Cildo Meireles: Installations im Pirelli Hangar Bicocca (Mailand)

Mediadaten 2017

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Erstmals in Italien: Zwölf der wichtigsten Installationen des Künstlers, der mit multisensorischer Wahrnehmung arbeitet

Cildo Meireles, Através, 1983-1989 - photo Agostino Osio - Courtesy HangarBicocca & Cildo Meireles
Erstmals in Italien: Zwölf der wichtigsten Installationen des Künstlers, der mit multisensorischer Wahrnehmung arbeitet

„Um einen vollständigen poetischen Umsturz zu erreichen, bietet seine Kunst eine Herausforderung an Wahrnehmung und konzeptionelle Ansätze mittels Gegenüberstellung, Akkumulation und Metaphern. Der Künstler lockt den Besucher in die Installationen wie in ein Spinnennetz hinein. Er gibt uns die Chance, neue Gedanken und Verhaltensweisen zu erleben und dies mit einer großartigen Fähigkeit zu Ironie und Kritik,“ sagt Vicente Todoli.

Die Ausstellung beginnt mit Cruzeiro do Sul (1969-1970), einer winzigen Skulptur, die einen starken Kontrast zu dem riesigen Raum bildet und dennoch mit den anderen großen Installationen in Verbindung steht. Es handelt sich dabei um einen Würfel, nur neun Millimeter groß, gefertigt aus Nadelholz und Eiche, Bäumen, die den Ureinwohnern Amerikas heilig sind.

Através (1983-1989), eine der monumentalsten und komplexesten Arbeiten, ist eine große Installation, bei der die Besucher auf Glasscherben laufen und dabei gegen Schranken, Zäune, Stangen und Latten stoßen. Das Geräusch ihrer Schritte und die klar erkennbaren Grenzen deuten die Möglichkeit an, diese und andere Grenzen niederreißen zu können. Wie der Künstler 2008 bei einer Retrospektive in der Tate Modern in London erklärt hat: „Im metaphorischen Sinne zertrümmert man jedes einzelne Bruchstück, jedes Verbot und Hindernis.“

Cildo Meireles, Cruzeiro do Sul, 1969-1970 -photo Agostino Osio - Courtesy HangarBicocca & Cildo Meireles

Die subversiv poetische Vision von Cildo Meireles kehrt mit Babel (2001) zurück, einem Turm aus Radios, auf denen verschiedene Radiosender laufen und dabei einen hoch suggestiven, visuellen und akustischen Raum schaffen.

Eureka/Blindhotland
(1970-1975) stellt unsere normale Wahrnehmung in Frage und lädt uns ein, über das Visuelle hinauszugehen und anderen Sinnen Raum zu geben. Es sind mehr als 200 augenscheinlich identische Gummibälle zu sehen, die von einem dünnen Netzvorhang umgeben sind. Besucher können diese berühren und in die Hand nehmen und dabei entdecken, dass sie alle ein ganz unterschiedliches Gewicht haben.

Amerikkka
(1991-2013) spielt mit dem Kontrast zwischen einem Boden aus 22.000 Eiern und einer darüber hängenden Decke, die aus 55.000 Geschossen zusammengesetzt ist. Die Besucher gehen im wahrsten Sinne des Wortes  „wie auf Eiern“ - einer Metapher für gefährliche Situationen. Dies wird weiter durch das Vorhandensein Tausender nach unten zeigender Geschosse verstärkt, die dem Besucher beim Weitergehen bedrohlich näher kommen.

Cildo Meireles, Babel, 2001 -photo Agostino Osio - Courtesy HangarBicocca, Cildo-Meireles & The Museum of Contemporary Art Kiasma, Finland

Cinza (1984-1986) besteht aus zwei verschiedenen, jedoch aneinander angrenzenden Räumen - der eine ist vollständig weiß, der andere vollständig schwarz - auf ihrem Boden liegen jeweils entweder Kreide- oder Holzkohlestücke verstreut. Wenn die Besucher sich von einem Raum zum anderen bewegen, vermischen sie dabei die Farben und bringen so die Veränderung der Arbeit voran.

Das Symbol der Wasserfläche als grenzenloser Raum erscheint in Marulho (1991-1997), dabei erstreckt sich ein langes Holzdeck über den mit 17.000 Büchern mit Abbildungen des Meeres bedeckten Boden. Eine Vielzahl an Stimmen, die das Wort "Wasser" in verschiedenen Sprachen wiederholen, zieht den Betrachter in ihren Bann. Dies ist eines der spektakulärsten Beispiele für Meireles' Technik der Akkumulation.

Die Einzelausstellung der Werke von Cildo Meireles, die zum Teil eine Koproduktion des Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía (Madrid, Spanien) und dem Museu de Arte Contemporânea de Serralves (Porto, Portugal) ist, bietet eine einzigartige Gelegenheit, sich mit der lyrischen Vision des Künstlers und seiner Sicht auf eine sehr unterschiedliche, unberechenbare Welt zu befassen.

Cildo Meireles spricht über sich und seine Arbeit

Der Künstler

Bekannt als einer der Pioniere der internationalen Bewegung der konzeptionellen Kunst, geht Cildo Meireles (Rio de Janeiro, 1948) schon seit Jahren über die Grenzen künstlerischer Strömungen hinaus.

Er verwendet für seine Skulpturen und Installationen eine Vielzahl von Objekten und Materialien, die er aufgrund ihrer symbolischen Bedeutung auswählt und experimentiert mit unterschiedlichen Techniken und konzeptionellen Strategien. Die menschliche Wahrnehmung in ihrer Gesamtheit steht im Mittelpunkt seines Interesses, er befasst sich dabei mit universellen Themen, manche so hochdramatisch wie das Thema Diktatur, Kolonialismus, Globalisierung und die Unterdrückung von Menschenrechten.

Cildo Meireles. Installations
Bis 20 Jul 2014
HangarBicocca – Mailand, Italy

www.hangarbicocca.org

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