Adrián Villar Rojas

Mediadaten 2017

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Überlegungen zu Verlust und zum Gefühl der Vergänglichkeit

Adrián Villar Rojas, My dead family, 2009 -Installation view - photo Carla Barbero - courtesy of the artist & Ruth Benzacar
Überlegungen zu Verlust und zum Gefühl der Vergänglichkeit

Adrián Villar Rojas (*1980 in Argentinien) verändert herkömmliche Vorstellungen von Größenordnungen und wirft Fragen bezüglich des Umweltschutzes sowie der Urgeschichte auf. Dies geschieht durch gigantische Betonskulpturen und riesige Arbeiten, die speziell für einen öffentlichen Platz angefertigt sind und dort zeitlich begrenzt zu sehen sind. Im Jahr 2009 nahm er an der Biennial of the End of the World teil, die in Ushuaia in Patagonien (Argentinien) stattfand. Dort präsentierte er seine vergängliche Skulptur My Dead Family. Große Knochen, die Teil eines Werks waren, das über 70 Skulpturen umfasst und das für die dOCUMENTA (13) erstellt worden war, lagen in einem Park in Kassel. Gleichzeitig standen einzelne Urtiere, die mit Seetang und Muscheln bedeckt waren, im Marmarameer bei der 14. Biennale in Istanbul im Jahr 2015.

Adrián Villar Rojas präsentiert im Moment The Theatre of Disappearance im KUB. Es ist eine der beeindruckendsten und ausgefeiltesten Ausstellungen in der Geschichte des Hauses, passend zum 20. Jubiläum, das dieses Jahr im Sommer begangen wird. Teams, die von drei verschiedenen Kontinenten stammen, haben an diesem Projekt gearbeitet, das gezielt für das Kunsthaus Bregenz entworfen wurde.

Adrián Villar Rojas, The Theater of Disappearance, 2017 - Exhibition view - photo Jörg Baumann - Courtesy of the artist, Marian Goodman & kurimanzutto - ©Adrián Villar Rojas, Kunsthaus Bregenz

Ein hängender Käfig und eine verbrennende Landschaft erschaffen eine düstere Stimmung. Eine Erzählung, die von der Geburt der Menschheit bis zu deren Apotheose reicht, wird in einem geweihten, weißen Schrein dargestellt. Picasso, Piero, Michelangelo, Lascaux – die gesamte Geschichte der Kunst ist als dunkler, apokalyptischer Traum gegenwärtig. Man kann das Kunsthaus fast nicht wiedererkennen: eine riesige Höhle, ein Kerker, ein Symbol geistiger Umnachtung.

Der Künstler hat eine Wanderung durch die Kultur der Menschheit entworfen, beginnend mit den Ursprüngen des Menschen bis hin zu dessen Apotheose. Dafür verwandelt sich das Kunsthaus Bregenz in einen Betonbunker, in dem die Kunstwerke schlussendlich gerettet werden.

Adrián Villar Rojas, The Theater of Disappearance, 2017 - Exhibition view - photo Jörg Baumann - Courtesy of the artist, Marian Goodman & kurimanzutto ©Adrián Villar Rojas, Kunsthaus Bregenz

Um es mit den Worten des KUB Leiters Thomas D. Trummer zu sagen: „Das Erdgeschoss liefert für Villar Rojas‘ Ausstellung eine gänzlich leere Bühne. Sogar der Eintrittskartenverkaufstresen ist entfernt worden. Farblicht strömt durch die Fenster. Ein Nachdruck des Gemäldes Madonna del Parto (1450-1475) von Piero della Francesca breitet sich auf dem Boden aus und zeigt eine schwangere Madonna.

Der erste Stock ist verdunkelt, Vegetation hängt an der Decke, der Boden ist mit braunem Marmor ausgelegt, dessen Fossilien überdeutlich zur Geltung kommen. Ist dies ein antiker Ort der Anbetung, an den Ursprüngen der Menschheit oder die Gruft ihrer tragischen Existenz? Der zweite Stock ist ähnlich verdunkelt, in seiner Mitte findet sich eine Kopie von Picassos Guernica (1937). Villar Roja hat einen Heizstab ergänzt, der am unteren Bildrand flackert. Das Bild eines bärtigen Jägers ist neben einem der beiden Dinosaurier dargestellt. Von der Decke hängt ein Korb aus Eisen. Menschen kommen in dieser Welt vor und mit ihnen Gemetzel und Gewalt.

Adrián Villar Rojas, The Theater of Disappearance, 2017 - Exhibition view - photo Jörg Baumann - Courtesy of the artist, Marian Goodman & kurimanzutto ©Adrián Villar Rojas, Kunsthaus Bregenz

Die Stimmung ändert sich im letzten Stockwerk, das überwiegend weiß gehalten ist. Die Beine von Michelangelos David (1501-1504) thronen auf einer Rampe. Die Menschheit ist im Olymp angekommen, die Erde haben sie zurückgelassen. Eine künstliche Spinne ist der letzte Zeuge der verschwundenen Menschheit, ein postapokalyptisches Szenario.“

Adrián Villar Rojas
The Theater of Disappearance
Bis 27.08.2017

KUB -
Kunsthaus Bregenz
Bregenz, Österreich

www.kunsthaus-bregenz.at

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