Environment gehen bereits auf das Jahr 1930 zurück und werden nun anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2009 in der Schirn realisiert.

 

Neben ?Kunst für Millionen. 100 Skulpturen der Mao-Zeit? zeigt damit die Schirn Kunsthalle eine zweite hervorragende Ausstellung, die zusammen umso mehr einen Besuch lohnen. Auch für die Moholy-Nagy Ausstellung ist ein weiterer ausgezeichneter Katalog erschienen, der einen tiefen Einblick gibt in das Schaffen und das Leben dieses visionären Künstlers:

 

László Moholy-Nagy. Herausgegeben von Ingrid Pfeiffer und Max Hollein. Mit einem

Vorwort von Max Hollein und Texten von Ulrike Gärtner, Kai-Uwe Hemken, Gerald Köhler, Herbert

Molderings, Ingrid Pfeiffer und Joyce Tsai. Deutsche und englische Ausgabe, je 192 Seiten,

220 Abbildungen, Prestel Verlag, München 2009, ISBN 978-3-7913-5001-1 (deutsche Ausgabe),

ISBN 978-3-7913-5002-8 (englische Ausgabe), Preis 29,80 ? (SCHIRN) / 49,95 ? (Buchhandel).

 

Die Ausstellung läuft vom 8. Oktober 2009 bis zum 7. Februar 2010

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt

Öffnungszeiten: Di, Fr - So 11 ? 19 Uhr/ Mi + Do 10 - 22 Uhr/ Montag geschlossen

http://www.schirn.de

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