"Alles, was wir sehen, könnte auch anders sein"

Mediadaten 2017

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Franz West im MUMOK

Franz West, West Redundanz, 1986 - mumok Stiftung Ludwig, Wien.
Franz West im MUMOK

Franz West (Wien, 1947 - 2012) gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Künstler in der internationalen Kunstwelt des späten 20. Jahrhunderts. Das MUMOK in Wien widmet dem Künstler nun einen umfassenden Überblick aus verschiedenen Schaffensperioden, eine Ausstellung seiner Passstücke, Möbel, Skulpturen, Papierarbeiten und Videos. Werke von befreundeten Künstlern wie Martin Kippenberger, Rudolf Polanszky, Jason Rhoades oder Heimo Zobernig werden auch in dieser Retrospektive gezeigt.


Kombination und Neukombination
„Alles, was wir sehen, könnte auch anders sein”, sagte Franz West 1988, den  Philosophen Ludwig Wittgenstein zitierend und nimmt damit Bezug auf einen wesentlichen Aspekt seines eigenen künstlerischen Ansatzes. Der Fokus dieser thematisch gegliederten Ausstellung liegt auf Wests Kombi-Stücken, überwiegend Installationen, in denen der Künstler verschiedene Einzelstücke vereint und anschließend in verschiedenen Konfigurationen neu kombiniert.

Franz West, Genealogie des Ungreifbaren, 1997 - Generali Foundation, Wien.

Das Prinzip von Kombination und Neukombination entspricht auch seiner Überzeugung, dass die Bedeutung einer Aussage - oder eines visuellen Elements – nie eine feste und klar definierte ist, sondern sich vielmehr je nach Kontext und Reaktion des Empfängers verändert.

Das Werk Genealogie des Ungreifbaren (1997), das gleich zu Beginn der Ausstellung steht, beweist, dass der Künstler sich nie dogmatisch an seine eigenen Konzepte hält. In einer großen Vitrinen-ähnlichen Box kombiniert er drei frühe Passstücke mit einem seiner ersten Stühle. Werke, die ursprünglich dazu vorgesehen waren "verwendet zu werden", verwandeln sich in "unberührbare" Beispiele für die Entwicklung seiner frühen Arbeiten. Die Passstücke sind auch Teil einer Kombi-Wand, die, zusammen mit verschiedenen Arbeiten auf Papier, Fotos von Menschen zeigen, die mit ihnen interagieren. Wenn sie durch Möbel ergänzt werden, werden Wände dieser Art, Kasseler Rippchen (1996) oder Träumerei (1997) zum Beispiel, zu raumfüllenden Installationen.

Franz West, Curacao, 1996 - Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof, Berlin.

Eines der zentralen Stücke ist Redundanz, eine dreiteilige Pappmaché-Skulptur, die als ein bedeutendes, frühes Beispiel von Wests Technik der Kombination und Neukombination gilt. Als sie 1986 zum ersten Mal in Wien ausgestellt war, hielt der Künstler es für notwendig, sie mit einer anderen Skulptur zu ergänzen, um einen Teil zu ersetzten, der gegen seinen Willen verkauft worden war.

Ständiger Wandel, Partizipation und Interaktion

Franz Wests Werk ist grundsätzlich partizipativ und sucht den Dialog mit dem Empfänger. Dies kann auf einer körperlichen Ebene statt finden - wie im Falle der Passstücke, die sich dem Körper "anpassen" sollen – aber auch auf der geistigen oder intellektuellen Ebene, im Falle seiner Skulpturen und Arbeiten auf Papier. Letztere werden in der Regel durch Texte, die weitere Impulse für Reaktionen bieten, begleitet.

Wests Kreationen sind der Ausgangspunkt für Erfahrungen, Überlegungen, Assoziationen und Erwägungen, der Auslösemechanismus für ein Spiel mit verschiedenen Möglichkeiten des Erlebens und der Sicht auf die Welt, mit einem sich ständig verändernden Ergebnis, das vom Empfänger, dem Kontext und der Atmosphäre abhängt.

Wests Kunstwerke stellen Unsicherheiten in einer Weise dar, die unprätentiös und humorvoll ist, obwohl sie auf einer intensiven Auseinandersetzung mit philosophischen Schriften beruhen, einem frühen Interesse, das sich immer mehr intensivierte.

Franz West exhibition view - mumok.

Die Ausstellung wurde vom Künstler initiiert und gemeinsam mit ihm vor seinem Tod entwickelt. Der Titel, der von West selbst gewählt wurde, ist ein weiteres Beispiel für seine Praxis der Kombination und Neukombination: Ausgangspunkt ist die Gouachearbeit Lost Weigth (2004), das eine Frau zeigt, die nach einer Diät ihre viel zu große Hose zeigt. Der Künstler lässt das "W" wegfallen und verwandelt damit Lost Weight in Lost Eight, was zu der Frage: „Where is my Eight?” Im Titel führte. West lässt die Antwort auf diese Frage offen und schafft Raum für uns, verschiedene assoziative Verbindungen herzustellen.

Die Ausstellung, Franz West – „Where is my Eight?” Ist auch im MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, von 29. Juni bis 13. Oktober 2013, zu sehen.

Franz West - photo©Markus Rîssle 2009.

Franz West -  „Wo ist mein Achter?
mumok - Museum moderner Kunst
23. Februar - 26. Mai 2013
Museumsplatz 1, 1070 Wien - Österreich

www.mumok.at

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