Teachers Talking No. 3

Kontaktperson Teaching Sculpture

Marta Linaza
Tel.: +34 622 286 624
E-Mail: marta.linaza@sculpture-network.org

Wenn Skulptur sich vom Objekt löst, was lehren wir dann und wo bleibt dabei das Handwerk?

John Atkin (GB)

John Atkin
John Atkin (GB)

In den letzten dreißig Jahren ist die Definition von Skulptur sehr weit geworden, genau wie ihre konzeptionelle Dehnbarkeit. Sie erlaubt allen Arten von Praktiken, an die Grenzen des kreativen Ausdrucks zu gehen und damit die interdisziplinäre Praxis zu erleichtern.

Mein Wirken in akademischen Einrichtungen während der letzten zwanzig Jahren richtete sich immer darauf, die Vermittlung von Ideen zu erleichtern, welche nicht durch traditionelle Mittel der Malerei, Druckgrafik und Skulptur ausgedrückt werden können. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln Ideen durch Film & Video, Animationen, Performances, gesellschaftliches Engagement, kreatives Schreiben, Theater, sowie durch komplexe Computerprogramme, die Kunst im "virtuellen" Territorium erweitern.

Das Objekt hört auf zu existieren, aber das Ziel bleibt bestehen: Kreativität zu vermitteln, die sich mit wissenschaftlichem Fortschritten synthetisiert: das Handwerk wird umgewandelt in den Erwerb von neuen Fähigkeiten, die auf die Fülle der Medien-Plattformen des 21. Jahrhunderts reagieren.

Handwerk wird oft mit speziellen Verfahren zur Herstellung von Objekten verwechselt, z. B., Keramik, Steinschnitzarbeit, Zeichnung, Malerei, Druckgrafik, etc. Stattdessen müssen wir Handwerk als die Aneignung und den Gebrauch, von auf Erfahrung basiertem Wissen sehen und als Erleichterung bei der Umsetzung kreativer Ideen nutzen.

Auf diese Weise werden additive Prozesse (Skulptur) zu Handwerk und Photoshop zu einem Werkzeug, das eine breite Palette von historischen Werkzeugen (Bleistifte, Buntstifte, Kohle, Tusche etc.), wieder nutzbar macht, die untrennbar mit der Herstellung von 2D-Medien, nämlich Arbeiten auf Papier, oder Zeichnungen, verbunden sind.

Meine Position wird definiert, durch meine Arbeit als „Objekt-Macher“, aber meine akademische Arbeit wird von der Fähigkeit bestimmt, Brücken zwischen verschiedenen Methoden zu schlagen, die nicht von einem Objekt als Ergebnis bestimmt werden. In jedem Fall sind die die Fähigkeit, die benötigt werden um Ideen zu generieren, abhängig davon wie man sein Wissen auf das Handwerk überträgt.

John Atkin
Künstler und Professor an der Loughborough University.
Mehr Informationen:
http://www.sculpture-network.org(John Atkin) und http://www.johnatkin.net/

Martina Lauinger (CH)

Martina Lauinger
Martina Lauinger (CH)

Um diese Fragen zu beantworten, muss ich zwischen meinen Ansätzen als Künstlerin und  als Lehrerin bzw. Kursleiterin im Bereich Schweißen / Stahlskulptur unterscheiden.

In meiner künstlerischen Arbeit stehen Ideen oder Themen im Vordergrund, deren Realisierung  nicht immer mit Eisen, meinem favorisierten Material, möglich ist. Für die Umsetzung brauche ich andere Materialien, andere Techniken oder auch Ansätze aus dem Bereich der Installationskunst.

Auf der anderen Seite basieren meine Schweiß- und Schrottkurse und auch die Workshops auf dem Handwerk – die Vermittlung von Schweisstechniken und Techniken zur Metallbearbeitung dienen als Grundlage für das Gestalten mit Stahl und Schrott als künstlerischem Material.

