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Oktober 2009

Eine wundervolle Symbiose von Kunst und Natur: Der Skulpturengarten von Hannah Peschar in Ockley/ Südengland

Hannah Peschar in ihrem Sculpture Garden, Surrey 2005, Photograph by Emily Bellhouse

 

Wer keine Zeit hat, sich auf den Weg in die Grafschaft Surrey zu machen, bekommt über den Internetauftritt des Skulpturengartens einen schönen Vorgeschmack: Untermalt von Vogelgezwitscher wandert der virtuelle Park-Besucher durch das grüne Paradies.

 

Rund 100 Werke von verschiedenen Künstlern stellt Hannah Peschar jedes Jahr aus und bietet sie zum Verkauf an: Die Exponate sind gegenständlich bis abstrakt und aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Metall und Marmor, Glas, Draht und Kunststoff geformt. Die Kuratorin hat ein besonderes Händchen dafür, jede Skulptur an einem passenden Ort zu platzieren. Bunte Keramikbälle thronen auf mit Moos überwachsenen Steinen, ein wohl geformter Frauenkörper aus Stahl liegt inmitten von hüfthohen Gräsern und ausladenden Farnen unter einem hohen Baum und zerbrechliche Plastikstäbe scheinen über einem mit Seerosen bedeckten Teich zu schweben: Es sind allesamt Orte der Begegnung zwischen Natur und Kunst, still und überraschend zugleich.

 

Hannah Peschar berichtete als Auslandskorrespondentin für den niederländischen Rundfunk über die britische Politik ? bis sie 1984 ihren Traum verwirklichte und den ersten kommerziellen Skulpturengarten in Großbritannien eröffnete. Ihr engster Mitarbeiter ist seither der renommierte Landschaftsarchitekt Anthony Paul.

 

?Ich hatte Glück, Anthony Paul kennen zu lernen, der genau wie ich ein Liebhaber ist von Landschaften mit wilden Pflanzen, haarigen Blättern und stacheligen Stengeln und von Böden, die mit Moos statt mit Gras bewachsen sind.

 

Ich wandte mich zu Beginn an die großen Kunstakademien und bat sie um Unterstützung. Meine erste Ausstellung eröffnete Philip King, der damals Professor am Royal College of Arts war. Er stand meinem Garten ? wie viele andere Fachleute auch ? anfangs eher skeptisch gegenüber.

 

Erlauben Sie mir dazu einen kleinen Exkurs: Gartenskulptur, genauer gesagt Skulptur im Garten, blickt auf eine ruhmvolle und rund 2000 jährige Vergangenheit in Europa zurück. Sie spielte stets eine wichtige Rolle ? sowohl in der architektonischen Landschaftsgestaltung französischer Prägung als auch in der natürlichen, wie sie die Engländer bevorzugen. Denken Sie an die Statuen, die einen wesentlichen Teil der Gärten von Hadrians Villa außerhalb Roms bildeten, oder an die berühmten formal gestalteten Landschaften der Renaissance in Italien und Frankreich, nicht zu vergessen die wohl durchdachten Gestaltungslinien der englischen Gärten des 18. Jahrhunderts. Leider nahmen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa 1980 nur wenige Landschaftsgestalter zeitgenössische Skulpturen in ihre Arbeiten auf. Auch die berühmte Chelsea Flower Show hat lange kaum Skulpturen gezeigt ? und wenn, dann nur solche, die die traditionelle englische Vorliebe für Sentimentales ausdrücken: Engel, Hunde, Zwerge und kleine Mädchen in Ballerina-Kleidung. Die zwei großen Ausnahmen waren Henri Moore und Barbara Hepworth, deren Werke erst spät von der Royal Academy of Arts in London anerkannt wurden.

 

Auch die britischen Bildhauer waren anfangs skeptisch, als ich sie einlud, ihre Werke in meinem Garten auszustellen, waren sie es doch gewohnt, dass das Licht in Museen und Galerien während des ganzen Tages gleich bleibt. In der Natur wirft die Sonne eben abends lange Schatten, bisweilen regnet oder schneit es. Daher sieht dreidimensionale Kunst im Freien einfach ganz anders aus als in einem Museum.

 

Oft gehe ich bewundernd durch meinen Garten, auch wenn sich dichter Nebel auf ihn gesenkt hat. Das wechselnde Licht verleiht den Skulpturen Glanz und manchmal etwas Gespenstisches. Das Hauptelement im Skulpturengarten ist die Wechselwirkung zwischen Kunst und Natur. Je aussagekräftiger die Kunst, desto mystischer die Umgebung ? und umgekehrt.

 

Ich darf mit meinem Motto abschließen: ?Komm in den Garten und vergiss all Dein Wissen?.

 

Ausgestellt sind in Ockley Skulpturen von Peter Randall-Page, Paul Vanstone, Beate Schroedle, Thiebaut Chague, Almuth Tebbenhof und unter anderen auch von Rob Ward, dem britischen Korrespondenten von sculpture network. Kürzlich wurde die Ausstellung durch die Klang-Skulptur ?Grow? des renommierten zeitgenössischen Komponisten Robert Jarvis bereichert. Das Projekt wurde vom British Arts Council gefördert. ?Grow? ist inspiriert von der DNA-Struktur zweier Bäume, die rund um einen verborgenen Teich in Hannah Peschars Garten stehen, sowie von einigen Bambus-Sträuchern und einer sehr plastischen Gunnera manicata (einem so genannten Riesen-Rhabarber).

 

 

Hannah Peschar

The Hannah Peschar Sculpture Garden, Black & White Cottage, Ockley / Surrey  RH5 5QR

T: + 00 44 (0) 1306 627269

 

info@hannahpescharsculpture.com

www.hannahpescharsculpture.com

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