Die Städtischen Museen Heilbronn sind mit ihrem Schwerpunkt ?Skulptur? immer für überraschende Ausstellungen gut. Dieter Brunner, der Ausstellungsleiter Kunst- und Skulpturenmuseum, hat sich jetzt wieder etwas Neues einfallen lassen: er behandelt das Fundament der Kunst.
Zusammen mit Arie Hartog (Gerhard-Marcks-Haus Bremen) und Oliver Kornhoff (Arp Museum Bahnhof Rolandseck) zeigen sie eine umfassende Ausstellung zur Entwicklung des Sockels im 20. Jahrhundert. Erstmals wird die Entwicklung des traditionellen skulpturalen Unterbaus, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts entscheidende Wendungen erfährt, in einer großen Schau beleuchtet. Als monumen-talisierendes Postament hatte der Sockel seit der frühen Antike über zahlreiche Epochen hinweg nahezu ausschließlich dienende Funktionen inne. Erst Rodin und Brancusi beschäftigen sich mit diesem traditionell nachgeordneten, scheinbar nebensächlichen Element und öffnen ihm neue Perspektiven und Räume: Das schließt die Befreiung von einem gängigen Formenkanon und einer bestimmten Dimensionierung, aber auch die grundsätzliche Infragestellung seiner Existenz ein.
Der Sockel entfaltet im Verlauf des 20. Jahrhunderts, insbesondere in der zweiten Hälfte, ein formales und inhaltliches Spektrum, an dem viele wichtige Schritte der Geschichte der Skulptur bis in die Gegenwart sichtbar werden. Die Ausstellung hat das Ziel, die enorme Vielfältigkeit, welche das plastische Fundament seit dem Jahrhundertbildhauer Alberto Giacometti erlebt, einem breiten Publikum nahe zu bringen.
Anhand von rund 50 künstlerischen Positionen wird das Thema in all seinen stilistischen Ausprägungen beleuchtet. Die Ausstellung zeigt dabei die Entwicklung, wie sich der Sockel zunehmend von gängigen Vorstellungen befreit und eigene gestalterische Möglichkeiten beansprucht. Der Bogen wird dabei vom repräsentativen Sockel am Ende des 19. Jahrhunderts über die Minimierung und die ironische Paraphrase bis hin zu einer erneuten Überdimensionierung gespannt, ebenso von den traditionellen Gestaltungen über die Integration in das plastische Konzept bis hin zur Verselbstständigung als plastisches Element.
Wie üblich wird die Ausstellung wieder von einem sorgfältig erarbeiteten Katalog begleitet, der das Thema ?Sockel? nicht nur historisch, sonder auch die aktuellen Strömungen facettenreich kommentiert:
?Das Fundament der Kunst - Die Skulptur und ihr Sockel seit Alberto Giacometti?, hrsg. von Dieter Brunner, Marc Gundel u.a., Heilbronn u.a.O., 2009/10, Edition Braus, 4to., 160 S. mit 150 farb., teils ganzseit. Abb., Ppbd., ISBN-13: 978-3894663162, Preis 35 ?
In Heilbronn läuft die Ausstellung vom 24. Oktober 2009 bis 31. Januar 2010. Weitere Stationen Gerhard-Marcks-Haus Bremen (28. Februar bis 23. Mai 2010) und Arp Museum Bahnhof Rolandseck (24. Juni bis 24. Oktober 2010)
Städtische Museen Heilbronn, Deutschhofstr.6, D - 74072 Heilbronn
Öffnungszeiten: Dienstag ? Freitag: 10 - 13 , 14 - 17 Uhr / Samstag, Sonntag, Feiertag: 11 - 17 Uhr / Sonderausstellungen zusätzlich: 1. Donnerstag im Monat 10 - 13 , 14 - 21 Uhr








