Ai Weiwei, kreativer Aktivist und globales Phänomen

Mediadaten 2017

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Umfassende Bestandsaufnahme und bedeutende Ausstellungen überall in Europa

Ai Weiwei, Bench, 2004 - photo Anders Sune Berg ©Faurschou Foundation
Umfassende Bestandsaufnahme und bedeutende Ausstellungen überall in Europa

Ai Weiwei begann bei seiner Rückkehr nach China 1993, nach mehr als einem Jahrzehnt in New York, in eine Richtung zu arbeiten, bei der er sowohl Elemente der chinesischen Kultur als auch Einflüsse der westlichen Kunst, denen er während seines zwölfjährigen Aufenthaltes in den USA ausgesetzt war, verarbeitete.

Ai Weiwei zitiert Duchamp als die „einflussreichste Person, wenn nicht sogar den einzigen Einfluss“ auf seine Kunstpraxis und er spielt mit den kreativen Spannungen zwischen komplexen Kunstgeschichten, dadurch Arbeiten schaffend, die verschiedene Deutungen erlauben. Die Verwendung traditioneller Materialien und Eingriffe an historischen Gegenständen ziehen sich durch sein gesamtes Schaffen von neolithischen Vasen (5.000 bis 3.000 Jahre v.Chr.) zu architektonischen Elementen und Möbelstücken der Qing-Dynastie (1644-1911). Indem er aus Altem neue Sachen erschafft, hinterfragt Ai die Grundsätze zu Werten und Authentizität im heutigen China.

Ai arbeitet mit einer Vielzahl von verschiedenen Kontexten, Größen und Medien. Die Verwandlung der Materialien Holz, Porzellan, Marmor oder Jade dient der Vermittlung seiner Ideen und er fordert damit die Fertigkeiten der nach seinen Ideen arbeitenden Handwerker heraus. Der Schaffensprozess für einige Stücke kann Monate dauern, denn es gilt sie durch die langwierige Phase des Experimentierens zu befördern, um bis an die Grenzen der formalen Eigenschaften des Materials zu gehen. Skulpturen wie Surveillance Camera (Überwachungskamera), 2010 und Video Camera (Videokamera), 2010, überhöhen Technik einerseits, stellen sie jedoch gleichzeitig als nutzlos und absurd dar.

Ai Weiwei, Straight, 2008–2012 - photo Anders Sune Berg ©Faurschou Foundation

Eine der bedeutendsten in der Ausstellung der Royal Academy gezeigten Installationen ist Straight, 2008-12, die das Erdbeben von Sichuan 2008 verarbeitet und als Denkmal für die Opfer geschaffen wurde. Die auf der Biennale in Venedig 2013 gezeigte Arbeit wurde aus neunzig Tonnen verbogenen und verdrehten Betoneisen (normalerweise beim Bau von Stahlbetongebäuden verwendete Stäbe) gebaut, die der Künstler selbst gesammelt und sorgfältig von Hand begradigt hat. Das Sujet der Dekonstruktion, ob durch Niederreißen oder als Folge von Naturkatastrophen ist eines von vielen wiederkehrenden Themen und Motiven, welchen sich Ai in seiner Arbeit zuwendet.

Ai Weiwei hat ebenfalls neue, speziell für seine Ausstellung in London entstandene Installationen erschaffen, wie beispielsweise Tree (Baum), eine Installation im Annenberg Courtyard, die aus acht einzelnen Bäumen besteht, von denen ein jeder ungefähr sieben Meter hoch ist. Es ist seine bisher größte Installation. Die Royal Academy ging ungewöhnliche Wege, um die Ausstellung der Arbeit zu ermöglichen. Sie initiierte eine Crowdfunding Kampagne auf Kickstarter und sammelte somit 123.577 Pfund; die höchste Summe, die jemals für ein europäisches Kunstprojekt auf dieser Plattform erzielt wurde. Das Projekt wurde von 1.300 Unterstützern finanziert und überschritt das ursprüngliche Ziel von 100.000 £ deutlich. Die Unterstützer hatten im Gegenzug Zugang zu limitierten Druckauflagen und exklusiven Onlineinhalten oder konnten an privaten Führungen durch die Kuratoren der Ausstellung teilnehmen.

Ai Weiwei, Bicycle Chandelier, 2015 - photo ©Dave Parry - courtesy Royal Academy of Arts

Der Künstler arbeitet seit 2009 an der Tree Reihe. Für die Schaffung eines individuellen Elementes oder Baumes kaufte Ai Teile von abgestorbenen Bäumen aus den Bergen des südlichen Chinas auf den Märkten der Provinzen Jingdezhen und Jiangxi. Diese ließ er in sein Atelier nach Beijing bringen, wo diese ganz verschiedenen Teile – ob Wurzel, Stamm oder Ast –während einer mehrere Monate dauernden Prozedur, mühsam wieder zu „vollständigen“ Bäumen zusammengesetzt wurden. Wie Ai selbst sagt, „Es geht darum, sich vorzustellen, wie der Baum ausgesehen hätte“. Eine Couch aus schwarzem Marmor vervollständigt die Installation, welche dem Publikum für eigene Entdeckungsreisen zugänglich ist.

Ai Weiwei, Grapes, 2014 - photo Anders Sune Berg ©Faurschou Foundation

Die Ausstellung in der Faurschou Foundation präsentiert einige der wichtigen Arbeiten, die Ai Weiweis Position als einer der weltweit bedeutendsten Künstler zementiert haben, darunter Sunflower Seeds (Sonnenblumenkerne), eine kleinere Version seiner Installation an der Tate Modern in der Turbine Hall 2010, die aus 100 Millionen handgemachten Sonnenblumenkernen aus Keramik besteht.

Die Ausstellung zeigt außerdem einige der Skulpturen aus dem Holz buddhistischer während der Kulturrevolution zerstörter Tempel und seine ikonoklastische Arbeit mit mehrere tausend Jahre alten antiken Vasen. Schließlich werden in der Ausstellung Fotos gezeigt, die Ai Weiwei während seiner Zeit in New York von 1983 - 1993 aufgenommen hat.

Das Centro de Arte Contemporáneo in Málaga zeigt seine Installation Circle of Animals / Zodiac Heads (Sternzeichen / Tierkreisköpfe). Zwölf Skulpturen aus Bronze, über drei Meter hoch zeigen die Köpfe der chinesischen Tierkreiszeichen. Diese Arbeit bezieht sich auf den Wasseruhrspringbrunnen im Sommerpalast von Yuanming Yuan, der während des Zweiten Opiumkrieges dem Erdboden gleichmacht wurde.

Ai Weiwei

Royal Academy of Arts

Kuratoren
: Tim Marlow, Artistic Director and Adrian Locke, Senior Curator at the Royal Academy of Arts.
Bis 13.12.2015
London, GB
www.royalacademy.org.uk

Faurschou Foundation
Bis 22.12.2015
Kopenhagen, Dänemark
www.faurschou.com

CAC Málaga
Kurator: Fernando Francés
Bis 6.12.2015
Málaga, Spanien
cacmalaga.eu

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