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Haroon Mirza setzt sich mit der Rolle von Autoren und Künstlern am Museum Tinguely auseinander

Haroon Mirza, Bitbang Mirror, 2015 (Prototype 9), Ohne Titel (2013) von Anish Kapoor - photo David Bebber
Haroon Mirza setzt sich mit der Rolle von Autoren und Künstlern am Museum Tinguely auseinander

Haroon Mirzas große raumgreifende Installationen integrieren vielfach Ton, Licht, Video und Film sowie zufällig gefundene Objekte und Arbeiten anderer Künstler. Damit erschafft Mirza immersive Wahrnehmungserlebnisse, die Auge, Ohr und unsere Orientierung im Raum herausfordern.

Das Museum Tinguely präsentiert die bisher umfassendste Ausstellung der Werke des in London lebenden Künstlers. Die Ausstellung rückt die gemeinschaftlichen Praktiken des Künstlers ins Zentrum. Künstlerisches Schaffen ist von Natur aus ein Prozess mit vielen Beteiligten. Dies umfasst die Mitarbeiter im Studio, den Architekten oder die Beteiligten im Museum, aber auch andere Künstler. Letzteres schließt Alexander Calder, Channa Horwitz und Anish Kapoor, die alle für die Ausstellung entweder eigene Arbeiten oder im kreativen Dialog zu künstlerischen Innovationen beigetragen haben. Verschiedene Arten der Interaktion wie Aneignungen, dialogische Strukturen und Komplizenschaften zwischen den verschiedenen Beteiligten bis hin zur Tätigkeit des Kuratierens selbst werden dabei vorgestellt.  

Haroon Mirza, LED Circuit Composition 4, 2013 - Courtesy hrm199 Ltd. and Lisson Gallery - photo hrm199 Ltd.

Mirzas künstlerisches Schaffen vollzieht sich als permanentes Experiment, bei dem die kritische Analyse und Kategorisierung der Kunstproduktion untersucht wird. Seine Klang-, Licht- und Medieninstallationen zeichnen sich sowohl durch formale Präzision als auch durch die Entfaltung komplexer Narration aus. Sie sprechen den Sehsinn genauso an wie das Gehör und befragen das Verhältnis der beiden Sinne zueinander. Die ortsspezifischen Installationen schaffen einen vielschichtiger Dialog mit dem verarbeiteten Material, das von Audiogeräten, LEDs und Solarpanels bis hin zu Found Footage und Arbeiten anderer Künstler reicht. Teilweise werden auch seine eigenen Kunstwerke wieder zu Material und in neue Arbeiten eingepasst. Ein wiederkehrendes Motiv ist der ‚Missbrauch‘, die kreative Verfremdung und Transformation von Apparaten und Funktionszusammenhängen, als Strategie der Brechung und der Erweiterung von Möglichkeiten.

Mit künstlerischen Verfahren wie Aneignung, Verwendung von Readymades und Reverse Readymades sowie der Einführung von Self-governing-Systems befragt Mirza die Produktionsbedingungen von Kunst und dekonstruiert auf spielerische Weise die Rolle des Autors und Künstlers.

Haroon Mirza, Pavilion for Optimisation, 2013 - Courtesy hrm199 Ltd. and Lisson Gallery - photo Ken Adlard

Es ist dieser Aspekt, den die Ausstellung ‘Haroon Mirza/hrm199 Ltd.’ ins Zentrum rückt. Sie passt daher genau zu dem Programm des Hauses, die Kernideen von Jean Tinguelys innovativer Kunstpraxis für die Gegenwart zu befragen.

In welchem Maße ist eine Einzelausstellung – vor dem Hintergrund der Dekonstruktion von Autorschaft – zugleich immer auch eine Gruppenausstellung?  Die Ausstellung‚ Haroon Mirza/hrm199 Ltd.‘ nimmt sich dieser Frage an und präsentiert unterschiedliche Formen der künstlerischen Zusammenarbeit. In künstlerischem Dialog reagiert Mirza mit einer Klang- und Lichtinstallation auf die konzeptuellen Zeichnungen von Channa Horwitz. In einer anderen Arbeit verwendet er einen konkaven Spiegel von Anish Kapoor und lotet mit einem Lautsprecher dessen akustische Qualitäten aus. Kooperativer Natur ist hingegen die im Solitude-Park präsentierte, technisch aufgerüstete Marmorskulptur, Standing Stones (2015), die Mirza zusammen mit dem italienischen Bildhauer Mattia Bosco entwickelte.

TJ O’Keefe, 45, 2012 - © TJOKEEFE, 2015

Mirza nimmt in mehreren Werken auch direkt Bezug auf die Sammlung des Museum Tinguely. Inspiriert durch das charakteristische, metallische Kreischen des Mengele-Totentanz (1986) entwickelte Mirza eine Intervention mit Licht und Ton. In Pavilion for Optimisation (2013/2015) integriert der Künstler mehrere von Tinguelys Radio-Skulpturen. Darüber hinaus konzipierte er mit der neuen Arbeit Duet for a Duo (2015), eine Geräuschkomposition mit Werken Alexander Calders und Jean Tinguelys. Calders Ohne Titel (ca. 1940) wird mittels eines Ventilator in Bewegung versetzt  Dies bietet uns die seltene Gelegenheit, eine der auf Bewegung und Klang ausgerichteten, aus konservatorischen Gründen jedoch häufig statisch präsentierten Skulpturen Calders in ihrer ursprünglichen Konzeption zu erfahren. Parallel dazu ertönen zwei weitere von Tinguelys Radio-Skulpturen (1962).

Haroon Mirza (London, 1977) studierte Malerei, Design und Theorie an der Winchester School of Art, am Goldsmiths College und am Chelsea College of Art. Im Jahr 2011 erlangte er mit der Auszeichnung des silbernen Löwen auf der 54. Biennale von Venedig internationale Bekanntheit.  2014 wurde er mit dem Zurich Art Prize und dem Nam June Paik Award geehrt.

Haroon Mirza/hrm199 Ltd.
Bis 06.09.2015

Museum Tinguely
Basel, Schweiz

www.tinguely.ch

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