sculpture network XII. International Forum - Sculpture Experience

Mediadaten 2017

Download PDF

Newsletter abonnieren

sculpture network veröffentlicht monatlich einen Newsletter auf deutsch und englisch.
Er informiert zu laufenden Veranstaltungen und Ausstellungen zur zeitgenössischen Skulptur in Europa und zu den Veranstaltungsreihen von sculpture network.

Newsletter abonnieren

Sollten Sie eine Auflage verpasst haben können Sie hier nachlesen.

Von Antoinette van Meurs und Frank van der Ploeg

Heri Dono, Dré Wapenaars, 2013 - Soundbox-Pavillon - Foto: Oskar Henn
Von Antoinette van Meurs und Frank van der Ploeg

Manchmal fällt es einem wie Schuppen von den Augen, es ist so offensichtlich, dass es fast peinlich ist. Dies widerfuhr uns auf dem XII Internationalen Forum von sculpture network in den Niederlanden.

Beim Abendessen nach der Konferenz im Kröller-Müller Museum entstand, angeregt durch die Vorträge der Künstler Riyas Komu, Eylem Aladogan, Nick Ervinck und Heri Dono, eine Diskussion an unserem Tisch: Können wir hochmütigen Europäer wirklich auf der einen Seite die Fertigkeit amerikanischer Produktion und Herstellung („Yes, we can!”) verstehen und auf der anderen Seite die östliche Weisheit, welche den Nährboden (Natur und Erziehung) bildet, in dem die Kunst begründet ist?

Unser Fazit: nein, können wir nicht. Wir können uns zwar vorstellen, wie es ist, wo anders aufzuwachsen, mit einer lokalen, tief verwurzelten Lebensvorstellung. Schlussendlich ist aber ein wirkliches Verständnis vieler Dinge und Aspekte des alltäglichen Lebens nicht möglich. Trotz aller Globalisierung.

Foto: Oskar Henn

AVL - Atelier Van Lieshout

Mit dieser frisch gewonnen Erkenntnis im Hinterkopf fragte uns Riyas Komu am nächsten Tag, was Joep van Lieshout (AVL) für die niederländische Kunstszene bedeutet und in einem breiteren Kontext für die niederländische Gesellschaft.

Van Lieshout hatte gerade seinen Einführungs-„Monolog” beendet, den er wacklig balancierend auf einem selbst entworfenen Stuhl in seinem Hinterhof hielt. Sein Auftreten stand im krassen Gegensatz zu dem souveränen Auftritt seines östlichen Kollegen am Tag zuvor (die Füße fest auf dem Boden, gerader Rücken und tiefe Ruhe). Mit typisch holländischem Witz und Selbstgefälligkeit hatte er über die ausgestellten Arbeiten von AVL und seinen Kollegen Kevin van Braak, Erik van Lieshout und Philippe Meste en Itziar Okariz („Territory”) referiert, in denen man sein rebellisches Gedankengut erkennen kann, welches die niederländische (westliche) überregulierte Konsumgesellschaft kritisiert.

Versuchen Sie mal einem ernsthaften, orientalischen Herrn zu erklären, dass das sowohl humorvolle als auch irritierende Werk von AVL, frei von jeder Form des Individualismus, häufig im öffentlichen Raum auftaucht. Dass ein riesiger abstrakter Penis mit Hoden in einen Museumsgarten gehört.

Joep van Lieshout - Foto: Oskar Henn

Dass er die Holländer um ein Rektum, eine Bikinibar und einen (betrunkenen) Big Funnelman an der Autobahn A27 bereichert hat, die die allermeisten (Auto fahrenden) Menschen wohl kennen, obwohl ihnen der Name des Künstlers nichts sagt.

Wird Komu das je verstehen? In nur 24 Stunden war unser Blickwinkel beeinflusst und erweitert worden. Zu welchem Grad kann der Rest der (Kunst-)Welt die holländische Kunstsprache verstehen, die uns so vertraut ist? Mit dieser neu gewonnenen Sichtweise, betraten wir sein „Territorium” mit einer ganz anderen Einstellung.

Leider war die Zeit nicht auf unserer Seite, wir hätten gerne mehr Muße gehabt, um alles noch besser verstehen zu können. Auch warum AVL diese Künstler mit diesen speziellen Arbeiten auf seinem Grundstück ausgestellt hat.

