Juan Luis Moraza's república im Museo Reina Sofia, Madrid

Mediadaten 2017

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Die Krise der Representation

Juan Luis Moraza, Éxtasis, status, estatua, 1994 - MNCARS - photo Joaquín Cortes / Román Lores
Die Krise der Representation

república zeigt eine große Auswahl an Arbeiten von Juan Luis Moraza (Spanien, 1960). In unterschiedliche Bereiche aufgeteilt, macht sich die Ausstellung daran, das Konzept des Museums als ein System von Konventionen und Möglichkeiten für die Bürgerschaft zu erforschen. 

Während eines der Probleme der heutigen Demokratie für den Bürger in der Fülle an Möglichkeiten auf der einen Seite und einer Passivität bei der Teilhabe am Sozialleben auf der anderen Seite besteht, sieht Moraza das Museum als einen Raum für eine Annäherung zwischen Künstler und Bürger sowie Betrachter und Bürger.

Juan Luis Moraza, Acorde (análisis), 2009 - MNCARS - photo Joaquín Cortes / Román Lores

Nichtsdestotrotz ist öffentliches Interesse keine ausschließlich politische Angelegenheit für Moraza, es verfügt ebenfalls über eine anthropologische Komponente und hat somit Auswirkungen auf das Wesen von Subjektivität an sich.

In gegenseitiger Wechselwirkung mit seinen künstlerischen Werken hat Moraza stets einen konzeptionellen Diskurs entwickelt, in dem Sprache und Ideen auch einen vom Künstler besetzten Ort enthalten, zusammen mit Formen und unverwechselbaren Eigenschaften von Objekten und Situationen, die er mit jedem Projekt anregt. Morazas Museum wird daher zu seiner república, ein Raum für Interpretation und Transformation, der als ein System zur Teilhabe verstanden wird.

Juan Luis Moraza, Almaclimas (pedestales de mundos), 2009 - MNCARS - photo Joaquín Cortés / Román Lores

Die Ausstellung, wie sein gesamtes Werk, beschäftigt sich mit der Krise der Darstellung, ob für das Individuum oder die Gesellschaft, deren Repräsentativität daher gleichermaßen in Frage gestellt wird.

Der Künstler schlägt einen Ort vor, der sich selbst in ein System von „Implexitäten“ umwandelt. Einen Begriff, den er verwendet, um den Schnittpunkt zwischen Komplexität und Implikation, zwischen vom Museum wahrgenommenen Rechten und Pflichten des sozialen Zusammenspiels zu bezeichnen.

Juan Luis Moraza, Moldes para besos, 2004 - MNCARS -photo Joaquín Cortés / Román Lores

Die ausgestellten Arbeiten und die angesprochenen Themen und Probleme präsentieren das Museum auf verschiedenste Art und Weise: das Museum der Teilhabe, wo der Betrachter-Bürger beispielsweise Wahlurnen, Fragebögen mit Fragen zum idealen Künstler oder einen ungewöhnlichen Vorschlag zur Verwendung von Steuergeldern findet, das Symbolische Museum, welches Vorstellung und Verwendung des Denkmals in Kunst, Sozialleben und Alltag untersucht; das Demografische Museum, in dem Bewusstsein, dass Demografie immer einen äußerst wichtigen gestaltenden politischen und kulturellen Aspekt in der Menschheitsgeschichte bildet und als ein Anthropisches Museum, mit einem Ausdruck von Sehnsucht und Rechtfertigung des Körpers, als bestimmend für das Individuum oder in der Sprache des Künstler gesagt, das „dividuum“ (geteilt sowohl durch seine inneren als auch äußeren Brüche im Universum der Beziehungen). 

Juan Luis Moraza, CVA. Limite (Implosión), 1982 - MNCARS Collection - photo Joaquín Cortés / Román Lores

In Morazas república ist Kunst ebenfalls ein Prozess des kritischen Reflektierens. Auf der einen Seite ist da das Dilemma des Ornaments, der Konflikt und die Marginalität, die es in Bezug auf Sozial- und Kulturstruktur repräsentiert, auf der anderen Seite das Denkmal als ein Ausdruck von Autorität im öffentlichen Raum. Dies stellt den Betrachter hinsichtlich der Deutung vor eine weitere Herausforderung. Die „Interpassivität“ des Museums im Kontext der Ausstellung stets hinterfragend, kann der Betrachter ein „republikanisches Museum“ entdecken, eines Künstlers, der in der aktuellen Debatte zwischen Barock und Klassizismus stets klar Stellung bezogen hat. Einer, der sich klar für den freiheitsliebenden Weg des Barocks entschieden hat, im Gegensatz zu puritanischer Entfremdung jeglicher Art von formaler, künstlerischer oder politischer Reduzierung.

república
Juan Luis Moraza

Kurator: Joao Fernandes
Bis 02.03.2015

MNCARS Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía

Madrid, Spanien

www.museoreinasofia.es

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