Antoni Tàpies

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Vom Objekt zur Skulptur

Antoni Tàpies, Barcelona, 2002 © Teresa Tápies Domenech
Vom Objekt zur Skulptur

Objekte und Skulpturen haben eine zentrale Bedeutung für die künstlerische Entwicklung von Antoni Tàpies. Tàpies (Barcelona, ​​1923-2012) stellte seine ersten autonomen, dreidimensionalen Objekte in der Mitte der 1960er Jahre her. Allerdings wurde der Begriff „Skulptur” erst in den 1980er Jahren offiziell in seine Formensprache aufgenommen.

In den 1960er und 1970er Jahren setzte sich der Künstler intensiv mit Politik auseinander. In dieser Zeit bezog er auch Alltagsgegenstände in seine Forschung mit ein. Diese Objekte standen nicht nur in Verbindung mit Informeller Kunst, Dadaismus oder Surrealismus, sondern stellten ihn auch in eine Linie mit anderen konzeptuellen Kunstrichtungen, die zur gleichen Zeit aufkamen, wie beispielsweise die Arte Povera.

Collagen waren die direkten Vorläufer seiner Skulpturen. Tàpies verwendete Gitter und Maschendraht, formbare Metallstücke, die dazu dienten Räume zu teilen und im Gegensatz zu natürlichen organischen Elementen standen, welche er in späteren Jahren verwendete.

In den frühen 1980er Jahren gab es einen signifikanten Wandel im kreativen Prozess des Künstlers. Er stellte seine Assemblagen vorübergehend beiseite und beschäftigte sich mit der Welt der Keramik, woraufhin seine ersten Keramikskulpturen im Jahr 1981 entstanden. Tàpies konzentrierte sich auf feuerfesten Ton, oder Terras Xamotadas, eine Mischung aus Ton und Fragmenten zerbrochener Töpfereien. Die Mischung ermöglichte es ihm, witterungsbeständige, robuste, großformatige Skulpturen zu schaffen.

Lit, 1988 - ©Fundació Antoni Tàpies / VEGAP

Tàpies experimentierte auch mit anderen keramischen Materialien und Medien wie Emaille, Steinware und Porzellan. Er brachte Emaille auf seinen Tonskulpturen an, in der Regel verwendete er dafür Bürsten, Besen, oder Schwämme. Ein Medium, das ein gewisses Maß an Zufälligkeit mit sich bringt, denn die Hitzte erzeugt Textur- und Farbvariationen - Aspekte, die das Interesse des Künstlers weckten.

Auf den meisten dieser Skulpturen hinterließ Tàpies eingeschriebene Zeichen oder Symbole. Dafür benutzte er Schleifgeräte und sogar die Zähne eines Schlüssels. Der Kurator Alvaro Rodríguez Fominaya erklärt, dass die Symbole „zu interpretierende Hinweise sind und nichts enthüllen. Stattdessen sind sie wie Schleier, die den Stücken ihren eigenen, ganz persöhnlichen Sinn verleihen.”

Pila de diaris, 1970 - ©Fundació Antoni Tàpies / VEGAP

In dem Buch „La poétique de la matière”, stellt Jean Fremon die Frage „Was ist Skulptur?”, auf die Tàpies antwortet: „Warum nicht zum Beispiel dreißig Kilo Ton, geformt wie ein Backenzahn, hastig mit weißem Emaille bedeckt, das aussieht als würde es tropfen?”

Seine ersten Experimente in Bronze machte er im Jahr 1987. Der Künstler arbeitete mit Ton und Bronze an einer Serie von Werken, in denen er eine Reihe von Alltagsgegenständen und Motiven, wie Bücher und Totenschädel, wiederholte. Er arbeitete auch in Grasse, Frankreich, wo er zusammen mit dem deutschen Keramiker Hans Spinner eine Reihe von Keramikstühlen herstellte, die zu seinen, in den 1970er Jahren entstandenen dreidimensionalen, auf Möbel basierenden, Assemblagen gehören. Diese Stücke fassen einen Teil des symbolischen Universums des Künstlers knapp zusammen.

Armari, 1973 - ©Fundació Antoni Tàpies / VEGAP

Das Konzept der Wand spiegelt sich in einer Auswahl von Werken mit dem Thema „Wände und Türen” wider. Sie sind aus feuerfestem Beton gemacht und reflektieren, wie der Künstler zur konstruktiven Abstraktion gekommen ist.

„Die Geschichte, wie die eindrucksvolle Kraft von Wandbildern in mir Gestalt annahm, geht weit zurück. Es sind Erinnerungen aus der Zeit als ich ein Teenager und junger Mann war, gefangen in den Mauern, hinter welchen ich während der Kriege lebte.”

In seinem Artikel von 1969 erklärt der Künstler die Ambivalenz und die vielen Bedeutungen seiner Wände: „Wie viele Anregungen man aus dem Erscheinungsbild einer Wand und all ihrer möglichen Permutationen ableitet kann! Trennung, Einklosterung, die Klagemauer, Gefängnis, Zeuge des Laufs der Zeit [...] Es entstanden so viele Dinge, die offensichtlich eine tiefe Seelenverwandtschaft zwischen mir und diesen Philosophien und Weisheiten herstellten, welche ich so schätzte!”

Im Jahr 1993 präsentierte Antoni Tàpies die Installation „Rinzen” - das japanische Wort für „plötzliches Erwachen” - im spanischen Pavillon auf der 45. Biennale von Venedig. Das Werk, das mit dem Leone d'Oro ausgezeichnet wurde, war ein Symbol des Protests und eine Reflexion über die Auswirkungen des Balkankrieges. Nach der Fertigstellung dieses Werkes begann der Künstler mit einer Reihe von Objekten, in denen er seine Aufmerksamkeit wieder zurück auf Assemblagen in ihrer reinsten Form richtete.

Composició, 1991 - ©Fundació Antoni Tàpies / VEGAP

1995-2009

Während dieser Zeit verwendete Tàpies eine Vielzahl von Medien und Materialien. In Bronze arbeitete er mit Lacken und neuen Formaten; in Keramik stellte er mineralische und organische Stoffe gegenüber und Steinzeug gegen Erde; und in Objekten schuf er neue Perspektiven und Volumina.

In seiner Metaphorik blieben manche Aspekte unverändert: die Zeichen, die Buchstaben, die Kreuze, die Mathematik, das Ländliche und das vertraute, alltägliche Objekt. In einem seiner letzten Aufsätze zitierte Tàpies Shi Tao: „Ich spreche mit meinen Händen, Du hörst mit deinen Augen.”

Anlässlich des Todestages des Künstlers präsentiert das Guggenheim Museum Bilbao die Ausstellung Antoni Tàpies. Vom Objekt zu Skulptur (1964-2009). Es ist die erste umfassende und eingehende Untersuchung einer der Künstler, die die zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt haben.

Die Ausstellung zeigt fast hundert Werke, die sowohl thematisch als auch chronologisch geordnet sind, von monumentalen bis hin zu kleinen Werken.

Antoni Tàpies
- From Object to Sculpture (1964–2009)'
Guggenheim Museum - Bilbao
Kurator: Álvaro Rodríguez Fominaya
04.10.2013 – 19.01.2014
www.guggenheim-bilbao.es

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