Ich arbeite mit Menschen, die sehr unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen - zum Teil haben sie bereits einen künstlerischen Hintergrund und möchten ein neues Material sowie Techniken kennenlernen, um Stahl in ihre Arbeit zu integrieren.  Andere Teilnehmende stehen ganz am Anfang eines gestalterischen Prozesses überhaupt. Die Arbeit mit Altmetall bietet da einen sehr guten Einstieg ins Entwerfen einer Stahlplastik – dies vor allem im Vergleich zum Gestalten  Arbeit mit eher neutralem Material wie z.B. mit Blechen.

Bei der Arbeit mit Schrott steht eigentlich das Material selbst im Mittelpunkt. Durch die vorhandene  Formenvielfalt  entstehen schnell mal Bilder und Assoziationen, das Material wird als anregend erlebt. Allerdings ist bei den Fundstücken oft noch die ursprüngliche Funktion erkennbar, was sich bei Verwendung in einer Eisenplastik, in einem neuen Kontext, auf die künstlerischen Aussagen auswirkt.

Neben der Vermittlung des Handwerks gehören auch Diskussionen über den  Einsatz von Gestaltungselementen und Stilen zum Kursinhalt. Ebenso empfinde ich es als wichtig, den Teilnehmenden  Zeit und Raum für Reflexion und Diskussion über künstlerische Intention und Aussage zu bieten.

Als Fazit würde ich sagen, dass ich mit starker Orientierung auf Material, Handwerk und Objektgestaltung unterrichte. Insofern wird obige Fragestellung  nicht wirklich zu einem Thema für mich.

Martina Lauinger
Ist praktizierende Künstlerin und hält regelmäßig Workshops in der Schweiz ab.

Weitere Informationen unter:
http://www.sculpture-network.org(Martina Lauinger) und www.lauinger.ch

Marta Linaza (ES)

Der Hintergrund mit dem ich diese Frage beantworte ist sehr wichtig für meine Antwort:
Meine Erfahrung basiert auf Theorie- und Praxisunterricht an einer Kunstakademie in Spanien. Die Gruppe auf die ich mich zuerst beziehe sind Schüler im 4. Jahr, mit dem Thema „Proyectos“ (Projekte). Bei unserem Projekt soll der Prozess mit einer Idee beginnen, über verschiedene Arbeitsschritten und Zeit zur Realisation. Sobald die Schüler ihr Projekt definiert haben, überlegen sie sich das beste Mittel, um es auszuführen. Dadurch verwenden die Studenten verschiedene Medien, die oft von "klassischer Skulptur" abweichen: Video, Installation, Klang, Fotografie, usw. Wir wollen die Projekte auch vor allem aus konzeptioneller Sicht sehen, weniger im Hinblick auf das Material. Dies bezieht sich auf die Tatsache, dass zeitgenössische Kunst immer weniger mit „Machen“ zu tun hat; das Objekt wird durch den Kontext als Bedeutung ersetzt.

Meine Erfahrung mit Studenten im ersten Studienjahr an der gleichen Hochschule ist dagegen ganz anders: der „Newcomer Student“ wünscht sich Unterricht im Umgang mit Werkzeugen und Techniken, in dem manuelle und sinnliche Aspekte nicht zu kurz kommen. Handwerkliches Arbeiten und die Verwendung von künstlerischen Gegenständen verlangen Übung, insbesondere im Kontext der aktuellen, hoch technisierten Welt. Die Aussagekraft einer konzeptionellen Gestaltung wird von der Idee begrenzt, aber die Ausführung erfordert viele Verfahren zu erlernen und dieser Aspekt ist der Schlüssel zur Ausbildung. Wohin die Hand reichen kann, muss das Denken folgen. Wo der Geist ist, kann die Hand nicht immer sein, und dann gibt es keine physische Erscheinungsform.

Marta Linaza
Künstlerin, aktuell unterrichtet sie Studenten der ersten und vierten Klasse der Facultad de Bellas Artes de Aranjuez, Spanein.

Mehr Informationen:
http://www.sculpture-network.org(Marta Linaza)

Alessandra Porfidia (IT)

Alessandra Porfidia
Alessandra Porfidia (IT)

Heutzutage Bildhauerei zu unterrichten, bedeutet mit vielen unterschiedlichen Materialien zu arbeiten. In der Vergangenheit bestand Skulptur hauptsächlich aus Lehm/Ton, Marmor oder Holz. Diese tradtionellen Arbeitsweisen sind aber meiner Meinung nach nur ein Teil der Lehre von Bildhauerei. In meiner Lehrtätigkeit an der Academy of Fine Art in Florence, ist es mir wichtig, alle Techniken zu berücksichtigen aber den Fokus auf das Konzept von Skulptur zu legen.