Foto: Oskar Henn

sundaymorning@ekwc

Nach dem Epoxy, den Videos und den Spermien bei AVL wandten wir uns dem irdischen Ton zu - hier und da mit einem futuristischen Touch. Auch hier beeindruckte uns das, was so nahe liegend scheint: Kunst ist ein Gegenstand, ein Gegenstand mit dem man kommuniziert. Beispiel: Die feucht gehaltenen Tonvögel von Eylem Eladogan auf der einen Seite, und auf der anderen, die in 3D-Computer-Technik konzipierten Modelle von Nick Ervinck. Beide Künstler steigern ihre Kommunikation mit dem gezielten Einsatz spezieller Techniken und Materialien. 

sundaymorning@ekwc richtet sich an (internationale) Künstler, die gerne mit neuen, ihnen noch nicht vertrauten Materialien experimentieren und arbeiten möchten. Die größte Herausforderung macht das Unmögliche möglich.

Das Keramikzentrum beherbergt auch FabLab Noord-Brabant, das darauf spezialisiert ist Maschinen für Zwecke zu verwenden, für die sie eigentlich nicht gemacht wurden. Neben dem Fräsen von weichen Formen, schafften sie es, einen 3D-Drucker dazu zu bringen Ton und vor kurzem sogar Porzellan zu drucken.

Leonard van Munster, Island - DordtYart. Foto: Oskar Henn

DordtYart

Eine absolute Offenbarung war DordtYart. Auf Initiative von Lyda Vollebregt und Arie Jaap Warnaar verwandelte sich eine alte Werft in einen Ort, um neue Ideen auszubrüten und sie dort umzusetzen. 2013 war die zweite Edition des Projekts, das bis zum Jahr 2020 dauern wird.

Edwin van der Heijde, Fog Sound Environment, 2013 - Dordtyard. Foto: Oskar Henn

Jährlich werden zehn Künstler/Designer beauftragt, innerhalb von drei Monaten neue Arbeit zu schaffen. In der Zwischenzeit wird ein altes Werk präsentiert und der Schaffensprozess kann öffentlich verfolgt werden.

Begleitet von den dort ausstellenden Künstler, die uns ihre Arbeiten einzeln vorstellten, konnten wir das Musikinstrument von Ronald van der Meijs hören, das durch den Fluss der Gezeiten gespielt wurde; die schwimmende Insel von Leonard van Munster sehen und beobachten, wie er mit seiner Marionette tanzt; die Natur durch das Auge einer Roboterkamera von Elodie Hiryczuk & Sjoerd van Oevelen sehen; begleitet von stillen Tönen mit Nebel von Edwin van de Heide spielen; in ein riesiges Smartphone („WePod”) von Pieterjan Ginckels spazieren; den Geist der Umwelt mit sich bewegendem Stahl von Peter Vink erleben und Heri Dono im Dré Wapenaars „Soundbox-Pavillon” einen indonesischen Chant singen hören. Um die hier präsentierten Kunstwerke zu verstehen, braucht man die Ins und Outs der kulturellen Hintergründen nicht zu kennen.

Lyda Vollebregt & Arie Jaap Warnaar, Gründer von Dordtyard - Foto: Oskar Henn

In inhaltlicher Hinsicht schloss das Forum ab mit einem bilderreichen Vortrag über die Kunst im öffentlichen Raum in den Niederlanden von Corrie van de Vendel und mit zehn 90-Sekunden-Präsentationen von Mitgliedern von sculpture network, die von einem stand-up Kommentar bis hin zu einer musikalischen Saxophon Darbietung reichten.

Das Forum bewirkte bei uns genau das, was Kunst unserer Meinung nach tun soll: neue Impulse geben und dazu anstoßen, die bestehenden Denkmuster, sprich die eigenen Fragen und Antworten zu den kleinen und großen Themen des Lebens neu zu hinterfragen.


XII. sculpture network International Forum
Besichtigungstag: Skulptur erleben 

5. Oktober 2013
www.sculpture-network.org

Nur für Mitglieder

Dieser Bereich ist nur für eingeloggte Mitglieder zugänglich.

Noch kein Mitglied? Hier erfahren Sie mehr.