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Oktober 2009

?Zwischen Dinglichkeit und Absenz - Zeitgenössische Spanische Skulptur 2000-2010? im Museo de Arte Contemporáneo Esteban Vincente in Segovia (E)

Cristina Iglesias ?Sin título? (Celosía VI), 2002, Madera, resina y polvo de cobre, 250 x 950 x 500 cm, Courtesy Marian Goodman Gallery, París, Francia

 

Mit dem Untertitel ?Im Reich des Schweigens? präsentiert das auch baulich interessante Museum mit einer Auswahl von 14 Künstlern einen spannenden Überblick über zeitgenössische Spanische Skulptur.

Mit dem Paradigmenwechsel, den die klassische Bildhauerei im neunzehnten Jahrhundert erfahren hat, wird Skulptur als einer der innovativsten, radikalsten und fruchtbarsten Bereiche innerhalb der bildenden Kunst angesehen. Der Minimalismus holte die Skulptur von ihrem Sockel auf den Boden und führte zu einer anderen Art der Wahrnehmung und des Erlebens von Raum, Form und Material. In ihrem berühmten Essay von 1979 ?Sculpture in the expanded field? stellte Rosalind E. Krauss die Grundzüge der Skulptur der 60er und 70er Jahre dar. Es hatte eine Verschiebung stattgefunden, weg vom ?ornamentalen Gepäck? der äusseren Form und hin zu einem Raumerlebnis, das die experimentelle Interaktion mit dem Betrachter sucht. 

Nicht zuletzt durch die politischen Ereignisse im Land hat sich die spanische Kunst seit Mitte der 1980er Jahre immer stärker international geöffnet und damit auch zu neuen Erfolgen geführt. Mit den Werken von 14 Künstlern aus verschiedenen Generation und sehr unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen will die Ausstellung in Segovia einen Beitrag zur Debatte über die spanische Skulptur heute leisten. Dabei hat sich der Ausstellung, der bekannte Kunsthistoriker Professor Francisco Calvo Serraller, auf die ersten zehn Jahre des neuen Jahrtausends beschränkt, also von 2000 bis 2010.

Serraller geht aus von den historischen Wurzeln der bahnbrechenden spanischen Bildhauer des 20ten Jahrhunderts (Picasso, Julio González, Oteiza and Chillida) und zeigt deren Einfluss in der historischen Avantgarde und auf die künstlerischen Tendenzen der 1960er und 1970er Jahren. Doch immer mehr lösen sich die Künstler von diesen ?Heroen? und suchen den internationalen Dialog. Serraller ist es hervorragend gelungen, zwischen den einzelnen, höchst unterschiedlichen Künstlern und ihren Werken einen stimmungsvollen Dialog herzustellen und die verschiedenen Strömungen darzustellen.

So stehen die Köpfe des existentialistischen Realismus von Antonio López (Tomelloso, Ciudad Real, 1936) neben den architektonischen Werken von Juan Navarro Baldeweg (Santander, 1939), der sich mit Licht, Volumen und leerem Raum beschäftigt. Die Skulptur von Jaume Plensa (Barcelona, 1955) regt zum Nachdenken über die ?condition humaine? an, während die komplexen und dynamischen Strukturen des Blanca Muñoz (Madrid, 1963) uns in Richtung Kosmos scheuen lassen.

Dagegen ist die unverwechselbare Bildsprache von Francisco Leiro (Cambados, Pontevedra, 1957) tief verwurzelt in der Mythologie unserer Vorfahren. Mediterrane Sinnlichkeit offenbart sich in der "malerischen" Materialität der Keramik von Miquel Barceló (Felanitx, Mallorca, 1957) ? gerade auch zu sehen auf der Biennale Venedig. Als Kontrapart steht dazu die konstruktive Strenge in den Werken von Susana Solano (Barcelona, 1946) mit ihren Überlegungen zu Raum und zu Spuren der Erinnerung. Elena del Rivero (Valencia, 1949) erforscht mit ihrer transzendenten Sicht von banalen Dingen, die enge häusliche Welt. Naia del Castillo (Bilbao, 1975) beschäftigt sich mit der Geschlechterrolle und den Strategien der Verführung und den Stereotypen des Alltags. 

Die in der Ausstellung gezeigten Künstler sind: Antonio López (Tomelloso, Ciudad Real, 1936), Juan Navarro Baldeweg (Santander, 1939), Eva Lootz (Viena, Austria, 1940), Susana Solano (Barcelona, 1946), Elena del Rivero (Valencia, 1949), Jaume Plensa (Barcelona, 1955), Cristina Iglesias (San Sebastián, 1956), Miquel Barceló (Felanitx, Mallorca, 1957), Francisco Leiro (Cambados, Pontevedra, 1957), Pello Irazu (Andoain, Guipúzcoa, 1963), Blanca Muñoz (Madrid, 1963), Javier Pérez (Bilbao, 1968), Sergio Prego (San Sebastián, 1969), Naia del Castillo (Bilbao, 1975). 

Wer sind auf hohem Niveau über zeitgenössische spanische Skulptur informieren will, der darf diese Ausstellung nicht verpassen.

Ausstellungsdauer vom 30. September 2009 ? 21. Februar 2010

Museo de Arte Contemporáneo Esteban Vincente, Plazuela de las Bellas Artes, Segovia 40001, Spanien

www.museoestebanvicente.es

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