UNENDLICHER SPASS in der Schirn Frankfurt a. Main

Mediadaten 2017

Download PDF

Newsletter abonnieren

sculpture network veröffentlicht monatlich einen Newsletter auf deutsch und englisch.
Er informiert zu laufenden Veranstaltungen und Ausstellungen zur zeitgenössischen Skulptur in Europa und zu den Veranstaltungsreihen von sculpture network.

Newsletter abonnieren

Sollten Sie eine Auflage verpasst haben können Sie hier nachlesen.

International besetzte Gruppenausstellung über den Zustand des Ichs in einer grenzenlosen Gesellschaft

Maurizio Cattelan, Spermini, 1997 - 
Courtesy the artist & Collection of Margaret and Daniel Loeb
© Schirn Kunsthalle Frankfurt - photo Norbert Miguletz
International besetzte Gruppenausstellung über den Zustand des Ichs in einer grenzenlosen Gesellschaft

Immer schneller, höher, weiter – so lautet das Credo einer grenzenlosen Gesellschaft. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bewegt sich der Mensch zwischen Euphorie und Depression, ist konfrontiert mit verheißungsvollen Möglichkeiten einer globalen und virtuellen Welt und der Herausforderung, das eigene Leben ständig zu verbessern, zu optimieren und effizienter zu gestalten. Diesem Phänomen widmet die Schirn Kunsthalle Frankfurt vom 5. Juni bis 7. September 2014 eine umfassende Ausstellung.

Die Präsentation skizziert mit Arbeiten von 18 zeitgenössischen Künstlern, darunter Maurizio Cattelan, Peter Coffin, Judith Hopf, Andrea Fraser, Claire Fontaine, Alicja Kwade, Ryan Trecartin oder Daniel Richter, ein Bild einer Gegenwart, in deren Zentrum das Individuum selbst steht.

Anri Sala, TITLE SUSPENDED (Purple), 2008 - Courtesy Chantal Crousel
© photo Florian Kleinefenn

Die gezeigten Werke möchten nicht den Inhalt des titelgebenden Jahrhundertromans von David Foster Wallace „Unendlicher Spaß“ („Infinite Jest“) visualisieren. Vielmehr betrachtet die Ausstellung die unterschiedlichen Anforderungen, die heute an das Ich gestellt werden und in denen sich die Widerstände und Widersprüche einer solchen, gerne als alternativlos bezeichneten, Wirklichkeit bemerkbar machen.

Der in einer nahen Zukunft spielende Roman von Wallace zeichnet seismografisch mögliche Ergebnisse und Folgen der Erlebnis- und Spaßgesellschaft auf, die sich gleichzeitig als Leistungsgesellschaft darstellt. Die Kunstwerke der gleichnamigen Schirn-Ausstellung zeigen wie die Auswirkungen und Auswüchse der Gegenwart zu einem schier endlosen Kreisen des Menschen um sich selbst führen. Welche Methoden und Wege finden und erfinden wir, um uns stetig zu optimieren und zu perfektionieren und somit den Anforderungen der modernen Gesellschaft zu genügen? Themen wie Sucht in ihren unterschiedlichsten Ausformungen, die Verortung des Ichs, Depression, Sinnentleerung oder auch Absurdität, Irrationalität und eine bis ins Tödliche führende Ironie werden in den Kunstwerken zur Diskussion gestellt.

Peter Coffin, Untitled, 2008 - photo Norbert Miguletz @Schirn Kunsthalle Frankfurt

Der vor einigen Jahren in der Literatur aufgekommene Begriff des „hysterischen Realismus“ wird visuell und konzeptionell nachvollziehbar.

Die ausgestellten Objekte reflektieren zwischenmenschliche Beziehungsstrukturen und subtile Zusammenhänge, in denen es stets vorrangig um das Individuum geht. Jedem von ihnen steht innerhalb der Ausstellungsarchitektur ein eigener Raum zur Verfügung. Die Räume sind – ähnlich dem literarischen Aufbau des Romans von David Foster Wallace – labyrinthartig miteinander verbunden. In unterschiedlichen künstlerischen Gattungen, wie Installation, Film, Gemälde oder Performance, halten die in der Gruppenausstellung vertretenen Künstler unserer Gesellschaft im Ganzen, aber auch jedem Einzelnen den Spiegel vor. Sie begeben sich an die Schwelle eines neuen Zeitalters, in dem der sogenannte gläserne Mensch vielmehr im digitalen, sozialen Netzwerk lebt, als sich dessen nur bedient, und in dem das Leben selbst zum Optimierungs- und Erlebnisprojekt wird. 

Lara Favaretto, Tutti gìu per terra (We all fall down), 2004 - Courtesy the artist & Galleria Franco Noero - photo Norbert Miguletz

„Begriffe wie ‚Quantified Self‘, ‚Bodyhacking‘, aber auch ‚Burnout‘ geistern durch die Medien. Absolute Optimierung und Perfektion sind in der heutigen globalen Welt von jedem Einzelnen gefordert, rund um die Uhr. Welche Kehrseiten und Folgen hat dieses stete Zirkulieren des Menschen um sich selbst? In unserer diesjährigen Sommerausstellung wollen wir diese gegenwärtigen gesellschaftlichen Phänomene aufgreifen und Raum für eine künstlerische Auseinandersetzung bieten“, so Max Hollein, Direktor der Schirn.

Matthias Ulrich, Kurator der Ausstellung: „So viel Ich war nie: Wir drehen uns unentwegt um uns selbst. Und alles um uns herum dreht sich mit. Jeder Einzelne muss mit den Geschehnissen in der momentanen Lebenswelt zurechtkommen, sich persönlich verorten oder vielleicht sogar Überlebensstrategien hierfür entwickeln. Die in der Ausstellung präsentierten Künstler zeigen ihre Bilder von der unendlichen Kreisbewegung um das Individuum. Sie werfen Fragen auf, die uns alle beschäftigen, und spielen mit Situationen, in denen wir uns alle wiederfinden.“

Infinite Jest
Schirn Kunsthalle Frankfurt

Bis 07.09.2014

Frankfurt a. Main, Deutschland

www.schirn.de

Nur für Mitglieder

Dieser Bereich ist nur für eingeloggte Mitglieder zugänglich.

Noch kein Mitglied? Hier erfahren Sie mehr.