Simon Starling

Mediadaten 2017

Download PDF

Newsletter abonnieren

sculpture network veröffentlicht monatlich einen Newsletter auf deutsch und englisch.
Er informiert zu laufenden Veranstaltungen und Ausstellungen zur zeitgenössischen Skulptur in Europa und zu den Veranstaltungsreihen von sculpture network.

Newsletter abonnieren

Sollten Sie eine Auflage verpasst haben können Sie hier nachlesen.

Verloren gegangene Geschichte der Herstellung

Simon Starling, Installation view, Nottingham Contemporary, 2016 - photo Andy Keate
Verloren gegangene  Geschichte der Herstellung

Simon Starling, ein zeitgenössischer Alchimist verwandelt unablässig Materie. Seine unnachgiebige Suche nach der Quelle führt ihn manchmal bis hin zu den Partikeln. „Es geht darum, nichts als selbstverständlich anzusehen“ sagt er in Bezug auf seine Arbeit.

Starling (GB, 1967) interessiert sich für körperliche, poetische und metaphorische Reisen. Dazu zählen Reisen der Gegenstände und Materialien –geografisch und ökonomisch und durch die Zeit- und deren Verwandlung. Seine gefeierte Arbeit aus dem Jahr 1997 Blue Boat Black, ursprünglich ein Museumsstück, wurde von Starling wieder zu einem Fischerboot gemacht und danach wurde es zu Holzkohle, mit der der gefangene Fisch zubereitet wurde. Wenn heute verkohlte Überreste des Bootes ausgestellt werden, ist der Verwandlungszyklus zu einem vollständigen Kreislauf geworden.

Simon Starling, Installation view, Nottingham Contemporary, 2016 - photo Andy Keate

Das Nottingham Contemporary zeigt die bislang größte Ausstellung im Vereinigten Königreich mit Arbeiten von Simon Starling - dem Gewinner des Turner Prize, der an der Nottingham Trent University studiert hat. Zu der Ausstellung zählen ein Auftragswerk und sowie einige der wichtigsten Projekte Starlings, die meisten sind noch nie in Großbritannien ausgestellt worden. Die Ausstellung ist Teil von Folge zwei von The Grand Tour.

Bei dem neuen Auftragswerk für das Nottingham Contemporary, Project for a Crossing, 2015/16, handelt es sich um ein aus Magnesium gegossenes Kanu. Das Magnesium wurde aus den umkämpften Gewässern des Toten Meeres gewonnen. Es ruht auf Wassertanks, das dem geheimnisvollen, industrialisierten und militarisierten sowie schnell schwindendem Meer entnommen wurde. Frank Kirk, ein britischer Ingenieur, wurde zur ersten Anregung für das Projekt. Kirk hat in den 1980er Jahren die ersten leichten Fahrradrahmen aus Magnesium gebaut, das aus Meerwasser gewonnen wurde. Nach dieser Ausstellung möchte Starling sein Magnesiumboot für die Überquerung des Toten Meeres benutzen - eine schwierige Reise, die vielleicht nur teilweise möglich sein wird.

Simon Starling, Installation view, Nottingham Contemporary, 2016 - photo Andy Keate

Industrie ist ein Thema, das sich durch alle seine Installationen, Filme, Fotografien und Skulpturen hindurchzieht. Zu seinen Untersuchungsgebieten zählen die verlorenen gegangenen Geschichten der Herstellung, Arbeiten, die Bezüge zu physischen Prozessen, die digitale Systeme vorausahnen. Starling sagt, dass so wie wir uns von den Produktionsmitteln entfernt haben, er sich ihnen näher gefühlt hat.

Während der Besichtigung einer Textilfabrik in der Nähe von Turin fand Starling zufällig ein Blatt handgeschriebener Noten auf einem kleinen Flügel - eine vom Klang der fabrikeigenen Webstühle inspirierte Partitur. Die Prozesse, die zur Computerisierung geführt haben, werden in in Red, Green, Blue, Loom Music, 2015/16 angedeutet. Mittels Soundvisualisierungstechniken wurde die Partitur in Farbbereiche übersetzt und Lockarten für Jacquardwebstühle „programmiert“, einem Vorläufer von Computersystemen. Eine gewebte Wiedergabe der Musik wurde dann auf den Textilmaschinen der Fabrik hergestellt. Ein Pianalo, von einem ähnlichen Prozess wie eine Lochkarte gesteuert, begleitet eine Projektion, die rote, grüne und blaue Lichtstrahlen zusammen „webt“. Die Arbeit beschwört die Geschichte des Spitzenmarktes herauf, der das Nottingham Contemporary umgibt, wo technische Innovationen die Produktion von maschinengefertigter Spitze antrieben.

Simon Starling, Installation view, Nottingham Contemporary, 2016 - photo Andy Keate

Ein weiteres Thema, mit dem sich Starling aktuell beschäftigt, stellen die physischen Eigenschaften von Fotografie dar, die hier als Skulptur durch epische Größenverzerrungen wieder entstehen. Bei den The Nanjing Particles, 2008 handelt es sich um Skulpturen aus zwei Silberpartikeln, vergrößert auf das Einmillionenfache, die von zwei Fotografien mit einer Gruppe von chinesischen Wanderarbeitern aus dem Jahr 1875 stammen. La Source (demi-teinte), 2009, ist eine weitere großformatige Arbeit, die eine Fotografie von einer ehemaligen Wasserabfüllfabrik in seine einzelnen „Punkte“ zerlegt. Neu erschaffen als Glaskugeln, setzen sich die Punkte wieder zu einem Teil der Fotografie zusammen, wenn diese von einer Plattform aus betrachtet wird.

Simon Starling
Bis 26.06.2016

Nottingham Contemporary

Nottingham, GB

www.nottinghamcontemporary.org

Nur für Mitglieder

Dieser Bereich ist nur für eingeloggte Mitglieder zugänglich.

Noch kein Mitglied? Hier erfahren Sie mehr.