Die innere Haut – Kunst und Scham

Mediadaten 2017

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Grenzen der Scham einreißen

Berlinde de Bruyckere and Louise Bourgeois, Exhibition view - photo Hans Schroeder
Grenzen der Scham einreißen

Scham ist eine im Körper verankerte Emotion, die durch bestimmte Reize ausgelöst wird. Sie kann körperliche Reaktionen wie die Errötung der Haut, Zittern oder Herzklopfen hervorrufen. Wann und warum man sich schämt, ist individuell verschieden und hängt stark vom sozialen Umfeld ab. Das Alter und Geschlecht, die Erziehung, Normvorstellungen, der kulturelle Hintergrund sowie individuelle Erfahrungen sind Faktoren, die dieses Gefühl beeinflussen.

Mit „Die innere Haut – Kunst und Scham“ im Marta Herford beleuchten über 50 internationale Künstler ihre Schamgrenzen und die der Besucher. Sie untersuchen dieses Gefühl mit Blick auf soziale und individuelle Knventionen. Die Rolle des Künstlers schwankt vom einfühlsamen Beobachter über den radikalen Provokateur, bis hin zum Erforscher der Grenzen der Selbstironie.

Clemens Krauss, Self portrait as a child, 2017 - photo Hans Schroeder

Die Ausstellung ist in vier Themengebiete aufgeteilt: Paradies und Pubertät, Verhüllen und Offenbaren, Norm und Ausgrenzung sowie Witz und Provokation.

Paradies und Pubertät
Mit Albrecht Dürers „Adam und Eva“ verweist die Ausstellung auf die lange Darstellungstradition von Scham in der Kunst. Die Vertreibung aus dem Garten Eden markiert das Ende des paradiesischen Naturzustandes. Ein ähnlicher Umbruch ist die Pubertät: Hier setzt man sich noch mal intensiv mit seiner Identität auseinander und das Schamhafte gerät ins tiefere Bewusstsein. Beinah exhibitionistische Züge trägt das „Selbstporträt als Kind“ von Clemens Krauss. Der Künstler spielt auf seine eigene Häutung an, indem er seine jugendliche Haut mit Silikon und Echthaar hyperrealistisch nachbildete.

Berlinde De Bruyckere, V. Eeman, 1999 - Belfius Art Collection - photo Mirjam Devriendt ©Berlinde De Bruyckere

Verhüllen und Offenbaren
Das Gefühl von Scham entsteht auch dann, wenn in die Intim- und Privatsphäre eingriffen wird. Jamie Isensteins Blick in ein Schlüsselloch spielt mit der Neugier des Menschen, die Geheimnisse des Anderen zu lüften.

Norm und Ausgrenzung
Gesellschaftliche Akzeptanz definiert sich über die Einhaltung bestimmter Normen. Abweichung im Sexualleben, im äußeren Erscheinungsbild durch Alter, Krankheit, Herkunft oder Armut sind oftmals schambesetzt. Berlinde de Bruyckere „versteckt“ ihre Skulptur unter mehreren Decken vor den Augen des Betrachters. Die Szene wirkt humorvoll und beklemmend zugleich.

Witz und Provokation

Vor allem in den 1960er Jahren setzen sich KünstlerInnen mit den gesellschaftlichen Normen sowie mit der Konstruktion von Geschlecht und Sexualität auseinander. Mit der Übertretung von Schamgrenzen befreien sie sich von bestehenden Zwängen. Die versammelten Werke umfassen, unter anderem, die von Sarah Lucas, Gary Schneider und Tracey Emin, die einst vom Spiegel als „Queen of Schamlos“ betitelt wurde.

John Isaacs, Sarah Lucas and Oleg Kulik, exhibition view - photo Hans Schroeder

Die innere Haut – Kunst und Scham
Bis 4.06.2017
Künstlerischer Direktor: Roland Nachtigäller
Kuratorisches Team: Friederike Fast (Ausstellungsidee), Franziska Brückmann, Ann Kristin Kreisel und Dr. Michael Kröger

Marta Herford
Herford, Deutschland

marta-herford.de

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