Dreidimensionale Kunst und Architektur: unser Jahresthema 2018

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Ein Interview mit Eva Wolf - unsere Kuratorin

Thomas Rappaport
Ein Interview mit Eva Wolf - unsere Kuratorin

Was ist dreidimensionale Kunst? Was ist Architektur? Sprechen wir eher von architektonischer Kunst oder doch von einer künstlerischen Architektur? – Mit solchen Fragen befasst sich das Jahresthema von sculpture network. Es lässt viel Interpretations- und Diskussionsfreiheiten, die Grenzen sind verwischt und je nach Blickwinkel können die beiden Begriffe ganz unterschiedlich ausgelegt werden. Eva Wolf befasst sich schon seit langem mit diesen Thematiken. Im Gespräch mit sculpture network erzählt sie, wie sie zur Kunst sowie der Architektur gekommen ist und was sie als Kuratorin des Jahresthema erreichen möchte.

Was haben Sie bisher gemacht?
Ich habe mich mein ganzes Leben lang intensiv mit Architektur auseinandergesetzt. Nachdem ich an der Technischen Universität München und an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee mein Architekturstudium absolviert hatte, hatte ich die Gelegenheit als  Co-Kuratorin des Berliner Architektur und Film Festivals, das Thema zu gestalten und dabei Vorträge und Podiumsdiskussionen interessanter Gastrednern zu moderieren. Mich hat dabei immer die Raumwirkung interessiert in der jeweiligen Betrachtungsweise. Woher kommt die Idee? Was ist möglich und welche Potentiale, welche Aufgaben werden Raum zugeschrieben: eine Suche nach Intention, nach einer räumlichen Umsetzung, die berührt. In der Zeit, in der ich für das international wirkende Architekturbüro Coop Himmelb(l)au in Wien tätig war,  konnte ich in einem sehr bereichernden Umfeld, diese Fragen weiterentwickeln und  bearbeiten Jetzt hat es mich von Wien zurück nach München verschlagen, wo ich an eigenständige wissenschaftliche Publikations- und Forschungsarbeiten arbeite und an Kongressen und Fortbildungen teilnehme, die sich unter anderem mit Innovationen in Technologie und Gesellschaft befassen.

Eva Wolf

Wie sind Sie von der Architektur zur Kunst gekommen?
Ich überlege welche Leidenschaft zuerst da war. Ich erinnere mich an Erlebnisse als kleines Kind in Museen, die mir den Eindruck vermittelten, dass Kunst für mich persönlich eine große Bereicherung ist. Vieles ging mir schon damals unter die Haut und ich hatte stets den Eindruck, dass ich für mich in der Kunst verständlichere Antworten auf meine Fragen im Leben finde als in manch anderen Bereichen.
Die Architektur als Gefäß, als Stadt und als Raum umgibt stets und wirkt daher intensiv an  Erlebnissen und Eindrücken mit. Mich interessiert welche Rolle und Aufgabe der Architektur hier zugeschrieben wird und zugeschrieben werden kann. Was ist alles möglich und natürlich: wie geht der Architekt mit dieser Aufgabe um?
Wie kann er mehr erreichen für das allgemeine Gefäß, mit dem/in dem wir Menschen leben?? Das Architekturstudium an der Kunsthochschule Weißensee war eine große Bereicherung. Wir haben Projekte gemeinsam mit anderen Disziplinen erarbeitet und diskutiert. Ich bin zum Beispiel für eine Bildhauerkollegin, die an einer räumlichen Auseinandersetzung mit Kafka arbeitete, als junge Studentin in einem Schnabeltierkostüm durch den Berliner Zoo gelaufen: eine Gelegenheit intensiv in ihre Betrachtung von Raum, ihren Bezügen und Möglichkeiten einzutauchen und den  Blick über den Tellerrand intensiv zu erleben. Den Fragestellungen und dem Drang, explorativ zu arbeiten, konnte ich während meiner Zeit, die ich für Coop Himmelb(l)au gearbeitet habe, weiter nachgehen. Das war für mich ein großes Glück und eine grosse persönliche Bereicherung.

Wie sind Sie zu sculpture network gekommen?
Durch meinen familiär bedingten Umzug nach München war ich auf der Suche nach neuen Inspirationen und Möglichkeiten. In diesem Zusammenhang hat mich meine Schwester auf sculpture network aufmerksam gemacht. Neugierig bin ich im weiteren Verlauf zu einer Veranstaltung von sculpture network gekommen, um zu verstehen, welche Menschen und Ideen hinter dieser Non-Profit-Organisation stecken.  So ergab dann eins das andere.

Sie sind die Kuratorin des Jahresthema. Warum haben Sie sich dazu entschieden, diese Funktion zu übernehmen?
Das Themenfeld zieht sich dieses Jahr – dem Jahresmotto folgend - zwischen dreidimesnionaler Kunst und Architektur auf und spricht sehr meine genannten Interessen an.  Die Möglichkeit in ein Thema einzusteigen und unterschiedliche Menschen zusammenzubringen, reizt mich enorm.

Auf welche Aufgaben freuen Sie sich am meisten?
Ich freue mich darauf, Architektur und räumliche Kunst mit dem Fokus auf die Gegenwart so zu beschreiben, dass sie gleichermaßen und auf gegenseitiger Augenhöhe tangiert werden und gleichzeitig gesellschaftlich relevant aufbereitet sind. Im Grunde klingt das naheliegend und beinahe selbsterklärend, da sie ja beiden Brücken in die Realität bauen. Ich stelle jedoch bisher fest, dass es im Detail dann gar nicht so einfach ist.

Wenn Geld für Sie keine Rolle spielen würde, welche Skulptur würdest Sie sich kaufen?
Es gibt zwei Gründe, warum ich hier schwerlich eine „direkte“ Antwort finde. Zum einen ist das "unter-die-Haut-Gefühl",  das so einige Skulpturen bei mir auslösen, für mich sehr intensiv. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich diese Erlebnisse daher direkt bei mir haben möchte. Zusätzlich würde ich es als ein Jammer empfinden, wenn die Skulptur unter diesen Umständen für andere nicht stets zugänglich wäre. Ich möchte sie prinzipiell nicht besitzen.
Zweitens ist das Spannungsfeld, in dem die Skulptur wirkt, so entscheidend. Wo dieses Feld dann also wäre, kann ich derzeit nicht sehen.
Würde Geld keine Rolle spielen: ich würde eine Skulptur in Auftrag geben, erstellt und durchdacht von mehreren Disziplinen. Ich würde vielleicht die Schriftstellerin und Dramatikern Sibylle Berg dazu befragen und den Komponist und Dirigenten Ondřej Adámek sowie auch das Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Dabei würden Glas und Keramik mitspielen und Stahl fließen. Aufstellen würde ich sie auf einem Schulhof.

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