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Oktober 2009

16. Internationale Triennale der Skulptur Poznan (PL)

Der neuromanische Burg-Eingang zur Triennale mit Arbeiten von Marino de Teana/ Bild: Jörg Plickat


Unter dem Titel ?The crisis of the genre?? präsentiert sich die 16.internationale Triennale der Skulptur in Poznan/Polen vom 3. Oktober bis zum 2. November 2009 als Ausstellungspaket von 5 Ausstellungen: Eine Hommage an den 89 Jährigen italienischen konstruktivitisch arbeitenden Marino di Tiana, eine von einer internationalen Jury aus etwa 600 Einreichungen jurierte Austellung, das dialogische Paar der von der französischen Kuratorin  Laurence d?Ist und dem polnischen Kurator Robert Sobocinski zusammengestellter Ausstellungen, sowie fairerweise das unvollendete Projekt des während der Arbeit verstorbenen Kurators Olivier Billard bilden das Austellungskonvolut. 

Ort dieser größten Skulpturen-Ausstellung  Polens ist das Kulturzentrum Zamek, ein wilhelminisches Remake einer Burg in pompös neuromanischen Stil von 1910, an dem sich später auch noch im Auftrag der Nazis Albert Speer versuchte. 

Die zentralen Fragen waren: Wie würde sich das Ausstellungskonzept mit dem gewiss nicht unproblematischen Ausstellungsort vertragen?  Und sind die verschiedenen Ausstellungskonzepte überhaupt differenzierbar?

Doch das Ergebnis überrascht in jeder Hinsicht positiv: Die Ausstellungen erstrecken sich fast über zwei vollständige Stockwerke der riesigen Palastanlage mit ihren pompösen aber doch verwinkelten Fluren , Sälen und Treppenhäusern. Den Ausstellungsgestaltern Laurence d?Ist, Waldemar Idzikowski, Robert Sobocinski und Karolina Szotkiewicz ist eine ungemein spannende Präsentation gelungen. Durch strategische Ausnutzung der Architektur und geschickten Einsatz von Trennwänden entsteht eine Art Ausstellungslabyrinth, in das sensibel skulpturale Inszenierungen implantiert werden, die den Betrachter immer wieder mit neuen unerwarteten Situationen konfrontieren. 

Es mag erstaunen, aber im zweiten Durchgang erkennt man doch die unterschiedlichen Ansätze und Handschriften der Kuratoren. Und: dieses Projekt verträgt wegen seiner Größe die verschiedenen Ansätze durchaus, die Vielschichtigkeit wirkt bereichernd. Positiv fällt auch auf, dass man trotz krisenbedingt knapper Mittel von 100 000 Euro der internationalen Dimension sehr viel Raum gegeben hat, Schwerpunktland ist Frankreich; auch die Schweiz, Holland und Deutschland sind gut vertreten, aber auch Künstler aus Belgien, Luxemburg, Martinique, Israel, Russland, Dänemark und den USA präsentieren ihre Werke. Den Katalog, der zwar grafisch sehr schön gestaltet ist, hätte man sich etwas umfangreicher gewünscht, er dokumentiert so die Qualität der Ausstellung nur unzureichend, aber das knappe Budget mag hier als Entschuldigung gelten. 

Das Eröffnungsprogramm mit Vernissage, einer zweisprachigen und stellenweise konträr geführten Podiumsdiskussion über die vielfältigen Krisen des Genres sowie Führungen durch die Ausstellungen waren gut besucht Es waren auch zahlreiche ausländische Künstler erschienen, ihnen wurden zwei besondere Empfänge geboten, die das Programm vorzüglich abrundeten. 

Abschließend noch eine Anmerkung zur jungen polnischen Bildhauerei. Natürlich blickt man auch aus Polen auf die internationale Szene, trotzdem war sehr viel Originäres und häufig auch gute Portion Witz in den ausgestellten Arbeiten zu erkennen, die absolut nicht hinter Arbeiten der internationalen Nachbarn zurückstanden, die junge polnische Bildhauerszene verdient daher für die Zukunft auch international sehr viel mehr Beachtung.

Weitere Informationen: http://www.triennale.artproduct.com.pl/

Autor: Jörg Plickat, Bildhauer, Bredenbek/Deutschland

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