Stoff als Material und Idee

Mediadaten 2017

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Kunstmuseum Wolfsburg

Michelangelo Pistoletto, Venere degli stracci, 1967 - Cittadellarte—Fondazione Pistoletto, Biella - photo courtesy Philadelphia Museum of Art
Kunstmuseum Wolfsburg

Kein Stoff, kein Material, keine Technik vermag unser sinnliches wie auch mentales Dasein so universell zu berühren, wie das Textile und das gerade in einer Zeit, die durch die zunehmende Virtualisierung immer unsinnlicher zu werden droht. Das Textile mit seinem über Jahrtausende weltweit entwickelten Reichtum an Webarten und Texturen ist das ideale Medium, diesem Bedürfnis nach Sinnlichkeit nachzukommen.

Mit einer historisch weit gespannten Ausstellung widmet sich das Kunstmuseum Wolfsburg erneut einem Lebens-Thema aus Sicht der Kunst: multimedial, interdisziplinär und die verschiedensten Kulturen umfassend. Nach Interieur/ Exterieur 2008 und Die Kunst der Entschleunigung 2011 ist dies eine weitere Etappe auf der Suche nach der Moderne im 21. Jahrhundert, die das Museum im Jahre 2006 begann.

Dorothea Tanning, Nue couchée, 1969-70 - Tate © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Bei der Erkundung der Bedeutung des Textilen geht es auch um eine Art „Neulesung” der Geschichte der modernen Kunst vom Jugendstil bis heute. Die Trennung von Kunsthandwerk und bildender Kunst hatte in der Moderne zur Folge, dass alles „Kunsthandwerkliche” über Jahrzehnte systematisch aus dem kunsthistorischen Kanon verdrängt wurde. Dabei bezog die Moderne aus der Verbindung von Kunst und Kunsthandwerk entscheidende Impulse.

Den Auftakt der Ausstellung Kunst & Textil bildet die bewegte Zeit des Jugendstils, als Künstler und Gestalter sich in Paris, Brüssel, London und Wien anschickten, die Hierarchie zwischen Kunst und Kunsthandwerk zugunsten eines umfassenden Lebensentwurfes aufzulösen. Der Besucher folgt dem roten Faden weiter zum Bauhaus in Weimar und Dessau, wo das textile Gestalten einen ersten Höhepunkt fand und wo die Grundlagen für die Entfaltung der sogenannten Fiber Art gelegt wurden.

Chiharu Shiota, In Silence, 2009, Centre PasquArt, Biel/Bienne - photo- Sunhi Mang © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Der Textil-Kunst selbst haftete noch lange der Ruch des bloß Kunstgewerblichen an und wurde als „Frauenkram” und weibliche Hausarbeit abgetan bis Rosemarie Trockel Anfang der 1980er-Jahre ihre ersten Strickbilder schuf und das Klischee des Textilen als geschlechtsspezifische Ausdrucksform umwertete. Das Kapitel „Spiderwomen” ist daher wichtigen Protagonistinnen der feministischen Kunst gewidmet, neben Trockel auch Louise Bourgeois, Mona Hatoum und Ghada Amer. Seither haben Künstler das Bedeutungsspektrum des Textilen enorm ausgedehnt und das aktuelle Kunstschaffen ist geradezu durchsetzt von Arbeiten aus Fäden und Stoffen, genähten Skulpturen und gehäkelten Installationen.

Ein besonderes Augenmerk legt Kunst & Textil auch auf das zweite Hauptereignis der modernen Kunst, nämlich den Ausstieg der Malerei aus dem Bild in den Raum. Die Ausstellung verfolgt den „Faden aus dem Bild in den Raum” anhand von historischen wie auch z.T. für den Anlass geschaffenen Installationen.

Die Universalität des Textilen macht es zu einer Art Weltsprache. Überall wird über Global Art diskutiert, die sich angeblich nicht mehr am westlichen Kunstbegriff orientiere. Doch wie lässt sie sich im nach wie vor westlich orientierten Kunstbetrieb präsentieren? Auch ethnologische Museen und Museen nichteuropäischer Kunst müssen sich dieser Frage stellen, wie etwa das künftige Humboldtforum in Berlin. Das Kunstmuseum Wolfsburg schlägt in dieser Ausstellung ein eigenes Präsentations-Modell vor, das auf der Zusammenführung von Objekten aus verschiedenen kunst- und kulturhistorischen Kontexten basiert.

Birgit Dieker, Hirnschnitt 25/25, 2012- Private collection - photo Markus Schneider/VG Bild-Kunst, Bonn 2013





Stoff als Material und Idee in der Moderne von Klimt bis heute

12.10.2013 – 02.03.2014
Kunstmuseum Wolfburg - Deutschland
www.kunstmuseum-wolfsburg.de

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