LEE BUL, vom Cyborg zur Utopie

Mediadaten 2017

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Mudam, Luxembourg

Lee Bul, Mon grand récit: Weep into stones…, 2005 - Collection Hitejinro Co. Courtesy Mori Art Museum, Tokyo © photo Watanabe Osamu
Mudam, Luxembourg

Lee Bul (Yeongju, Südkorea, 1964) ist eine der renommiertesten und aktivsten Künstlerinnen Südkoreas in der internationalen zeitgenössischen Kunstszene. Lee Bul schloss ihr Studium der Bildhauerei 1987 in Seoul ab, in einer Zeit, als nach Diktatur und Militärherrschaft demokratische Reformen das wirtschaftlich aufstrebende Land zu öffnen begannen und Zukunftsvisionen sowohl in den leuchtendsten als auch in den finstersten Farben gezeichnet wurden.

Als Performancekünstlerin stellte sich Lee Bul gegen die künstlerischen Konventionen in ihrer Heimat und suchte zunächst in stark körperbetonten oder in guerillahaften Aktionen, bei denen sie beispielsweise mit monsterhaft wirkenden, weichen Stofftentakeln bekleidet unerwartet in der Öffentlichkeit auftrat, einen Ausdruck nicht nur für ihre eigenen, sondern auch für gesellschaftliche Befindlichkeiten.

Lee Bul Via Negativa, 2012 - Courtesy Studio Lee Bul - photo Jeon Byung-cheol

Die Erweiterung des Körpers – bei Lee Bul dargestellt in den organischen Stoffwucherungen der Monster und in den technoiden Ergänzungen der Cyborgs – bildet einen alten Menschheitstraum bzw. -albtraum, über den das Thema der Utopie und der Dystopie in Lee Buls Werk zu einem zentralen Motiv werden sollte. Die Künstlerin bezieht dabei formale und inhaltliche Inspiration aus einer weiten Vielfalt von Quellen, die von Filmen bis zur Literatur- und Architekturgeschichte reichen, von der europäischen Geistesgeschichte bis zur politischen und kulturellen Geschichte ihres eigenen Landes.

Nach den „Cyborgs” (1997–2011) und den Gestalten aus der Anagramreihe wandte sich Lee Bul der Herstellung komplexer modellartiger Landschaften zu, deren Bezug zur Utopie meist im Detail liegt: in Anspielungen oder Reproduktionen utopischer Architekturen, im konkreten Bezug auf den deutschen Architekten Bruno Taut und seine Idee des Sternenbaus oder im Hinweis auf die postmoderne Infragestellung einer auf einem einheitlichen und universalen Diskurs beruhenden „Großen Erzählung” (Reihe Mon grand récit, seit 2005).

Lee Bull exhibition view - Mudam Luxembourg, 2013 - photo Eric Chenal

Die Utopie der ortlosen Unendlichkeit („Untitled, Infinity wall”, 2008) oder die Reminiszenz an einen zum Diktator gewandelten früheren sozialistischen Utopisten („Thaw (Takasi Masao)”, 2007) loten das Thema ebenso aus wie die jüngsten Großskulpturen, die architekturhaft dem Betrachter Zugang zu Innenwelten erlauben und ihm eine intensive räumliche Erfahrung vermitteln („Via Negativa”, 2012).

Lee Bul präsentiert im Mudam Luxembourg erstmals in Europa eine großangelegte Ausstellung mit einem breiten Spektrum ihrer Arbeiten. Sie bespielt eine gesamte Etage des Museums mit einer repräsentativen Selektion von Werken, von der „Cyborg  Serie” bis zu ihren jüngsten Kreationen und schafft für den Grand Hall eine monumentale Installation. Darüber hinaus bietet die Ausstellung einen Einblick in die kreativen Arbeitsprozesse der Künstlerin.

Lee Bul studio - Mudam Luxembourg - photo Eric Chenal

Dass die sich zum Bodensatz der Geschichte sedimentierten Utopien den Stand des Betrachters verunsichern, wird deutlich in „Diluvium” (2012) spürbar, einer die Grand Hall des Mudam weiträumig bedeckenden Bodeninstallation, von der aus die von oben herabhängenden Skulpturen zu betrachten sind. Im Untergeschoss hat Lee Bul ihr Atelier nachgebaut und ermöglicht den Besuchern auf diese Weise einen Einblick in ihren künstlerischen Kreativ- und Arbeitsprozess.

Die Rekonstruktion ihres Ateliers vermittelt durch eine Fülle an Zeichnungen, Modellen und Materialien das Verständnis für Lee Buls Werk, dessen Entwicklung in den unterschiedlichsten Entstehungsetappen dargestellt wird. Lee Buls Werk bekommt hier über die gestisch handwerkliche Seite eine persönliche Dimension, der es sich in seiner ansonsten perfekten technischen Ausführung ausdrücklich verweigert.

Kuratoren
Marie-Noëlle Farcy, Sunjung Kim, Clément Minighetti

LEE BUL

Mudam Luxembourg

5.10.2013 – 9.06.2014

www.mudam.lu

www.leebul.com


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