Henry Moore Institute

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Ein Zentrum für das Studium der Bildhauerei

Felix Gonzalez-Torres, Untitled (Placebo), 1991 ©MOMA,NY/SCALA,Florence.
Ein Zentrum für das Studium der Bildhauerei

Die Henry Moore Foundation wurde 1977 von Henry Moore gegründet, um die öffentliche Wertschätzung der bildenden Kunst, insbesondere der Skulptur, zu fördern. Die Finanzierung von Ausstellungen und Forschung, sowie die Vergabe von Stipendien an Kunstorganisationen in Großbritannien und im Ausland gehören zu ihren wichtigsten Aufgaben.

Das Henry Moore Institute ist eine Kooperation zwischen der Stiftung und dem Leeds City Council. Die Basis des Programms bildet die Erforschung des Wesens der Skulptur und ihr Ziel ist es, das Verständnis über den Sinngehalt der Skulptur zu verschiedenen Zeiten und Orten, zu vergrößern. Das Studium der Bildhauerei kann vieles bedeuten und das Institut zielt darauf ab, diese Vielfalt wiederzugeben. Das Programm stützt sich auf Künstler, Schriftsteller, Kuratoren und Historiker aus verschiedenen Fachgebieten, auf Diskussionen, Schriften, Forschungsprojekte und Ausstellungen.

Zwei Ausstellungen: Indifferent Matter: From Object to Sculpture (Indifferente Materie: Vom Objekt zur Skulptur) und The Age of Innocence (Das Zeitalter der Unschuld), untersuchen bis Ende Oktober unterschiedliche Aspekte von Skulptur

Jade bi disk Liangzhu culture, c.3400–2250 BCE - Courtesy Museum of East Asian Art, Bath

Indifferent Matter: From Object to Sculpture (Indifferente Materie: Vom Objekt zur Skulptur) untersucht, wie Materie sowohl indifferent gegenüber als auch bedingt durch ein Zusammentreffen sein kann. Sie forscht nach der Formbarkeit von Bedeutungen und der Art und Weise, wie Objekten ein kultureller und historischer Wert beigemessen werden kann. Die Ausstellung vereint vier Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts: Die Skulpturen von Felix Gonzalez-Torres (Cuba 1957 - USA 1996), Hans Haacke (Deutschland, 1936), Andy Warhol (USA, 1928-1987) und Robert Smithson (USA, 1938-1973) werden mit einer Reihe von historischen Objekten kombiniert. Jedes Paar erkundet, wie Objekte sich ihrer Herkunft, ihrem Namen und ihrer Geschichten, die Menschen ihnen zuordnen, widersetzen. Jeder dieser amerikanischen Künstler vollzog eine radikale Veränderung im Verständnis dessen, was Skulptur ist, indem Sie ihnen neue Namen gaben und die Art, wie Kunstwerke ausgestellt werden, neu durchdachte. Die historischen Objekte, alle Teil von Museumssammlungen, stellen die Grenzen der Klassifikation, ihrer Geschichte und Bedeutung in Frage, sind mehrdeutig und unbekannt.

Hans Haacke, Grass Cube, 1967 ©Hans Haacke / Artist Rights Society (ARS). Courtesy Paula Cooper Gallery,NY

Felix Gonzalez-Torres „Untitled (Placebo)”, 1991, ist ein Feld aus in Silber eingewickelten Bonbons, die auf dem dem Boden der Galerie verstreut wurden. Die Besucher sind herzlich eingeladen, die Süßigkeiten zu kosten, und das Institut muss dafür sorgen, dass die Skulptur jeden Tag wieder bis zu ihrer idealen Masse aufgestockt wird. „Untitled" (Placebo)” ist kombiniert mit jungsteinzeitlichen Jade Scheiben und t'sung Säulen, die in Grabstätten der Liangzhu Kultur (3400-2250 v. Chr.) im Nord-Osten Chinas gefunden wurden. Obwohl diesen Objekten verschiedene zeremonielle und symbolische Bedeutungen zugeschrieben wurden, bleibt ihr ursprünglicher Zweck unbekannt.

Hans Haackes „Grass Cube” (Gras Würfel) (1967) ist eine Plexiglasbox auf der eine Schale liegt, die mit besäter Erde gefüllt ist, aus der im Laufe der Ausstellung Gras wachsen soll. Diese Skulptur ist ebenfalls abhängig von äußeren Einflüssen; Sie unterliegt den Lichtbedingungen in den Räumen der Galerie und der täglichen Pflege des Personals des Instituts. Sie ist gepaart mit einer erst kürzlich entdeckten und daher noch namenlosen Mineralienart. Ohne Namen hat ein Mineral keine Position im Klassifizierungssystem.

