Between. Michael Danner – Sebastian Kuhn – Gert Riel

Mediadaten 2017

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Zwischen Stabilität und Dehnbarkeit, Verdichten und Ausdehnen, Spannung und Gleichgewicht.
Von Simone Jung

between, Sebastian Kuhn, Under Water Love, 2012 
© Art.Plus & VG Bild-Kunst
Zwischen Stabilität und Dehnbarkeit, Verdichten und Ausdehnen, Spannung und Gleichgewicht.

Drei Bildhauer stehen im Zentrum der neuen Ausstellung between im Museum Art.Plus. Die drei Künstler beschäftigen sich in ihren Skulpturen, Installationen und Raumgebilden mit dem Wechselspiel von Stabilität und Dehnbarkeit, Verdichten und Ausdehnen, Spannung und Gleichgewicht und stellen mit sehr unterschiedlichen Arbeitsmaterialien spannende Beziehungsgefüge her.

Mit unterschiedlichen Materialien und Arbeitsweisen machen sie einen faszinierenden Zustand des "Dazwischen", den Übergangs sicht- und erfahrbar. Die vielschichtige körperliche und konzeptionelle Wahrnehmung des Betrachters dieses Übergangs spielt in der künstlerischen Praxis der Künstler ebenfalls eine wichtige Rolle. Die von ihnen verwendeten Materialien dienen nicht allein als Mittel der künstlerischen Aussage, vielmehr entwickeln sich aus den ihnen innewohnenden Eigenschaften die grundlegenden Formen der Arbeiten.  Die Grenzen der Materialien auslotend, überwinden die Arbeiten ihre eigene körperliche Stofflichkeit.

between, Michael Danner, Laufender Kreis, bewegt, 2015, Großer Kreis, bewegt, 2015 © Art.Plus & VG Bild Kunst

Michael Danner (Deutschland 1951) setzt Materialien und bildnerische Mittel ein, die auf ein absolutes Minimum reduziert sind, um komprimierte räumliche Objekte zu formen. So verspannt er beispielsweise dünne Stäbe aus Federstahl mit Schnüren zu Objekten oder Räumen, die sich zum einen aus den Spannungsbögen der entstehenden räumlichen Begrenzungslinien, zum anderen aus den Leerräumen dazwischen definieren.

Jede kleinste Veränderung an den Eigenschaften des Materials hat entscheidende Auswirkungen auf das Ganze.  Das ständige Wechselspiel von Spannung, Schwerkraft und Gleichgewicht verleiht den Objekten und Installationen ihre klar definierte, jedoch bewegliche und vielgestaltige Form, die stetig und fast meditativ den Moment des Übergangs von einem in einen anderen Zustand sichtbar macht.

‘Diese Konstellationen, die Kräfte des Gleichgewichts in ihnen, aber auch die Zustände von Überdehnung und Kollaps zeigen Gegebenheiten unserer fragilen Alltagssituationen – auch im Kontext des Weltgeschehens’, sagt Michael Danner über seine Arbeit.

between, Sebastian Kuhn, Polyrhythmic Walkabout, 2008 ©Museum Art Plus &VG Bild Kunst Bonn

Sebastian Kuhn (Deutschland, 1977) arbeitet mit der Allansichtigkeit von Skulpturen. Um die vielen verschiedenen Facetten seiner Arbeiten zu erleben, muss der Betrachter um sie herumgehen. Es gibt bei ihm keine Hauptansicht, keinen Hauptaspekt. Mit jedem Schritt des Betrachters ändert sich die Perspektive; das vermeintlich sichere Raumgefühl wird zunehmend ins Wanken gebracht.

Kuhn arbeitet mit vorgefertigten Massenprodukten, anderen zeitgenössischen Materialien und Alltagsgegenständen wie Klaviere, Betten, Lampen und Spiegel, die er zweckentfremdet oder auseinanderbaut und daraus neue, ungewöhnliche und spannungsreiche Verbindungen kreiert. Dabei geht es ihm vor allem um Transformationsprozesse und das Kreieren neuer Beziehungsgefüge von Objekten und Inhalten. Er erreicht dies, indem er den seine Skulpturen umgebenden Raum verändert. Er bestückt diesen sozusagen mit neuen Gesetzen und erschafft wechselnde Welten.

Aufbau oder Zerstörung? Ordnung und vermeintliches Chaos gleichen sich gegenseitig aus. Die Hauptelemente seiner Skulpturen lassen immer noch ihre ursprüngliche Verwendung erkennen, scheinen jedoch gleichzeitig von einer inneren explosiven oder implosiven Kraft getrieben, die sich auf die Form und Umgebung zu übertragen scheint, und die die Betrachter und deren körperliche Wahrnehmung mit einbezieht.

Gert Riel, Ohne Titel, 2009 ©Art.Plus

Gert Riel (Deutschland, 1941) schafft Metallarbeiten und beschäftigt sich seit mehr als vierzig Jahren mit dem Wechselspiel zwischen Fläche und Volumen. Die Konzentration auf das Wesentliche und Elementare steht im Mittelpunkt seiner künstlerischen Praxis.

Mit Werkgruppen, die unter den Überbegriffen „Veränderung“ und „Spannung“ zusammengefasst werden können, macht er die materialimmanenten, aber unsichtbar wirkenden Eigenschaften wie Festigkeit und Elastizität sicht- und spürbar. Dabei reduziert er permanent Form und Material. Der Gedanke der „Veränderung“ kann als Leitmotiv für das gesamte Werk von Gert Riel angesehen werden. Diese anhaltende Auseinandersetzung mit dem Thema erlaubt es ihm, die Veränderung innerhalb des Materials auf immer neue Weise sichtbar zu machen.

Seit 2008 wendet sich Riel verstärkt der Farbe zu und erweitert so seine plastische Sprache um das Malerische. Die Verwendung des widerspenstigen Materials Metall, das Reduzieren auf elementare geometrische Formen und die einfarbigen Oberflächen lassen konzentrierte, malerische, energie- und spannungsgeladene Objekte entstehen. Farbe erlaubt raumgreifende Präsenz anzunehmen, die zwischen Materialität und Immaterialität, Zurückhaltung und Ausdehnung pendelt.Das „Dazwischen“ hat oft mit der Aussicht auf etwas Neues, Unbekanntes und Anderes zu tun, und vielleicht auch damit, Sicherheit und Vertrautes hinter sich zu lassen.

Das kann einerseits zu gespannter Erwartung und Neugier, aber auch zu Verunsicherung führen. Man findet sich in einer Art Schwebezustand wieder, einem Raum des Nachdenkens und der Entscheidungsfindung für oder gegen etwas. Diese Spannung auszuhalten, das Gleichgewicht bewahren und mit beiden Füßen fest auf dem Boden zu bleiben, die Angst zu überwinden, das ist die wahre Kunst.

Ist aber Kunst nicht von Natur aus immer irgendwo „Dazwischen“? Sie widersetzt sich der Zwangsjacke und Einengung durch strenge Regeln und Einordnungen und erlaubt viele verschiedene Ausdrucksformen, ist jedoch gleichzeitig sehr genau, durchdringend und intensiv.

Simone Jung, Direktorin des Museums Art.Plus

Between
Michael Danner
Sebastian Kuhn Gert Riel
Bis 22.01.2017

Museum Art.Plus

Donaueschingen, DE

www.museum-art-plus.com

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