Michael Beutler im Hamburguer Bahnhof

Mediadaten 2017

Download PDF

Newsletter abonnieren

sculpture network veröffentlicht monatlich einen Newsletter auf deutsch und englisch.
Er informiert zu laufenden Veranstaltungen und Ausstellungen zur zeitgenössischen Skulptur in Europa und zu den Veranstaltungsreihen von sculpture network.

Newsletter abonnieren

Sollten Sie eine Auflage verpasst haben können Sie hier nachlesen.

Ein unaufhörlicher Schaffensprozess

Michael Beutler, Moby Dick, 2015 - Installation view, Hamburger Bahnhof © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie - Thomas Bruns
Ein unaufhörlicher Schaffensprozess

Michael Beutlers Installationen besetzen und transformieren Räume. Beutler nimmt die vorhandenen Strukturen der Architektur auf und verwandelt sie zu installativen Bauten. Diese wiederum tragen eine Doppelfunktion zwischen Architektur und Skulptur in sich.

Die zentrale Halle des Hamburger Bahnhofs ist Ausgangspunkt für die skulpturalen Eingriffe des Künstlers. Anders jedoch, als der eigentliche, festgefügte Bau der Halle, mit ihren schweren Eisenträger und den makellos weiß gestrichenen Wänden, wohnt den Arbeiten Beutlers etwas Offenes inne. Es gibt da etwas scheinbar Unfertiges und Unbestimmtes. Aus dieser offenen Konstitution kommentiert die Installation die Beschaffenheit der Museumsarchitektur Sie nimmt Bezug auf die Geschichte des Gebäudes, insbesondere indem Formen aufgegriffen werden, die Zeugnis der originalen Bahnhofsarchitektur sind.

Michael Beutler, Moby Dick, 2015 - Installation view, Hamburger Bahnhof © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie - Thomas Bruns

Michael Beutler (Deutschland, 1976) erhebt die historische Halle nicht nur zum Protagonisten der Schau, vielmehr verwandelt er diese in einen Ort kontinuierlicher Produktion, zu einer „Werkshalle Museum“ oder einer Art überdimensionalem Atelier. In mehreren „Bauphasen“ werden Bestandteile der Installation während der Laufzeit umgebaut oder Elemente ergänzt. Wie sich die Ausstellung verändern wird, ist zum Zeitpunkt der Eröffnung noch nicht zu erahnen Der Arbeitsprozess des Künstlers (der wiederholt in der historischen Halle über die gesamte Dauer der Ausstellung zu sehen sein wird) wird, wie bereits während der Aufbauphase, zu einer von allen Besuchern einsehbaren Situation.

Der dadurch entstehende Aufführungscharakter der Arbeiten ist vor allem durch die Zusammenarbeit des Künstlers mit seinem Team gekennzeichnet. Das soziale Gefüge und die damit verbundene Entwicklung der Entscheidungsfindung dieser „Mannschaft“ ist elementarer Bestandteil des Werks.

Michael Beutler, Moby Dick, 2015 - Installation view, Hamburger Bahnhof © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie - Thomas Bruns

Die Rolle des Prozesshaften wird auch in den Apparaten deutlich, die über den Ausstellungsraum verteilt sind. Die in der Regel aus Holz zusammenmontierten Werkzeuge konstruiert der Künstler selbst. Er produziert mit ihnen Elemente für die Installation, die als autonome Objekte im Raum erhalten bleiben oder als Bauteile für größere Strukturen integriert werden Für Moby Dick kommen dabei Apparate aus älteren Arbeiten zum Einsatz, wie auch neu entwickelte Gerätschaften und Instrumente. Von skulpturaler Präsenz geprägt und zugleich als Relikte der Produktion im Ausstellungsraum zurückgelassen, konterkarieren die selbstentwickelten Verfahren hochtechnisierte, entfremdete Arbeitsformen und die damit in Zusammenhang stehenden Ökonomien.

Michael Beutler, Moby Dick, 2015 - Installation view, Hamburger Bahnhof © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie - Thomas Bruns

Das Haus Beutler im hinteren Teil der Halle versteht sich als eine Art begehbarer „Technikkatalog“, der hier zu einer Materialkomposition in der Ausstellung verdichtet wird. Gefüllt mit Modellen, Arbeits- und Materialproben, Zeichnungen und Videos, sowie Fragmenten älterer Installationen, steht das Haus Beutler für die Planungs- und Experimentierphase der Arbeit Beutlers.

Zum ersten Mal wird der modellhafte und dokumentarische Aspekt seiner Arbeiten seinen raumgreifenden Werken in ihrer endgültigen (wenn auch temporären) Form gegenübergestellt. Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof reflektiert damit die bestimmende Zweigliedrigkeit zwischen „Vorarbeit“ im Künstleratelier und „richtiger Arbeit“ im Ausstellungsraum und gibt direkten Einblick in die Doppelrolle des Ateliers für sein Werk.

Michael Beutler
Moby Dick
Bis 6.09.2015

Hamburger Bahnhof

Berlin – DE

www.smb.museum

www.michaelbeutlerinberlin.de

Nur für Mitglieder

Dieser Bereich ist nur für eingeloggte Mitglieder zugänglich.

Noch kein Mitglied? Hier erfahren Sie mehr.