Kishio Suga

Mediadaten 2017

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Temporäre Welten

Kishio Suga, Soft Concrete, 1970-2012 - courtesy of the artist and Blum & Poe - photo Joshua White
Temporäre Welten

Kishio Suga (Japan, 1944) gehörte zu den ersten Künstlern der Mono-ha, einer Strömung, die die zeitgenössische Kunstszene seit den späten 1960er Jahren bereichert hatte. 1978 war er  auserwählt worden, Japan auf der Biennale von Venedig zu repräsentieren, um dem Westen eine künstlerische Sprache zu vermitteln, bei der die Erforschung von Materialien und Raum tief mit einer Affinität zu Natur und Umwelt verwurzelt ist.

In den Jahren 1969 und 1972 waren die Anfänge und das Wachstum der Mono-ha zu verzeichnen. Obwohl der Begriff wörtlich übersetzt "Schule der Dinge" bedeutet, waren die Künstler weder in einer Gruppe organisiert, noch ihre individuelle Praxis auf Dinge oder Objekte fokussiert. Ihre unterschiedlichen Arbeiten wurden durch die Wahl von einfachen Materialien (sowohl natürliche, als auch produzierte) vereint und dienten als Mittel zur Erforschung der Verhältnisse zwischen dem Individuum, dem Gegenstand und dem umgebenden Raum. Ihre Arbeiten waren oft das Resultat aus direkten, interaktiven Aktionen wie Auflösen, Tropfen, Brechen und Stapeln. Mono-ha ist deshalb sowohl auf das Material selbst, als auch auf die Materialproportionen und performativen Dimensionen des Kunstwerks fokussiert.

Kishio Suga, Fieldology, 1974- 2015 - courtesy of the artist and Blum & Poe - photo Genevieve Hanson

Pirelli HangarBicocca präsentiert Situations, Sugas erste europäische Retrospektive mit über zwanzig Installationen, datiert von 1969 bis zur Gegenwart. Eine die industrielle Architektur von Pirelli HangarBiocca adaptierende Serie von Arbeiten. Entsprechend seiner Arbeit werden die Werke als temporäre Projekte präsentiert, site specific in sowohl räumlichem, als auch zeitlichem Sinn.

”Ich bringe eine Auswahl von Dingen in die Galerie, arrangiere sie und gebe ihnen Struktur, sodass sie den gesamten Raum einnehmen können. Die Installationen sind niemals dauerhaft angelegt und können schnell auseinander gebaut oder zerstört werden. Man könnte sagen, dass ich temporäre Welten kreiere.
(Kishio Suga, The Conditions Surrounding an Act)

Die Ausstellung hebt die Gemeinsamkeiten und experimentelle Natur im Oeuvre des Künstlers hervor – eine Landschaft von organischen und industriellen Elementen wie Eisen, Zink, Holz, Stein und Paraffin – Materialien, die der Künstler häufig vor Ort findet.

Kishio Suga, Parallel Strata (Heiretsusō), 1969-2012 - courtesy of the artist and Blum & Poe - photo Joshua White

Situations reflektiert die historische Bedeutung von Sugas paradigmatischem Schaffen,  das sich in einer Periode intensiven internationalen Experimentierens in den 1960ern und 1970ern entwickelte und geprägt war von den Bewegungen des Postminimalismus, der LandArt in den USA und der Arte Povera in Italien. Gleichzeitig wird hierbei die einzigartige zeitgenössische Denkweise der Künstler wiedergegeben.

Die Ausstellung beginnt mit der hängenden Installation Critical Sections, die seit 1984 zum ersten Mal wieder aufgebaut wurde. Schwarze und weiße Stoffbahnen hängen von der über 20 Meter hohen Decke, sind vom Künstler mit vor Ort gefundenen Ästen durchwebt und mit Zinkplatten verbunden, die darunter auf dem Boden liegen. Durch den Prozess von Spannung und Entspannung, kreiert der Künstler das, was er als "Situation" bezeichnet – die existentielle Verbindung zwischen den Materialien der Arbeit und dem hervorgehobenen Raum. Entlang der Gänge sind Installationen wie Continuous Existence—HB, 1977/2016, und Infinite Situation III(Door), 1970/2016, präsentiert, in denen Suga das Verhältnis zwischen Boden und Wand sowie Innen und Außen thematisiert, indem er Materialien wie Zweige, Seil und  Holzbalken verwendet.

Kishio Suga, Left Behind Situation (Shachi Jōkyō), 1972-2012 - courtesy of the artist and Blum & Poe - photo Joshua White

Eine zentrale Rolle im Schaffen des Künstlers kommt dem Konzept der "Wechselbeziehung" zu. Verschiedenen Materialien werden hierbei benutzt um eine einzelne Einheit zu kreieren. Dies erlaubt dem Besucher, den Raum in seiner Ganzheit zu beobachten, wobei die immateriellen Räume durch die Gegenwart der Kunstwerke wahrgenommen werden können, oder auch die  "unsichtbaren" wie Raumecken. Andere Arbeiten erforschen die physischen Charakteristika der Materialien, wie Parallel Strata, 1969/2016, das komplett aus geschichteten Parrafinblöcken hergestellt ist, oder Soft Concrete, 1970/2016, das aus Zemet, Kies und Blech zusammengesetzt ist.

Der Cubo-Space ist für das Publikum durch Left-Behind Situation, 1972/2016 unzugänglich. Diese Arbeit, die in ihrer bisher größten Version aufgebaut ist, ist aus einem einzelnen Stück Industriedraht konstruiert, das sich über zwei Stockwerke des Raums erstreckt, verschiedene Punkte an vier Wänden verbindet und horizontal diagonale Überschneidungspunkte bildet, auf denen Stein- und Holzblöcke in prekärer Balance angeordnet sind.

Draußen können Besucher Unfolding Field, 1972/2016, betrachten – eine Installation aus Bambusstäben, die aus Zement und leichtgewichtigen Kabeln besteht: Eine Arbeit, die die Bedeutung von Freiluft und Naturelementen in Sugas Werk unterstreicht.

Kishio Suga  - Situations
Bis 29.01.2017
Kuratoren: Yuko Hasegawa und Vicente Todolí

Pirelli HangarBicocca
Mailand, Italien

www.hangarbicocca.org 


Übersetzung: Irene Anton

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