Erste Erfahrung an der Akademie sind: Annäherung an den Raum und wie man diesen wahrnehmen kann. Lernen wie unterschiedlich die Struktur einer Skulptur sein kann. Modellieren, Meißeln, Kombinieren von recycelten Dingen usw. sind Möglichkeiten um das Material besser kennenzulernen. Übung mit einfachen Materialien wie z.B. Ton ist die Basis der Dreidimensionalen Sprache.

1. Wann wird Skulptur unabhängig vom Objekt?
Das Ziel ist gleichzeitig innerhalb und außerhalb der Realität zu sein, denn die Realität wird dadurch, dass sie abgebildet wird nicht dargestellt, sondern es wird nur ein der Realität ähnliches Objekt erzeugt. Das bedeutet, dass Kunst ein Katalysator für Veränderung ist.

Warum soll Skulptur unabhängig vom Objekt werden?
Weil wir die Idee hinter traditioneller Skulptur kennen aber auch vom Objekt in der Kunst. Vor allem bis hin zu, beispielsweise, Duchamps Untersuchung und die Arbeit an dem Konzept des "ready made" oder weiter zur Pop-Art.

Ich arbeite zurzeit mit Studenten auf zwei unterschiedlichen Niveaus. Ein grundlegender, formgebender Schritt ist hilfreich um die die Komplexität von Skulptur zu verstehen. Meiner Meinung nach, ist der erste Punkt immer noch, mit der traditionellen Abbildung des Menschen zu beginnen. Wenn man mit Ton arbeitet ist es leicht, die Bedeutung des Arbeits- und Wandlungsprozess zu verstehen. In der ersten Unterrichtseinheit ist es wichtig, dass man ein Gespür für die Beschaffenheiten des Basismaterials bekommt. Aber es ist genauso wichtig zu lernen wie man sie über die Wahrnehmung bewusst wird.

2. Die zwei wichtigsten Punkte, die beim Unterrichten beachtet werden sollen sind: “Was macht man?“ und “Wie macht man es?”
Meine Antwort auf diese Fragen ist ein persönlicher Leitfaden, entstanden durch die ständige Erneuerung des Konzepts von Skulptur.

Man muss sich auf die weitgefasste Sprache der Skulptur sensibilisieren. „Was ist zu tun?“ – dies ist ein sehr wichtiges Thema. Die Erforschung von Erkenntnissen und Intuitionen, kombiniert mit Realität und Erinnerung, ist eine komplexe Kraft, die notwendig ist um Skulptur in verschiedenen Werken sprechen zu lassen.

Die zweite Frage “Wie man es tut?” lässt sich anhand der Erfahrung mit den unterschiedlichen Materialien und der damit zusammenhängenden Relation des Raumes beantworten.

"Ein neues Gefühl anhand von Material entdecken"- damit muss sich jeder Student / Bildhauer auseinandersetzten, wenn er das Unsichtbare entdecken und die Welt mit anderen Augen betrachten möchte. Er muss die einzigartige Gelegenheit nutzen etwas Neues zu erschaffen und eine persönliche Antwort zu geben. Das Ziel des Unterrichts ist es, einen Weg zu finden, sich von der traditionellen Arbeitsweise zu lösen und eine eigene individuelle zu finden. Es gibt keine Grenzen, außer die der Phantasie. Skulptur ist nicht einfach nur ein Objekt, sondern eine Konstellation aus wechselseitigen Beziehungen.

Alessandra Porfidia
Ist Künstlerin und unterrichtet zurzeit Bildhauerei an der Fine Art Academy in Florenz, Italien.

Mehr Informationen:
http://www.sculpture-network.org(Alessandra_Porfidia) und www.porfidia.it

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Bei Interesse kontaktieren Sie bitte:

Marta Linaza
oder
Beatriz Blanch (Coordinator)

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