Daiga Grantina

Mediadaten 2017

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Organische Spannung und permanente Transformation

Daiga Grantina, Pillars Sliding off Coat-ee - Kunstverein in Hamburg, 2017 - Courtesy the artist & Galerie Joseph Tang - photo Fred Dott
Organische Spannung und permanente Transformation

Daiga Grantina (Lettland, 1985) schafft wild wuchernde Skulpturen aus perforierten und veränderlichen Oberflächen, die trotz ihrer scheinbaren Monumentalität eine fragile Leichtigkeit vermitteln. Vermeintliche Gegensätze wie flüssig und fest oder weich und hart werden aufgehoben. Ein semi-transparentes Klettern und Kriechen durch den Raum in konstanter Metamorphose.

Grantinas Arbeiten bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen der Auflösung und Evolution der Formen, die somit wie eine Übertragung informeller Malerei auf den Raum erscheinen. In ihrer künstlerischen Praxis bezieht sie sich auf die lange Tradition der Malerei und Skulptur, indem z. B. eine frühe Serie mit dem Gemälde The Mountain von Balthus eingebunden wird, deren Charaktere sie in eine Dreidimensionalität transferiert und in amorphe Formen zerlegt.

Daiga Grantina, Pillars Sliding off Coat-ee - Kunstverein in Hamburg, 2017 - Courtesy the artist & Galerie Joseph Tang - photo Fred Dott

Die wild wuchernden Skulpturen funktionieren wie aus industriellen Materialien und Nippes erschaffenen Organismen. PVC, Lüftungsrohre, irisierende Drähte sowie Kabelbinder deuten allegorisch Funktionen von Organen oder Eingeweiden an, die sich auf die technischen Erweiterungen des Körpers heutzutage beziehen.

Eine neue Serie - die sogenannten Buffs - sind wie Kokons gebündelt, zwischen Boden und Decke installiert. Sie erscheinen wie Hautskelette oder schalentierartige Körper aus aufgeblasenem, mit einer Schicht aus Flüssigkunststoff gehärtetem Elastan.

Die Ausstellung wird durch neue Arbeiten ergänzt, mit denen die Künstlerin sich auf die chaostheroretischen Betrachtungen Otto Röslers bezieht, der dynamische Prozesse mit dem sogenannten “taffy puller”, einer Maschine zur Herstellung von Bonbons, vergleicht. Durch entgegengesetzt rotierende Momente wird die Masse gezogen und zusammengedrückt; jeder Moment ist einzigartig und kann nicht wiederholt werden. Für Grantina ist der "taffy puller" nicht nur eine Analogie zu chaotischen Momenten, sondern auch zu ihrer eigenen künstlerischen Praxis. Anstelle von skulpturaler Ewigkeit vermitteln die Stücke einen Eindruck permanenter Veränderung.

Daiga Grantina, Buff in Bloom, Glow and Thumos, 2016
 - Galerie Joseph Tang - photo Aurélien Mole

Im Kunstverein installiert die Künstlerin ein dreidimensionales Tableau, indem sie Farben verlagert sowie Pfeiler und Wände des Ausstellungsraums entblößt - wie es der Titel der Ausstellung andeutet, Pillars Sliding off Coat-ee.  Sie dringt wie ein sie vertilgender Parasit in die industrielle Infrastruktur ein. Ein poetischer Audioguide von Mary Rinebold Copeland untermauert die eindringliche Wirkung und transformiert den Raum in ein gänzlich kinematographisches Erlebnis.

Grantinas Ausstellung läutet den Anfang zur Serie Best & Boldest des Kunstvereins ein, die eine Vielfalt junger Künstler, die mit unterschiedlichen Medien und Überzeugungen arbeiten, aber trotzdem eines gemeinsam haben: Das facettenreiche Engagement bezüglich des Hinterfragens unserer Realität.

Daiga Grantina, Pillars Sliding off Coat-ee - Kunstverein in Hamburg, 2017 - Courtesy the artist & Galerie Joseph Tang - photo Fred Dott

BEST & BOLDEST #1: DAIGA GRANTINA
Pillars Sliding off Coat-ee
Kurator: Rhea Dall
Bis 2.4.2017

Kunstverein in Hamburg
Deutschland

www.kunstverein.de

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