Not Vital at Yorkshire Sculpture Park

Mediadaten 2017

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Gedeckte Farben, einfache Eleganz und sorgfältige Handwerkskunst

Not Vital, Heads, 2014 - courtesy the artist - photo Eric Gregory Powell
Gedeckte Farben, einfache Eleganz und sorgfältige Handwerkskunst

Not Vital, geboren 1948 in Sent, in der Schweiz, wuchs inmitten der Berge und Wälder im Unterengadin an der Grenze zu Österreich und Italien auf. Das Werk des Künstlers ist untrennbar mit seiner Heimatstadt in den Schweizer Alpen verbunden. Seine künstlerische Praxis nährt sich jedoch aus seinen zahlreichen Reisen rund um die Welt und einem anhaltenden Staunen und Forscherdrang. Seine Vielsprachigkeit (schon in jungen Jahren beherrschte er vier Sprachen) und seine nomadenhafte Lebensweise spielen bei der Erforschung der Welt und ihrer Völker eine entscheidende Rolle. Denn dies versetzt ihn in die Lage, mit Handwerkern auf der ganzen Welt zu arbeiten, von Ziseleuren in Peking, zu Glasbläsern in Murano, Silberschmieden der Tuareg in Agadez und Keramikern in Jingdezhen. 

Not Vital, Heads, 2015 - courtesy the artist and YSP - photo ©Jonty Wilde

Neue Arbeiten, die Vital speziell für den Yorkshire Sculpture Park entwickelt hat, werden Seite an Seite mit einer Auswahl an Arbeiten aus den letzten dreißig Jahren seines Schaffens in seiner bisher bedeutendsten Ausstellung in Großbritannien gezeigt. Die Landschaft des Engadin mit ihren Bergen, Schnee, Eindrücken und verschiedenen Oberflächenstrukturen kommt in Stücken wie Piz Nair (2011), ein Bild der Berge in Kohle, Marble Sled (Marmorschlitten, 2004) und einem Schneeball aus Glas (2001) zum Ausdruck. Andere bedeutende und wiederkehrende Themen reichen von Tieren und Natur hin zum Surrealen in Arbeiten wie 4 Camels for Yorkshire (4 Kamele für Yorkshire, 2016) und 8 Halves (8 Hälften, 2006). Bei letzterer Arbeit handelt es sich um acht weiße, verschmolzen wirkende Gussformen von den langen Hinterbeinen eines Tieres.

Selbtportraits offenbaren sich in Skulpturen wie das Self Portrait with Six Ears (Selbstportrait mit Sechs Ohren, 2016) aus Bronze und das Self Portrait as Village Idiot (Selbstportrait als Dorftrottel, 2012) aus Gips. Vital verwendet diese Genre zum Verstellen und zum Ausprobieren verschiedener Identitäten und begibt sich dabei auf die Suche nach dem realen und dem eingebildeten Selbst. 

Not Vital, House against heat and sandstorms, Aladab, Niger, 2006 - courtesy the artist - photo Not Vital

Das in Bronze gegossene 80 Cow Dungs (80 Kuhfladen, 1990) erhebt den allgegenwärtigen, natürlichen Abfall in der Landschaft in den Status eines wertvollen Objektes und betont dabei die Beziehung der Tiere zu dem Land, die sowohl für den YSP und Vital selbst von entscheidender Bedeutung ist. Vital fing mit einer Edition von 1.000 Kuhfladen an, als er Ende der 1980er Jahre nach Nepal fuhr, wo er sah, dass Kuhmist als Brennstoff genutzt wurde. Er musste mit ansehen, dass Kinder durch die Feuer verletzt wurden und stellte fest, dass es in dem Krankenhaus vor Ort kein Brandverletztenzentrum gab.

Einnahmen, die er durch den Verkauf der Kuhfladen erzielte, wurden für die Einrichtung einer Fachabteilung verwendet, die bis heute in Betrieb ist und die Gewinne aus der Edition, die nun fast vollständig ist, tragen weiterhin zur Unterstützung des Krankenhauses bei.

Von zentraler Bedeutung für Vitals umfassende Praxis ist die Erforschung räumlicher, wirtschaftlicher und kultureller Zusammenhänge seiner Wohnstätten und Arbeitsplätze. Makaranta (Schule), 2003, eine Pyramide aus Lehmziegeln in Aladab, Niger, ist eine ‚menschliche Skulptur‘, eine Struktur, in der Schüler und Studenten Schutz suchen und lernen, auf der sie sitzen, singen und beten können und dadurch das Kunstwerk in eine Schule unter freiem Himmel oder umgedreht verwandeln.

Vitals House to Watch the Sunset (Haus, um den Sonnenuntergang zu beobachten, 2005) ist genau das, es fördert die außerordentlichen Eigenschaften und einheimischen Rohstoffe der Orte zutage und versorgt die Leute vor Ort gleichzeitig mit Arbeit. Der Künstler baut das gleiche Haus auf jedem Kontinent und verwendet dabei regional unterschiedliche Materialien. Zwei davon sind bereits fertiggestellt, eines in Agadez, Niger und ein weiteres im Regenwald des brasilianischen Amazonasgebietes; andere sind in Indonesien, in der Mongolei und in Thailand in verschiedenen Phasen des Baufortschritts zu finden. In der Ausstellung ist ein großes Model der Arbeit unter freiem Himmel zu sehen.

Not Vital, Moon, 2015 - courtesy the artist and YSP - photo ©Jonty Wilde

Vitals bis heute größte Arbeit ist eine Insel in Patagonien, die er 2008 gekauft und NotOna (2009) genannt hat. Hier hat er einen fünfzig Meter langen gewölbten Raum ausgehoben, dessen Boden poliert, um so ein ‚Haus‘ aus einem Stück aus dem Marmor der Insel zu erschaffen.

Nachdem er Zeit mit der Erforschung der Landschaft des YSP verbracht hat, schuf Vital eine ortsspezifische Arbeit. Eine Brücke aus Aluminium bleibt als Langzeitvermächtnis der Ausstellung bestehen. In den Weiten des historischen Bretton Anwesens wird die Brücke die Besucher tief hinein in den Bereich des Sees ziehen, ganz in der Tradition der Zierbauten des 18. Jahrhunderts, mit denen wichtige Aussichtspunkte gekennzeichnet wurden.

Not Vital
Bis 2.01.2017
Yorkshire Sculpture Park
GB

www.ysp.co.uk

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