Musik zähmt die Bestie

Mediadaten 2017

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Constantin Luser im Kunsthaus Graz

Constantin Luser, Trommeliglu (Islam erreicht Nordpol), 2007 - courtesy Skulpturenverleih - photo Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
Constantin Luser im Kunsthaus Graz

Musik kann eine Möglichkeit sein, sich zu beteiligen, gemeinsam an Harmonie zu arbeiten oder auch gegen die eigene, innere Bestie vorzugehen Das ist es, was Constantin Luser (Österreich, 1976) mit dieser Ausstellung zeigen möchte. Luser hat er ein feingliedriges, dreidimensionales Denk- und Ideensystem zusammengestellt, das zum Mitmachen und Ausprobieren einlädt.

Seit gut zehn Jahren zeichnet Constantin Luser konsequent in Tagebücher, die ihm als visuelle Speicher dienen. Er verbindet darin das Alltägliche mit Fiktivem, formt Ideen für Projekte, notiert darin konkrete Entwürfe, macht Skizzen, Abbilder, Protokolle, Dokumentationen, Visionen und kumuliert Gedanken. Lusers Zeichnungen sind sehr komplexe Strukturen, imaginäre Landschaften, Worte, Fragmente, Chiffren, Symbole, abstrakte und figurative Elemente, die manchmal sehr konkret, ein anderes Mal abstrakt ausfallen können.

Constantin Luser, H3 - Das Inselkollektiv, Versenkungen, 2015 - photo Sophie Thun

Manchmal überträgt Luser seine Liniengeflechte in Plastiken, lässt sie als Mobiles sanft im Raum schweben, bewirkt durch Schattenwürfe immer neue Eindrücke. Freischwebend hängen diese Drahtzeichnungen von der Decke. Sie reagieren sensibel auf Luftzüge und Bewegungen im Raum, erscheinen fragil wie die Linie am Boden.

Aus manchen Perspektiven sind sie beinahe unsichtbar, tauchen plötzlich vor den Betrachtenden auf und überwältigen durch ihre überraschende Präsenz. Gut erkennt man, dass der Prozess des Drahtbiegens bei Constantin Luser dem des Zeichnens verwandt ist, sich die Linie dabei in den Raum fortzusetzen scheint.

Constantin Luser, Bandoneon Intensivstation, 2012 - courtesy Skulpturenverleih - photo Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Luser baut auch Klangskulpturen. Das Rotationsquintett (2005) ist die erste große Klangskulptur, die Constantin Luser gemeinsam mit Lukas Galehr und Matthias Makowsky realisiert hat. Auf einem gebrauchten Karussell-Unterbau sind verschiedene Blasinstrumente so montiert, dass man während der Fahrt im Kreis auch darauf spielen kann. Die Drehbewegungen verändern nicht nur die Befindlichkeit beim Musizieren, sondern auch den Klang im Raum. Luser interessiert sich bereits hier – wie später beim Vibrosaurus, einem zehn Meter langen Saurier aus Blechblasinstrumenten – für das Biegen und Verändern der Instrumente.

Zusammen mit dem Instrumentenbauer Alois Mayer loten sie die neuen Formen aus und gehen dabei an die Grenzen des Machbaren. Für jedes Schallstück muss der Schnittverlauf berechnet werden, damit ein gewünschter Ton im Gesamtspiel sichergestellt werden kann.

Constantin Luser, Akkumulator (Inside), 2016 - photo Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

The Akkumulator (2016), ist ein komplexes Musikinstrument aus Messing, das gleichzeitig Töne in den Raum schickt und in seinem Inneren ertönen lässt. The Akkumulator ist die Zelle, der zentrale Ausgangspunkt für eine scheinbar endlose Zeichnung über den Boden. Hier verknüpfen sich Ideen und Gedanken zur grafischen Erzählung, verbinden die biografische Züge, Gedankenlandschaften oder Seelenzustände, Schaltpläne oder Raumgefüge miteinander.

Die Instrumente werden in ihrer neuen Form zu einer lebendigen Skulptur, zum spielbaren Objekt und gleichzeitig zum raumgreifenden Instrument. Die persönliche Gedankenwelt Lusers verfestigt sich in Materie, die durch ihre Klangfähigkeit zentraler Interaktionspunkt für das Ausstellungspublikum sein wird und damit visuell, auditiv und haptisch erlebbar ist.

Music Tames the Beast
Constantin Luser
Bis 01.05.2016

Kunsthaus Graz
- Universalmuseum Joanneum
Graz, Österreich

www.constantinluser.net

www.kunsthausgraz.at

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