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Kunstsammlung Vanhaerents

Teresita Fernández, Wisteria (Yellow), 2000 and Double Midnight, 2002
Kunstsammlung Vanhaerents

Von Anne Berk

‘Als Bauunternehmer habe ich ein starkes Interesse an Architektur und dies wurde zum Ausgangspunkt für meine Sammlung. Ich interessierte mich für Künstler, die überlebensgroße Stücke erschaffen. Das Leben ist dreidimensional,’ sagte Walter Vanhaerents kürzlich in einem Interview.

Beim Besuch seiner Sammlung kommt man nicht umhin, die Monumentalität der Skulpturen zu bewundern und wie sorgfältig sie in dem Ausstellungsraum aufgestellt wurden. ‘Für mich geht es beim Kuratieren hauptsächlich darum, wie der vorhandene Raum genutzt wird.’ Diese Skulpturen beschäftigen sich mit einer großen Bandbreite an Themen und Materialien, angefangen mit Polyurethan über Stahl, Kokosnüssen und Glasperlen hin zu Goldblatt oder Neon.

Walter Vanhaerents and Cry me a river, 1997, by Ugo Rondinone - photo Yann Bertrand

Seiner Intuition folgend und angetrieben von der Suche nach dem Neuen hat Walter Vanhaerents Mitte der 1970er Jahre mit dem Sammeln angefangen. Heute umfasst seine Sammlungen Arbeiten von Künstlern unterschiedlicher Generationen und dies ermöglicht es ihm, einen Dialog zwischen jungen aufstrebenden Künstlern mit etablierten Künstlern zu kreieren.

Vanhaerents machte seine Sammlung 2007 der Öffentlichkeit in einem 3.500 Quadratmeter großen Industriegebäude aus dem Jahr 1926 zugänglich. Dieses wurde von den Architekturbüro Robbrecht & Daem in eine Ausstellungsfläche umgewandelt.

Die Kunstsammlung Vanhaerents präsentiert aller drei Jahre eine Themenausstellung und aller zwei Jahre eine Einzelausstellung. Zurzeit ist Tomás Saracenos Many Suns and Worlds zu besichtigen. Saracenos schwebende, von filigranen Spinnennetzen inspirierte Konstruktionen deuten einen utopischen Traum von einer Welt ohne Grenzen an.

Michelangelo Pistoletto, Divisione e moltiplicazione dello specchio, 1976; David Altjmed, Figure with Black Arms and Strawberry, 2013; James LeeByars, The Death of James Lee Byars, 1994

Walter Vanhaerents kuratierte in Zusammenarbeit mit Emma Dexter die Gruppenausstellung Man in the Mirror, in der Arbeiten aus spiegelnden Materialien zu sehen sind, die sowohl zum Nachdenken anregen als auch unsere Gedanken infrage stellen sollen. Eine aus drei Spiegelsegmenten bestehende Arbeit von Michelangelo Pistoletto aus dem Jahr 1976 hat einen zentralen Platz in der Ausstellung inne. ‘Kunst ist ein Spiegel und ich bin der Spiegelmacher,’ sagt der Arte Povera Künstler herausfordernd. Die Grundform seines Kunstwerkes - ein Triptychon - stellt Bezüge zu Religion her, aber es gibt hier keine Anzeichen von Erlösung. Was man im Spiegel sieht, ist man selbst, die einen umgebenden Welt und eine riesige ikonenhafte Figur des kanadischen Künstlers David Altjmed, die neben einem steht. Altmejds Skulptur Figure with Black Arms and Strawberry (2013) erinnert uns an unsere Wurzeln und ist eine humorvolle und erotische Vermischung aus Körperteilen, Fell, Früchten und Kristallen.

Danh Vo, We the People, 2011-2013

Ein vergoldeter, lichtdurchfluteter Würfel erzeugt eine feierliche Athmospäre in dem Industriegebäude. Flankiert von zwei Videos von Bill Viola, in den zwei in Wasser eingetauchte Figuren zu sehen sind, erschaffen eine kathedralenartige Umgebung. The Death of James Lee Byars ist drei Jahre vor dem Tod des Künstlers entstanden, zu einer Zeit, in der er bereits schwer erkrankt war. Während einer Performance 1994, lag Byars auf einer vergoldeten Totenbahre in dem Würfel und hinterließ fünf Kristalle. Sie erinnern uns an ihn, als ob er sich in Licht aufgelöst hat.

Einige der Arbeiten nehmen eine politischere Haltung ein, wie We the People (2011-2013) des vietnamesisch-dänischen Künstlers Danh Vo. Was auf den ersten Blick wie eine abstrakte und lustvoll wirbelnde Form aus Kupfer aussieht, ist in Wahrheit ein Fragment einer lebensgroßen Kopie der amerikanischen Freiheitsstatue. „We the People“ ist der erste Satz der Verfassung der Vereinigten Staaten. Meint Danh Vo damit, dass die Ideale von Freiheit und Demokratie in die Brüche gegangen sind?

Iván Navarro, Untitled (Twin Towers), 2011

Untitled (Twin Towers) (2011) des chilenischen Künstlers Iván Navarro ist genauso zweideutig. Mittels Spiegeln und Neonlicht, deutet Navarro eine Illusion unfassbarer Tiefe an. Die Negativformen stellen ebenfalls Bezüge zu den zerstörten Zwillingstürmen des World Trade Center her, damals das Herz des Kapitalismus.

Andere Arbeiten sind poetischer, wie Double Midnight (2002) der amerikanischen Künstlerin Teresita Fernández, eine Arbeit aus Tausenden Glasperlen, die das sich verändernde Licht oder wogendes Wasser andeuten. Man in the Mirror ist eine anstrengende Ausstellung, die uns zum Nachdenken anregt und in der nichts so ist, wie es scheint.

Im Rahmen des Besuchsprogramms des Internationalen Forums von sculpture network ist die Besichtigung von privaten Sammlungen in Brüssel geplant. Eine diese Sammlungen wird die von Walter Vanhaerents sein.

Anne Berk
Kuratorin des sculpture network XIV. Internationalen Forum
2016


Vanhaerents Art Collection

Man in the Mirror
Bis 28.10.2017

Projectraum:
Tomás Saraceno, Many Suns und World
Bis 28.10.2017

Medienraum:
Adel Abidin, Michael
Bis 15.04.2017

Brüssel, Belgien

www.vanhaerentsartcollection.com

 

 

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