Giuseppe Penone

Mediadaten 2017

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Die Grenze zwischen dem physikalischem Ich und der natürlichen Umwelt

Giuseppe Penone, Rovesciare i propri occhi, 1970 - Courtesy of the artist - photo©Archivio Penone
Die Grenze zwischen dem physikalischem Ich und der natürlichen Umwelt


Während der letzten 45 Jahre untersuchte Guiseppe Penone (Garessio, Italien, 1947) mit seinen Arbeiten das Verständnis einer industrialisierten Gesellschaft für die Natur. Anstatt die beiden Faktoren als Gegensätze zu verstehen, sieht er die Sphären der Kultur und der Natur unzertrennbar miteinander verbunden.

Mit Anfang 20 wurde Penone mit einer lockeren Gruppierung von jungen Künstlern in Verbindung gebracht, die unter dem Namen Arte Povera schnell internationale Bekanntschaft erreichten. Inspiriert von den Radikalen in den späten 60er Jahren und frustriert von den Eingeschränktheit der Kunst, wie sie an den Kunstakademien gelehrt wurde, wandten sich diese Künstler hin zu andersartigen bildhauerischen Praktiken und Materialien und entwickelten ihren eigenen Stil, um so eine größere Auswirkung auf soziale Bereiche zu erlangen.

Eine wichtige Rolle spielte die Neuwewertung der Vorstellung von Zeit und Fortschritt. Penone griff auf das traditionelle Interesse an Volumen, Masse und Raum zurück, als er die Grenze zwischen dem physischen Ich und der natürlichen Umwelt erforschte, in der Annahme. dass wir die Welt als das Negativ zum Positiv unseres Körpers erfahren.

Giuseppe Penone, Soffio di foglie, 1979 - Courtesy of the artist - photo©Archivio Penone

1969 beschichtete Penone einen jungen Baum mit einer dünnen Schicht aus Wachs, um so ein weiteres Jahr des Wachstums zu simulieren. Die Textur der Rinde ersetzte er mit seinen Fingerabdrücken auf dem Wachs. Das Werk Gli anni dell´albero piú uno (die Jahres des Baumes plus eins, 1969) ist emblematisch für Penones Untersuchung bezüglich der Beziehung von unserem Körper und dem Ökosystem in dem wir leben. Im darauffolgendem Jahr begann Penone an seiner fortwährenden Serie Alberi (Bäume) zu arbeiten. Im Rahmen dieser Serie beschnitt er industriell hergestellte Balken so, dass die Form des „jüngeren Baumes“ innen freigelegt wurde. 1970 schuf er seine bedeutende Arbeit Rovesciare I propi occhi (Ein paar Augen umgedreht). Bei dieser Aktion trug er gespiegelte Kontaktlinsen, welche die Sicht ungemein erschwerten. Die biologische Materie vom Auge des Künstlers wurde mit einer Reflektion der Landschaft, in der er sich gerade aufhielt, ersetzt. Blind, war der Künstler auf seinen Tastsinn angewiesen, um sich fortzubewegen und somit wurde automatisch die Kommunikation zwischen seinen Füßen und der Erde intensiviert.

Viele seiner früheren „Aktionen” – Performances, die lediglich als Fotographien für die Nachwelt dokumentiert wurden – fanden im Wald nahe Turin und in seiner Heimat Garessio statt. Die in Bronze gegossenen Arbeiten seines Frühwerks, momentan ausgestellt in der Whitechapel Gallery, dokumentieren Penones Bezug auf seinen eigenen Körper. Soffio (Atem, 1978) fängt den Atem des Künstlers ein, in dem das innere seines Mundes in Bronze gegossen wurde. Mit dem Werk Patate (Kartoffel, 1977) stellt der Künstler Kartoffeln aus in der Form von seinen Augen, Ohren seiner Nase oder seinem Mund. In dieser Form sind die Kartoffeln mit Hilfe von vorher angefertigten Bronzegüssen gewachsen.

Giuseppe Penone, The Bloomberg Comission, 2012 - Whitechapel Gallery - Photo by David Parry - PA Wire

Bäume standen stets im Fokus des Künstlers. Das Freiland in die Galerien zu bringen, war eine wichtige Strategie der Künstler, die mit der Künstlergruppe der Arte Povera assoziiert wurden.

Für die jüngste Ausstellung der Bloomberg Commission, zeigt die Whitechapel Gallery einen zwölf Meter langen Bronzeguss eines Baumes, dessen Innenleben mit glänzendem Goldblatt ausgeschmückt ist. Eine ambitionierte Plastik, welche dazu einlädt, die Beziehung von Sehen und Fühlen, Drinnen und Draußen und Natur und Stadt zu überdenken.

Der Baum ist vorsichtig zwischen seinen Ästen ausbalanciert und ist in Sektionen geteilt, so dass der Betrachter zwischen den einzelnen Elementen umherlaufen kann. Die Arbeit kontrastiert mit der urbanen Umgebung, in der die Galerie liegt und betont die versteckte Natur in der Stadt.

Beim ersten Blick erscheint die Plastik wie ein Abguss eines Baumes, aber es ist auch eine große Lärche. die mit einer dicken Wachsschicht überzogen wurde, gefunden an der Franco-italienischen Grenze. Die Außenseite des Baumes, die Rinde, ist auf der goldbedeckten Innenseite. Die Fingerabdrücke des Künstlers und seiner Helfer befinden sich an Stelle der Rinde auf der äußeren Oberfläche des Gusses.

Giuseppe Penone, Cedro di Versailles, 2000-2003 - Courtesy of the artist - photo©ArchivioPenone

Mit dem älteren Werk Essere Fiume (to be a River, 2000) immitiert Penone einen Stein, der von dem Wasser eines Flusses neu geformt wurde und erschafft gleichzeitig eine Analogie zwischen den Kräften der Natur und der Arbeit eines Bildhauers.

Einige Materialen aus Penones Archiv wie Schriften, Zeichnungen und Fotografien, die den Fokus auf Bäume dokumentieren, werden in Auslagen in einem angrenzenden Ort ausgestellt.

The Bloomberg Commission: Giuseppe Penone wurde von Achim Borchardt-Hume, Chefkurator der Whitechapel Gallery und Poppy Bowers, Assistenzkuratorin der Whitechapel Gallery kuratiert.

Primär unterstützt von Bloomberg. Desweiteren unterstützt von Wingate Scholarships. Guiseppe Penoone, Ausstellungszirkel: Aishti Foundation, Aud and Paolo Cuniberti. Der Katalog wurde von Haunch of Venison und der Marian Goodman Gallery unterstützt.

Whitechapel Gallery
Spazio di Luce (Ort des Lichts)
Giuseppe Penone2 
September 2013 – August 2013, Gallery 2

www.whitechapelgallery.org

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