Dinge bewegen

Mediadaten 2017

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Die Sammlung der Generali Foundation im Dialog mit den Sammlungen des Museums der Moderne

Franz West, Revision I und II, 1990 ©Sammlung Generali Foundation, Permanent Loan Museum der Moderne Salzburg - photo Wolfgang Wössner
Die Sammlung der Generali Foundation im Dialog mit den Sammlungen des Museums der Moderne

Geraten Dinge in Bewegung, stellen sich Veränderungen ein. Dinge, die im buchstäblichen Sinne die Position wechseln, ziehen Aufmerksamkeit auf sich, bewirken mitunter Irritation. Mit dem Einzug der Dinge in die Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden entscheidende Fragen, was ist Kunst, was macht sie aus und wie entsteht sie, neu verhandelt. Heutzutage verwandeln Künstler den Kunstprozess an sich in ein Kunstwerk. Es finden Alltagsgegenstände in künstlerischen Arbeiten Verwendung, Möbel werden zu (Sitz-)Skulpturen erklärt, ebenso tauchen Gegenstände mit hohem Identifikationscharakter in Werken auf. Wie kam es, dass Alltagsgegenstände einen so hohen Stellenwert gegenüber Skulpturen und anderen Kunstobjekten erlangen konnten? Wie kommen Künstler mit den gegenständlichen Eigenschaften ihrer Schöpfungen zurecht? Wie vermitteln Dinge soziale Beziehungen? Welche Rolle spielt die Gestaltung von Dingen in unserer Gesellschaft? Im Feld dieser Fragen und semantischen Mehrdeutigkeiten geht die Ausstellung den Dingen in der Kunst vom 19. bis zum 21. Jahrhundert nach. Obwohl sich Dinge oft als unverzichtbare, aber unauffällige Begleiter im Alltag erweisen, bleibt ihr Einfluss auf unsere Lebensweise meist unreflektiert. In der Kunst dagegen ist die Beziehung zwischen Dingen und dem menschlichen Wahrnehmungsapparat von besonderem Interesse.

Isa Genzken, Birne, 1984 - ©Sammlung Generali Foundation, Permanent Loan Museum der Moderne Salzburg ©Bildrecht - photo Werner Kaligofsky

In einer Zeit in der sich vertraute Gegebenheiten radikal verändern, zeigt das Museum der Moderne in Salzburg unter dem Titel Dinge bewegen Arbeiten aus der Sammlung der Generali Foundation sowie Neuankäufe, die in einem Dialog mit museumseigenen Werken und anderen dem Museum anvertrauten Kollektionen treten.

Sabine Breitwieser, Direktorin des Museums und Leiterin des kuratorischen Teams, unterstreicht, dass „die modellhafte und spielerische Auseinandersetzung mit der Thematik von der Dinglichkeit der Kunst über Tanz und Choreografie bis hin zu gesellschaftlichen Bezügen reicht und das utopische Potenzial von Kunst in den Fokus stellt“.

In der neuen Ausstellung werden rund 125 Werke von dreißig Künstlern in den traditionellen Medien Malerei, Skulptur, Zeichnung und Druckgrafik über Film und Video bis hin zum Hologramm präsentiert.

Florian Pumhösl, On or off earth, 1996 ©Sammlung Generali Foundation, Permanent Loan Museum der Moderne Salzburg - photo Werner Kaligofsky

Gleich zu Beginn der Ausstellung gibt Franz West (Österreich, 1947–2012) die Dinge aus der Hand, wenn er es unter Berufung auf Ludwig Wittgenstein den Kuratoren überlässt, die einzelnen Bestandteile seiner aus Originalen und deren Abgüssen bestehenden Skulptur Revision I und II (1990) miteinander zu kombinieren. Gleich nach dem Erkunden dieser Objekte wird der Betrachter von Silvie Fleurys (Schweiz, 1961) Mushroom, 2006 in den Bann gezogen, dessen taktile Oberfläche zur Berührung geradezu auffordert ähnlich religiösen Kultobjekten und Reliquien, denen in früheren Zeiten und in unterschiedlichen Gesellschaftsformen eine magische Wirkung zugesprochen wurde.

Die neuangekaufte Multimediainstallation von Kader Attia (Frankreich, 1970) beschäftigt sich mit rituellen Objekten aus Afrika in der Sammlung des Vatikans und in Salzburg und offenbart sie als stille Zeugen der Missionierung.

Heimo Zobernig, Ohne Titel, 2000 - ©Sammlung Generali Foundation, Permanent Loan Museum der Moderne Salzburg ©Bildrecht - photo Werner Kaligofsky

Heimo Zobernig (Österreich, 1958) präsentiert in der für ihn charakteristischen Ambivalenz zwischen künstlerischem und funktionalem Objekt bemalte Styroporkuben. Diese werden in der Ausstellung als Display eingesetzt in dem Videos von Bruce Nauman (USA, 1941) aus den 1960er-Jahren und Filme von Dóra Maurer (Ungarn, 1936) aus den 1970er-Jahren zu sehen sind, in denen der Körper als bildhauerisches Material begriffen und seine Objekthaftigkeit betont wird Dieser Aspekt spielt auch in den Neuankäufen von Werkgruppen von Simone Forti (Italien, 1935) und Anja Manfredi (Österreich, 1978) eine grundlegende Rolle: Gliedmaßen setzen sich in Bewegung, Körper befreien sich aus der Erstarrung.

Drei zusammenhängende Installationen von Jarosław Kozłowski (Polen, 1945), der sich in seiner künstlerischen Arbeit mit Begrifflichkeit und Phänomenologie von Dingen beschäftigt, treten als Wiederkehrer unter veränderten Vorzeichen in mehreren Räumen der Ausstellung auf.

Dinge bewegen
Sammlungen im Dialog: Sammlung der Generali Foundation
Bis 10.04.2016
Museum der Moderne

Salzburg,  Österreich

www.museumdermoderne.at

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