In der verspulten Maschine Cosima von Bonins

Mediadaten 2017

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Große Retrospektive am mumok, Wien

Cosima von Bonin, Loop #3 of the Lazy Susan Series installation view, 2010 - Mamco, Genf - photo Ilmari Kalkkinen
Große Retrospektive am mumok, Wien

Das mumok Wien präsentiert die bisher umfassendste Ausstellung Cosima von Bonins (1962, Mombasa, Kenia) in Österreich. Diese Retrospektive mit mehr als 100 Arbeiten vollzieht nach, wie von Bonins Arbeiten immer stärker in den Raum übergreifen. Sie zeigt ein weiteres für sie typisches Merkmal: Das komplexe Beziehungsnetz, das sie zwischen bildender Kunst und Musik aufgespannt hat.

Cosima von Bonins Arbeiten werfen eine verspulte Maschine an, die sich gleichermaßen in der Pop- und Hochkultur wie in der Kunstgeschichte bedient. Ganz persönliche Empfindungen gelangen wie Geister durch die Seitentür hinein und machen dort ihre Späße mit dem Erbe anderer Künstler.

Cosima von Bonin, mumok exhibition view, 2014 - photo mumok / Laurent-Ziegler

Unter dem einzigen Fenster der Vorderfassade des Museums prangt für die Dauer der Ausstellung ein neuer Balkon. Auf diesem mumok Balkon steht DER ITALIENER, eine eher hölzern und angespannt wirkende Figur, die keiner der anderen Kreaturen gleicht, die hinter dem Fenster das Museum in Beschlag genommen haben. Dieser ITALIENER, von eher magerer Gestalt, steht da in einer Mischung aus forscher Grandezza und introvertierter Zurückgezogenheit und ist in erster Linie ein unbequemer Kritiker oder eine Art Agent provocateur.

Dem Kreativitätsdispositiv des zeitgenössischen Kapitalismus setzt von Bonin eine Kunst des Delegierens entgegen: Sie herrscht über ihr ruinöses Imperium wie ein Couturier aus einer vergangenen Epoche. Humorvoll die Minimal Art paraphrasierend, ließ sie 70 quadratische Herrentaschentücher zu einem wandfüllenden Stoffbild zusammennähen, das sich gegen die formalistische Strenge dieser Kunstrichtung auflehnte. Diese dienten 1995 ursprünglich als Bühnenbild für ihre erste institutionelle Einzelausstellung. Von Bonin hatte die Einladung des Grazer Forums Stadtpark, ihre eigenen Arbeiten zu zeigen, durch das von ihr gemeinsam mit 15 Kölner Teilnehmern organisierte, dreitägige Happening ersetzt.

Cosima von Bonin, England (left), Scotland (rigth), 2007-2010 - photo Ilmari Kalkkinen

Von Bonins Stofftierkongregation ist knallbunt, teils aus feinsten Designerstoffen genäht.  Diese nur vermeintlich niedlichen Kraken, Stoffhasen und Comicfiguren räkeln sich angenehm lethargisch im mumok. Vieles deutet in Cosima von Bonins Arbeiten auf Unfähigkeit, Nichtkönnen oder sogar Zwecklosigkeit hin. Fragen und Ungewissheiten zu Identität und Authentizität, Kontext und Bezug schwingen mit. Wegweisend für ihre künstlerischen Entscheidungen zeigen diese Arbeiten auch ihren „Widerstand gegen einen vermeintlichen Aktivitätsheroismus des [männlichen] Künstlers“ (Oliver Basciano) und gegen Forderungen nach ständig neuem künstlerischem Output.

In der Ausstellung zu sehen ist eine Rekonstruktion ihrer allerersten Ausstellung von 1990 in Hamburg, die sie zusammen mit Josef Strau präsentierte. Die beiden Künstler füllten den Raum mit Luftballons, auf welche sie mit Filzstift die Namen bedeutender Konzeptkünstler sowie deren Geburtsdaten und das Jahr von deren ersten Einzelausstellungen schrieben. Von Bonin setzte sich damals demonstrativ zur Schau - ins Schaufenster.

Cosima Von Bonin, Der Italianer, 2014 - photo Stephan Wyckoff

Unter anderen Rekonstruktionen und weiteren Neuauflagen vergangener Shows finden sich Teile ihrer im Kölnischen Kunstverein präsentierten Ausstellung ZWEI POSITIONEN AUF EINMAL, eine Rekonstruktion von THE FATIGUE EMPIRE, das erstmals 2010 im Kunsthaus Bregenz gezeigt wurde, und eine Neuinszenierung der letzten Station ihrer Europatournee THE LAZY SUSAN SERIES (2010–2012).



Cosima von Bonin

Hippies Use Side Door. Das Jahr 2014 hat Ein Rad Ab.

Kuratiert von Karola Kraus
Bis 18.01.2015

mumok
Wien – Österreich

www.mumok.at

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