and Materials and Money and Crisis

Mediadaten 2017

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MUMOK, Wien

SamLewitt, Debit Display, 2013 - Courtesy the artist & Miguel Abreu Gallery
MUMOK, Wien

Die Gruppenausstellung and Materials and Money and Crisis ist eine experimentelle Auseinandersetzung mit Fragen der Materialität und der Bedeutung des Kapitals in der Kunst. Kuratiert von dem New Yorker Richard Birkett in Zusammenarbeit mit dem Künstler Sam Lewitt, fand die erste öffentliche Iteration der Idee zu dieser Ausstellung, auf einem Symposium im Artists Space (NY), im April 2012 statt, mit Künstlern, Kunst- und Architekturhistorikern sowie Theoretikern aus der Wirtschaft.

Der Begriff „Material“ hat in diesem Ausstellungsvorhaben eine doppelte Bedeutung: Zum einen können die Flüsse von Material und Geld – wie auch die Krisen, die zu ihrer Unterbrechung führen – als Motiv dienen. Zum anderen beinhaltet das Thema die weiterführende Frage, in welcher Beziehung das physische Material des Werks zur Ablösung des Kapitals von der Produktion steht, wie sie sich in der globalisierten Finanzwelt beobachten lässt.

and Materials and Money and Crisis rückt die Arbeit von KünstlerInnen ins Blickfeld, die den Zusammenhang dieser drei Begriffe auf unerwartete Art und Weise darstellen – von der Umwandlung eines Ausstellungsraums in eine Klimakammer über die Verwendung unbeständiger Materialien bis hin zu Skulpturen, deren Form durch Algorithmen festgelegt werden.

Cheney Thompson, Broken Volume 10L, 2013 - Courtesy Galerie Buchholz

Die Arbeiten in der Ausstellung versuchen technische Bedingungen und Organisationssysteme zu erfassen, indem sie Brüche inszenieren, interne Konflikte verstärken sowie Beschleunigungen und Stockungen als Abweichungen von einem idealisierten Zirkulationsaustausch in den Vordergrund stellen.

Das bedeutet, sowohl von außen wie auch von innen auf den Apparat zu wirken, der ein Kunstwerk definiert: wie die „Hard-“ und „Software“ der Produktion und der Rezeption der Malerei, die entscheidende Beziehung zwischen KünstlerIn und KuratorIn, oder die in kulturelle Institutionen eingebetteten flexiblen und zugleich hemmenden Komponenten.

Das Kunstwerk wird hier als ein Ort materieller Entsprechung aufgefasst, als unbeständiges Bezugsfeld zwischen dinglichen und intellektuellen Kräften, die sich aus den zunehmend ungreifbarer und schneller werdenden Kapitalflüssen ergeben.

Pratchaya Phinthong, Give More Than You Take, 2011 - Installation view at Galleria d'Arte Moderna e Contemporanea, Bergamo

Die Begriffe „Material“, „Geld“ und „Krise“ werden auf den Zeitraum von den frühen 1970er-Jahren bis heute bezogen, in dem die Finanzsysteme dazu dienten, die Abstraktion von Wertvorstellungen zu intensivieren. Seit der Abschaffung des Goldstandards 1971 und der Entstehung des internationalen Währungsmarktes hat die Entwicklung komplexer Finanzinstrumente Bedingungen ermöglicht, in denen die Preise sich grundsätzlich an Wetten auf zukünftige Preise orientieren. Der jeder materiellen Basis beraubte Geldfluss geht zwangsläufig mit der Ausbreitung globaler Krisen einher.

Die Ausstellung verdeutlicht, wie unsicher, beliebig und instabil die Definition von „Material“ in einer Krise ist, die mit der Entmaterialisierung des Spekulations- und Derivatehandels verbunden ist. Gleichzeitig entstand eine Kunst, der alle neuen Mittel, Konzepte und Techniken zur Verfügung stehen. Diese können allerdings nur innerhalb der institutionellen und materiellen Grenzen genutzt werden. Währenddessen fließt das Kapital als reines Medium durch das Finanzsystem. Die Werte und Preise emanzipieren sich von ihren noch so hypothetischen materiellen Eigenschaften. Die gezeigten Aspekte der Materialisation können in diesem Zusammenhang als Reaktion auf die Krisen im Prozess der Wertermittlung gelesen werden.

Gareth James, Poor Neon. Rubber behaves like a one-dimensional gas, 2009 - Courtesy of the artist & Elizabeth Dee Gallery

Die Anordnung der Kunstwerke ist eine versuchsweise Verknüpfung von Positionen, die neben einer strengen Einhaltung auch eine gewisse Unschärfen erlauben und in dieser Hinsicht keiner strengen Thematik folgen. Die mit einem breiten Spektrum an Medien agierenden KünstlerInnen berücksichtigen dabei die Beziehungen zwischen instrumenteller Logik und den inneren sowie äußeren Rahmenbedingungen und Organisationsformen des materiellen Kunstwerks.

Die Ausstellung im mumok versammelt Arbeiten von Terry Atkinson, Maria Eichhorn, Melanie Gilligan, Gareth James, Sam Lewitt, Henrik Olesen, Pratchaya Phinthong, R. H. Quaytman, Lucy Raven, Cheyney Thompson und Emily Wardill.

 

and Materials and Money and Crisis
Kurator: Richard Birkett
Ausstellungsproduktion: Claudia Dohr
08.11.2013 – 02.02.2014


mumok
Museum moderner Kunst Stiftung, Wien, Österreich
www.mumok.at

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