Die auf den Kopf gestellte Welt

Mediadaten 2017

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Beziehungen von zeitgenössischer Kunst und Volkskultur im Mittelpunkt der Ausstellung zur Wiedereröffnung von BPS22 in Belgien

Paul McCarthy, Sans Titre ©Leslie Artamonow
Beziehungen von zeitgenössischer Kunst und Volkskultur im Mittelpunkt der Ausstellung zur Wiedereröffnung von BPS22 in Belgien

Nach wichtigen Renovierungsarbeiten wird das BPS22 zum Hainaut Province Art Museum und öffnet im Rahmen von Mons 2015, Europäische Kulturhauptstadt mit Les Mondes Inversés (Die auf den Kopf gestellte Welt) wieder seine Pforten.

Die Ausstellung vereinigt die Kunstwerke von vierzig zeitgenössischen Künstlern, die sich verschiedenste Elemente der Volkskultur für ihre Arbeiten zu eigen gemacht haben. Künstler, inspiriert unter anderem von deren Gegenständen, Formen, Ideen, einer anderen Art des sozialen Zusammenlebens und Ritualen der Gemeinschaft. Les Mondes Inversés versammelt Werke, die auf die „symbolische Umkehr“ der Formen von „Hoch“- und „Populär“kultur reagieren, eine Bewegung, die durch den Titel der Ausstellung gut wiedergegeben wird und von dem Historiker Christopher Hill entliehen wurde.

Patrick Van Caeckenbergh, Le Dais ©Leslie Artamonow

Mit dem Begriff „Volkskultur“ unterscheiden wir die Traditionen und Kunstformen der volkstümlichen Klassen („Populärkultur“) und die Kunstformen der kultivierten Klassen („Hochkultur“). Der Begriff „Volkskultur“ ist nicht mit dem angelsächsischen Begriff der „Popular culture“ gleichzusetzen, der extrem weitverbreitete Ausdrucksformen einschließt, bei der Informations- und Kommunikationstechnologien (Popmusik, Filmhelden, Werbung) verwendet werden. 

Dieser Begriff birgt unzählige Mehrdeutigkeiten in sich und hat bis heute zahlreiche Erweiterungen und Neubestimmungen zu durchlaufen. Dies ist auf die verschiedenen beteiligten Fachrichtungen zurückzuführen -Literatur, Kunstgeschichte, Ethnografie- und auf die vielen linguistischen Kulturen, die sich ihm angenähert haben, wie die semantischen Feinheiten zwischen Volkskunde, Folklore oder Art folk.

Eric Van Hove, D9t ©Leslie Artamonow

Die Ausstellung behandelt daher diese Äußerung, nach dem Verständnis des Kritikers Stuart Hall, als ständigen Kampf zwischen „Populärkultur“ und „Hochkultur“, einen Kampf in dem Künstler aller Zeiten eine Schlüsselrolle gespielt haben, indem sie Zitate verwendet und formelle, methodische oder konzeptionelle Anleihen getätigt haben. Manchmal ähneln diese Aneignungen sogar jenen, wie sie einige Schriftsteller -einschließlich Villon, Rabelais oder Montaigne- am Ende des Mittelalters und der Renaissance in Sprache und Volkskultur als eine neue Quelle der Inspiration und Schaffens gesucht haben.

Wim Delvoye wendet die von Bachtin beobachteten nichtssagenden Übertragungen auf seine Arbeit an; Jeremy Deller sammelt alltägliche Schaffensformen von gewöhnlichen Leuten in der Überzeugung, dass die Kreativität eines Volkes nicht nur von staatlichen Kulturinstitutionen gemessen werden kann; und Gabriele Di Matteo vergibt Auftragswerke an neapolitanische Maler, die traditionell Bilder erschaffen, die für religiöse Prozessionen verwendet werden.

Michel Goury, La situation EMPIRE ©Leslie Artamonow

Diese Suche auf das heutige globale Umfeld ausgeweitet (Postkolonialismus und Globalisierung) eröffnet Künstlern anderer Kontinente ein neues Entdeckungs- und Forschungsgebiet wie Yinka Shonibare, dessen Arbeiten die Aspekte des Kolonialismus hinsichtlich Rassen- und Klassenfragen untersuchen.  Außerdem findet dieses Nachdenken beeindruckenderweise zeitgleich zum Zeitalter der Globalisierung statt, wo die Herangehensweise einiger „Dritte-Welt“ Autoren Lösungen anbietet, aus der Wahl zwischen identitärer Akzeptanz und kultureller Homogenität auf globaler Ebene (Globalisierung) aufzutauchen.

Les Mondes Inversés
Kurator: Pierre-Olivier Rollin
Bis 31.01.2016
BPS22
Charleroi, Belgien

www.bps22.be

 

 

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