Posthume Güsse: Bilanz und Perspektiven

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Was ist das?

Wir haben hier interessante Bücher rund um das Thema Skulptur zusammengestellt  und sie in 8 Kategorien eingeordnet.

Herausgegeben von Ursel Berger, Klaus Gallwitz und Gottlieb Leinz

Posthume Güsse: Bilanz und Perspektiven

Bd. 2 der Reihe "Bildhauerei im 20. Jahrhundert", Veröffentlichung der Arbeitsgemeinschaft Bildhauermuseen und Skulpturensammlungen e. V. c/o Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Zentrum Internationaler Skulptur, Duisburg

Eines der wichtigsten Grundlagen-Bücher zu dem brisanten Thema "Posthume Güsse" ist nun endlich erschienen: am 8. September 2008 hatte ein gewichtiges Fach-Symposium "Posthume Güsse" stattgefunden und nun können die Arbeitsgemeinschaft Bildhauermuseen und Skulpturensammlungen e.V. und das Arp Museum Bahnhof Rolandseck die im Deutschen Kunstverlag Berlin erschienene Publikation "Posthume Güsse. Bilanz und Perspektiven" vorlegen.

Bei Museen, Künstlern, Sammlern, Kuratoren, Kunsthändlern, Kunsthistorikern, Nachlassverwaltern und Rechtsanwälten ist das Thema posthume Güsse brisant und umstritten. Im vorliegenden Band wird erstmals versucht, die breit gefächerten Probleme und unterschiedlichsten Aspekte differenziert zu diskutieren.

Ausgewiesene Fachleute aus dem In- und Ausland referieren anhand von Fallbeispielen aus der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts u. a. über die Regelung urheberrechtlicher Verwertung, das Folgerecht und Steuerfragen, Gussauflagen sowie die Ausführung und Kennzeichnung von Güssen, über Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte, die Bestimmung festgelegter Materialien und Abmessungen, den Umgang mit existierenden Bronzegüssen, entstanden zu Lebzeiten oder posthum, die wissenschaftliche Behandlung in Sammlungs- und Werkverzeichnissen und nicht zuletzt den großen Einfluss merkantiler Interessen durch Kunsthandel und Markt.

Behandelt werden u. a. Künstler wie Arp, Barlach, Giacometti, Kollwitz, Lehmbruck, Maillol und Moore.

Die Diskussion um posthume Güsse beschäftigt die Öffentlichkeit seit etwa drei Jahrzehnten. Davor wurde die Frage, welche Bronzen zu Lebzeiten und welche erst nach dem Tod des Künstlers entstanden sind, nur selten gestellt. Demzufolge gab es auch kaum Preisunterschiede auf dem internationalen Kunstmarkt. Posthume Bronzegüsse nach den Originalmodellen herstellen zu lassen, ist bis heute eine gängige und im Rahmen des Urheberrechts zulässige Praxis der Rechtsnachfolger. Die Diskussion um die Bewertung posthumer Güsse begann in Deutschland zu Beginn der 1980er Jahre, als die posthume Produktion etlicher Barlach-Plastiken öffentlich kritisiert wurde.

Die Unterscheidung von posthumen Güssen und Bronzen zu Lebzeiten des Künstlers wird dadurch erschwert, dass in der Regel posthume Güsse nicht als solche gekennzeichnet sind. Wenn also ein Kunsthändler, ein Sammler oder ein Museumskurator eine Bronze einschätzen muss, kann er meist am Stück selbst nicht ablesen, um was es sich handelt, sogar wenn an der Figur Kennzeichnungen zu Edition und Guss angebracht sind.

Um solche Markierungen deuten zu können, ist Kennerschaft gefragt. Nicht selten sind zum Beispiel Angaben zu Auflagen irreführend. Wer etwa den »Singenden Mann« von Ernst Barlach als nummerierten Guss einer Zehnerauflage vor sich hat, muss berücksichtigen, dass es nicht bei den ursprünglich geplanten zehn Güssen blieb, sondern bis heute weit mehr als 50 Bronzen entstanden sind

Wer eine Maillol-Bronze als Guss Nr. 3/6 erwerben will, sollte bedenken, dass es den Guss 3/6 nach dem gleichen oder fast gleichen Modell auch von anderen Gießereien geben kann. Zuzüglich von jeweils noch zwei Künstlergüssen pro Gießereiauflage kann die Gesamtzahl dann auf über 30 ansteigen, auch wenn auf der Bronze selbst »6« steht

Es ist eine Duplizität der Ereignisse, dass kurz nach Erscheinen dieses wichtigen Buches in einer spektakulären Aktion ein Betrüger-Trio verhaftet wurde, die ca. 1000 Skulpturen von Alberto Giacometti gefälscht haben. Aufklärung, Wissen und Kennerschaft sind also mehr denn je gefragt.

Herausgeber: Ursel Berger, Klaus Gallwitz und Gottlieb Leinz
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3422069275
Gebundene Ausgabe: 231 Seiten
Format: 27,8 x 21,6 x 2,2 cm
Verlag: Deutscher Kunstverlag; Auflage: 1 (1. September 2009)

Die Publikation wurde gefördert von der Ernst von Siemens Kunststiftung und dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck.

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