Kuratoren zur zeitgenössischen Skulptur: Nadim Julien Samman (GB)

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Timur Si QinT M1517 (Paranthropus Robustus): Dressed in Woodlands Cammo, 2013

Die heutige bildhauerische Praxis greift die erweiterten technischen Möglichkeiten der Darstellung des digitalen Zeitalters auf. Diese neugefundenen Fähigkeiten haben uns zunehmend genauere Kontrolle über die Materialien geschenkt, vom sichtbaren Feld bis hin zu Partikeln und Molekularteilchen. Einhergehend mit solcher Überlegenheit, erleichtern Nachbildungen wahren Raums - mit Veränderungen nicht eingeschränkt durch physikalische Bedingungen (außer der Prozessorgeschwindigkeit) - die Übergänge von Index zu Remix, einfach zu vielfach, Kopie zu Version. Fortschritte an den Schnittpunkten von Mechanik und Chemie bedeuten, dass virtuelle Dinge durch 3-D Drucktechnik, Nanotechnologie usw. wieder materielle Gestalt annehmen können.

Der Kollaps der Körperlichkeit hin zu Informationen - zusammen mit unseren neudefinierten Raumvorstellungen - bedeuten, dass ein Gegenstand durch Raum und Zeit in verschiedenen Formen gleichzeitig verteilt werden kann. Die Unterscheidung zwischen dem Modell einer Skulptur und der Skulptur selbst wird zunehmend vage. Das Zeitalter der Beziehungen zwischen einzelnen Wesen geht gerade zu Ende und wird durch eine Ausrichtung auf das Kontinuum ersetzt.

Julian Charriere On The Sidewalk, I Have Forgotten The Dinosauria, 2013

Die Rhetorik vom Kontinuum erlaubt es dem generativen Moment einer Skulptur durch chemische Reaktionen usw. voran zu kommen. Unser tieferes wissenschaftliches Verständnis von den Prozessen - wie beispielsweise Interaktionen auf der biologischen/mineralischen Ebene - stützen die Strategien einer vom Künstler unabhängigen Entwicklung des Objektes. Sie deuten auch einen größeren zeitlichen (und demzufolge räumlichen) Rahmen an - was vielleicht der Grund für eine Hinwendung zu prähistorischen, archäologischen, geologischen und kosmischen Themen ist. Diese vermitteln einen Eindruck von organischer Komplexität, Unordnung und Unbegreiflichkeit und bieten einen brauchbaren Schutz, den Kampf gegen den sterilen und funktionalistischen Technofetischismus der digitalen Massenkultur aufzunehmen.

Aleksandra Domanovic, detail of From you to me, 2010

Vom Kurator ausgewählte Künstler, deren Arbeit die vorgestellten Theorien zur Skulptur illustrieren:

Timur Si-Qin (Berlin, 1984)
Aleksandra Domanovic (Novi Sad, 1981)
Julian Charriere (Morges, 1987)
Antoine Renard (Paris, 1984)
Daniel Keller (Detroit, 1986)
Katie Paterson (Glasgow, 1981)
Spiros Hadjidjanos (Athens, 1978)
Das Numen:
Andreas Greiner (Deutschland, 1979)
Julian Charrière
Felix Kiessling (Deutschland, 1980)
Markus Hoffmann (Deutschland, 1982)


Nadim Julien Samman


Nadim Samman arbeitet aktuell als Kurator in Berlin.

Er studierte zunächst Philosopie am University College in London, um dann am Courtauld Institute of Art in Kunstgeschichte zu promovieren. Samman’s kuratorisches Portfolio beinhaltet zahlreiche internationale Projekte, unter anderem in Russland, Italien, Großbritannien, der Schweiz, Deutschland, Marokko und in Österreich.

Höhepunkte der jüngeren Vergangenheit waren die 4th Marrakech Biennale, One of a Thousand Ways to Defeat Entropy,  die kuratorische Betreuung eines offizielles Begleitprogrammes zur 54. Biennale in Venedig und A Positive View (Somerset House, London) unter der Schirmherrschaft von HRH Prinz William.

Samman wird häufig als Redner eingeladen, so zum Beispiel vom Institute of Contemporary Art, London, von der 798 Beijing Biennale, dem Auktionshaus Christies und dem Museum of Modern Art in Warschau.

Das Numen, TRANSFORMATION, 2011, Haus am Lützowplatz, Berlin

Als Mitglied der International Association of Art Critics (AICA), hat er für zahlreiche Magazine wie The Art Newspaper, Art Review, Contemporary, Asian Affairs, Art India, Artchronika, Erotic Review und Dazed & Confused geschrieben.

Im Jahr 2011 hat Nadim Julien Samman Import Projects e.V., eine Non-profit Plattform für zeitgenössische Kunst und Kultur in Schöneberg, Berlin, gegründet.

Seither haben sich Import Projects als führende Stimme bei dem Versuch einen Schnittpunkt aus Technologie, Identität und Gemeinschaft herzustellen, etabliert, indem internationale preisgekrönte Künstler und Vorreiterstimmen unserer post-digitalen Landschaft dort gezeigt werden.

Über das Programm von Import Projects wurde in angesehenen Medien, wie dem Frieze magazine, ARTE, Sleek, Rhizome (New Museum, New York), Vice (Motherboard), Dazed & Confused und vielen mehr berichtet. Durch Ausstellungen, Screenings, Performances und Symposien, und auch durch Partnerschaften mit Organisationen, wie der Berlin Social Media Week, ist Import Projects zu einem der Hauptakteure in der dem aktuellen Debatten zu den aktuellen Kunstparametern im Informationsalter, dem Potenzial Neuer Medien und den Bedingungen unseres vernetzten Lebens, geworden.

Nadim Julien Samman ist derzeit Curator-in-Residence bei Thyssen-Bornemisza Art Contemporary in Wien.

Wenn Sie Nadim Julien Samman kontaktieren möchten, schreiben Sie bitte an info@sculpture-network.org

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