Installationen und auf chemischen und biologischen Prozessen basierend „molekulare Skulpturen“

Mediadaten 2017

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Der Frankfurter Kunstverein zeigt Thomas Feuersteins bedeutende Einzelausstellung

Thomas Feuerstein, Accademia dei Secreti, 2015 (front); Psi Love (back), 2015 - Frankfurter Kunstverein - photo Norbert Miguletz ©VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Der Frankfurter Kunstverein zeigt Thomas Feuersteins bedeutende Einzelausstellung

Thomas Feuersteins Skulpturen stehen als Sinnbilder für soziale und psychische Bewusstseinzustände. Sie nehmen Bezug auf aktuelle soziale und politische Themen wie die Auswirkungen von Biopolitik auf das Individuum, die Lösung globaler Ernährungsprobleme oder soziale Entgrenzung.

Im Zentrum der Ausstellung Psychoprosa steht Schleim als biochemischer Stoff und bildhauerisches Material. Die Produktion des Schleims findet als realer Prozess in den Ausstellungsräumen statt und verwandelt den Frankfurter Kunstverein in ein zusammenhängendes Ensemble aus Gewächshaus, Laborküche, Kühlraum, Kino und Fabrik.  Die über Schläuche untereinander in Verbindung stehenden Apparaturen und Objekte produzieren und transformieren in ihrem Inneren Substanzen, Kühlschränke öffnen und schließen sich selbsttätig, transparente schleimige Fäden tropfen von raumgreifenden gläsernen Skulpturen.

Thomas Feuerstein, Sternenrotz (Kinosculptur), 2015 - photo WEST Fotostudio ©VG Bild-Kunst, Bonn 2015

In enger Zusammenarbeit mit Biochemikern entwickelte Thomas Feuerstein (Innsbruck, 1968) das synthetische Molekül Psilamin, welches aus Algen und Pilzen gewonnen wird. Bei dessen Herstellung fallen große Mengen schleimigen Biofilms an. Würde man Psilamin einnehmen, könnte man psychotrope Wirkungen feststellen. Wahrnehmung würde sich verflüssigen und Gegenstände im Raum weich und konturenlos erscheinen lassen.

Die Ausstellung begreift Thomas Feuerstein als Erzählung, der eine Narration in Form einer literarischen Geschichte in Tradition der Science Fiction zugrunde liegt. In einem dunklen Raum sieht sich der Betrachter hier einer leuchtenden Skulptur gegenüber, bei der ein zäher, phosphoreszierender Schleim langsam als Schlieren und Tränen über ein Glasobjekt tropft.  Im stetigen Hervorbringen und Verschwinden der Formen werden die spezifischen Eigenschaften von Schleim als bewegliches bildhauerisches Material deutlich.  Gleichzeitig wirft der Text die Fragen nach Form und Anti-Form auf. Der Hörer verfolgt die Auseinandersetzung von Forschern und Bioaktivisten mit der Frage nach der evolutiven Rolle des Biofilms in einer hypothetischen „Schleimzeit“ der Menschheitsgeschichte.

Thomas Feuerstein, Installation view, 2015 - Frankfurter Kunstverein - photo Norbert Miguletz ©VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Feuerstein erzählt in seiner Ausstellung nicht nur eine Geschichte vom Material als lebendiger Prozess und Träger von spezifischen Eigenschaften, sondern auch von der gesellschaftlichen Rolle der Wissenschaft in der Moderne.

Mit dem Ausstellungstitel Psychoprosa macht der Künstler auf einer weiteren Ebene die Subjektivität in der Erfahrung von Welt und deren Wahrnehmung deutlich. Die Verbindung der Worte „Psycho“ und „Prosa“ weist auf das erzählerische und subjektive Moment in der Kunst hin. Das Narrativ Psychoprosa kann als eine Erweiterung des auf Aufklärung und Moderne beruhenden rationalen Gedankensystems der westlichen Gesellschaft gelesen werden. Gleichzeitig regt es zur Reflexion der Idee von Entgrenzung im Sinne eines möglichen Gegenentwurfs von Weltwahrnehmung an.

Thomas Feuerstein, Psiloprosa, 2015 ©VG Bild-Kunst, Bonn 2015



Thomas Feuerstein

Psychoprosa
Bis 30.08.2015

Frankfurter Kunstverein

Frankfurt, Deutschland

www.fkv.de

thomasfeuerstein.net

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