Andy Warhol, Silver Clouds, 1966 ©The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ Artists Rights Society (ARS), NYand DACS London. Courtesy Leo Castelli Gallery,NY-PhotoRudy Burckhardt

Zwei römische Marmorskulpturen von unbekannten Künstlern zeigen unbekannte Sitzende. Ein männliches Beinpaar und eine weiblichen Büste vom British Museum wird von einer in Auftrag gegebenen Ausstellungsstruktur des britischen Künstlers Steven Claydon (geb. 1969) und Andy Warhols „Silver Clouds” (1966) umgeben. Diese mit Helium gefüllten Ballons schweben träge zwischen Boden und Decke. Claydons Struktur thematisiert Materialien, die von Museen zu konservatorischen Zwecken verwendet werden - funktionelle Produkte mit geringem ästhetischem oder kulturellem Wert. Indem Claydon die Aufmerksamkeit auf die Polsterung und die Schutzmechanismen rund um diese wertvollen Artefakte lenkt, untersucht er die Veränderungen, die ein Objekt erfährt, wenn es aus dem Speicher in den unverfälschten, öffentlichen Raum des Museums gelangt.

Der einfache Akt, einem Objekt den richtigen oder falschen Namen zu geben, kann seinen kulturellen Wert aufwerten oder reduzieren. Robert Smithsons „Asphalt Lump” (1969) ist ein Abfallprodukt aus dem industriellen Prozess der Stahlherstellung. Smithson ernannte dieses Objekt zur Skulptur und behauptete, es vermittle bereits die Bedeutung, die er wollte.

Robert Smithson, Asphalt Lump, 1969 © Estate of Robert Smithson / DACS, London/VAGA, NY2013.

„Asphalt Lump” ist mit einer Sammlung von Eolithen angeordnet, die wie Smithsons Skulptur zeigen, wie Sprache Sinn und Wert schafft. Eolithen sind Feuersteinsplitter, die Ende der 1890er Jahre Gegenstand einer der wichtigsten archäologischen Debatten in Großbritannien waren. Obwohl man ursprünglich annahm, dass sie von Menschen geformt wurden, bestätigte sich im Laufe der Zeit, dass sie natürlichen Ursprungs sind. Heute sind sie in vielen nationalen Sammlungen in Großbritannien untergebracht. Iimmer noch bekannt unter ihrem ursprünglichen Namen, besetzen sie allerdings eine trübe Kategorie zwischen künstlichem Artefakt und natürlichem Gestein. Während „Asphalt Lump” durch die Benennung zu einer Skulptur wird, wird den Eolithen ihre Einzigartigkeit durch den Wissensfortschritt abgesprochen.

Alfred Drury, The Age of Innocence, c.1897 - Courtesy Leeds Museums & Galleries and Trustees of EAB Drury estate

The Age of Innocence untersucht die Vorstellungen des „Idealen" in weiblichen Porträts und Kopfstudien von Bildhauern der New Sculpture Movement. Diese Gruppe von Künstlern des späten 19. Jahrhunderts, deren Schwerpunkt auf Realismus, Emotionen und Sinnlichkeit lag, markiert eine wichtige Veränderung in der britischen Skulptur.

Eine Auswahl der einflussreichsten Werke dieser Zeit vereinend, verfolgt die Ausstellung die Repetition von bedeutenden Porträts in ihrer Reproduktion in Gips, Marmor und Bronze nach. In ihren unterschiedlichen Materialien, Maßen und Farben, werfen die Nachbildungen dieser Skulpturen Fragen zu ihrer Herstellung, sowie ihrer privaten und handelstechnischen Verbreitung auf. Mit dem Fokus auf das Thema des idealen weiblichen Kopfes, wirft die Ausstellung ein Schlaglicht auf eine etwas vage definierte Kategorie des skulpturalen Porträts. Die Darstellung des "Idealen" oder einer "Stimmung", wird dem Charakter einer bestimmten Person gegenübergestellt.

Die Ausstellung wird kuratiert von der promovierten wissenschaftlichen Mitarbeiterin in der Forschung, Dr. Elizabeth McCormick, (Doktorarbeit am Institut 2011-2013) und Pavel Pyś, Ausstellungs- und Werkkurator.


Indifferent Matter: From Object to Sculpture

Henry Moore Institute, The Headrow, Leeds, UK
25.07-20.10.2013

The Age of Innocence: Replicating the Ideal Portrait in the New Sculpture Movement

Sculpture Study Galleries, Henry Moore Institute, The Headrow, Leeds
UK
25.07–20.10.2013

www.henry-moore.org

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