Sosein und Dasein

Mediadaten 2017

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Esther Kläs, All in, 2011 - photo Ingo Bustorf - Courtesy Collection Peter Blum, NY
Projektionen poetischer Imagination und ein persönliches Erleben der griechischen Idealvorstellung von Skulptur

Von James Joyce geprägt, übersetzt das Wort "Whatness" das Konzept der Quidditas des Philosophen Thomas von Aquins ins Englische. Es geht um das Sosein eines Dings, sein Wesen, im Unterschied zum Dasein eines Objekts. Ein Gegenstand wird daraufhin befragt, was er ist.

Die Kunsthalle Bielefeld präsentiert eine Ausstellung mit Werken der beiden Bildhauer Esther Kläs und Johannes Wald. Als Titel dieser Ausstellung betont „Whatness“ das Gemeinsame im Werk der beiden jungen Bildhauer. Die Skulpturen beider reflektieren die Materialität von Skulptur, den Herstellungsprozess, aber auch das Sosein einer Skulptur und ihre Wirkung auf den Betrachter. Sie formulieren die Frage: Was ist dieses dreidimensionale Ding da?

Esther Kläs, Untitled (not yet titled), 2014 - photo Ingo Bustorf - Courtesy Esther Kläs, Xavier Hufkens, Brussels

Die Werke beider Künstler bewegen sich auf je eigene Weise zwischen figurativen Motiven und Abstraktion, einem Spiel aus Form und Material sowie der Verweigerung einer Lesbarkeit der Objekte Sie offenbaren sich dem Betrachter erst in der aktiven Teilnahme und einem unbestimmten Vorstellungsraum: „Schönheit  ... wird durch die Imagination erkannt“, sagt Joyce.Johannes Wald und Esther Kläs bauen die Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld gemeinsam auf und schaffen so eine Installation, in der ihre Skulpturen in verschiedenen Materialien von Aluminium hin zu Zink in einen Dialog treten.

 Die Künstlerin Esther Kläs (Deutschland, 1981) wird immer wieder als „geborene Bildhauerin“ bezeichnet. Obwohl ihre Skulpturen weitgehend abstrakt sind, evozieren sie anthropomorphe Körperlichkeiten oder antike rituelle Stätten. Sie strahlen Würde und Persönlichkeit aus und entwickeln eine betörende Selbstverständlichkeit im Raum. Dabei bewegen sie sich irgendwo zwischen mysteriöser Präsenz und Projektionen poetischer Imagination. Die enge Verbindung der Werke zur schaffenden Künstlerin bleibt dabei stets gegenwärtig. Esther Kläs betont die Gemachtheit ihrer Skulpturen, indem sie die Spuren ihrer körperlichen Arbeit an dem Material bestehen lässt. Der Charme des Improvisierten gehört ebenso zur Wirkung ihrer Werke wie hin und wieder eine Neigung zum Absurden.

Johannes Wald, Studying the greeks’ grace, 2010 - photo Ingo Bustorf

Johannes Wald formuliert Fragen an die Skulptur. Primär bildhauerische Qualitäten wie Haptik, Materialität und Dreidimensionalität sind für Wald nur zweitrangig. Sein Hauptinteresse gilt der Offenlegung von Bedingungen, Herstellungsverfahren sowie für die Transformationsprozesse von der Idee ins Material.

Auf der Suche nach der vollendeten Skulptur und einem Selbstverständnis als Bildhauer geht er verschiedene Wege der Annäherung. In „studying the greeks’ grace“ setzt er sich mit der Schrift „Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“ des Archäologen und Kunstschriftstellers Johann Joachim Winckelmann aus dem Jahr 1755 auseinander, in der dieser die Skulptur der Griechen als die vollkommenste bezeichnet und seinen Zeitgenossen deren Nachahmung empfiehlt. Johannes Wald setzt diesen Ratschlag über 250 Jahre später in eigenen Arbeiten um. Das Ergebnis ist jedoch keine modellierte Skulptur.

Johannes Wald, Kunsthalle Bielefeld exhibition view, 2015 - photo Ingo Bustorf

Es verweist vielmehr im Medium der Fotografie auf die Innerlichkeit der persönlichen Erfahrung von Grazie und den Vorstellungsraum einer wunderschönen Figur.

Auf ähnliche Weise erschafft er in „Ekphrasis“ mit Worten die sprachliche Darstellung einer idealen Skulptur oder belässt in „Pedestal for a muse“ eine Leerstelle, die eine Erwartungshaltung hinsichtlich des Erscheinens einer Muse provoziert.

Whatness
Esther Kläs
and Johannes Wald
Bis 21.06. 2015

Kurator der Ausstellung: Friedrich Meschede
Kuratorische Assistenz: Meta Marina Beeck

Kunsthalle Bielefeld

Bielefeld, Deutschland

www.kunsthalle-bielefeld.de

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