Judith Collins über Skulptur Projekte Münster

Mediadaten 2017

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Jorge Pardo , ca. 40 Meter langen Pier, Aasee aus Holz des kalifornischen Redwood, 1997

Dieses einzigartige Skulpturenprojekt nahm im Jahr 1977 seinen Anfang. Alle 10 Jahre, mit jeder zweiten documenta zusammenfallend, findet die Schau in Münster statt. Die diesjährige documenta ist nunmehr die fünfte Ausrichtung. Ich hatte das Glück die Ausstellungen von 1987 und 1997 besuchen zu können, deshalb freue ich mich ganz besonders dieses Jahr wieder die Möglichkeit zu bekommen.

Es war ein mutiger Schritt der Stadtverwaltung Münster diesem fortlaufendem Projekt, das sich der Kunst im öffentlichen Raum widmet, seine Zustimmung zu geben. Zu jener Zeit gab es kein vergleichbares Projekt dieser Dimension, das einem als Vorbild in Hinblick auf Ablauf und Wirkung hätte dienen können.

Heutzutage arbeiten die Künstler mit der Stadt als lebendigen Organismus und behandeln vielmehr globale gesellschaftspolitische Themen.

Thomas Schütte, Kirschensäule, 1987, Skulptur Projekte in Münster 1987, Skulptur aus Sandstein und lackiertem Aluminium, Höhe 6 m, Harsewinkelplatz

Die diesjährige documenta in Athen und Kassel wie auch die Skulptur Projekte Münster zeigen eine Fülle von Performance- und Installationskunst - unter anderem nehmen ein schwedischer Graphikdesigner und ein nigerianischer Klangkünstler teil - und offenbaren, dass das dreidimensionale Objekt die Ausstellungen nicht so dominant wie zuvor beherrscht.

Obwohl die Skulpturen der Ausstellung zunächst nur temporär ausgestellt werden sollten, hat die Stadtverwaltung Münster über die Jahre einige Werke behalten. Meine Lieblingsskulptur ist „Kirschensäule“ von Thomas Schütte, die erstmals 1987 gezeigt wurde. Seitdem haben die zwei glänzenden roten Kirschen, die auf einer hohen Steinsäule ruhen, amüsante Reaktionen hervorgebracht. Zugleich regen sie an über skulpturale Begrifflichkeiten nachzudenken wie Größe, Farbgebrauch, Erotik, Dauerhaftigkeit und Parodie.

Schütte wird dieses Jahr wieder an der Ausstellung teilnehmen, sein Beitrag wurde jedoch noch nicht von der Presse enthüllt. Wird es sich um ein bedeutendes formales Objekt handeln oder möglicherweise um etwas Ephemeres?
Genau wie in den vorherigen Ausstellungen haben die Organisatoren einige ortsspezifischen Werke in Auftrag gegeben, aber dieses Jahr ermutigen sie zu „aktiver Beteiligung der Öffentlichkeit“ mit den Werken.  Sie regen zu öffentlichen Maßnahmen an, dennoch wirkt der Begriff „öffentlicher Raum“ wie einer des 20. Jahrhunderts. Das heutige Publikum kann durch ganz andere Plattformen erreicht werden, in erster Linie durch gemeinsam benutzte digitale Technologie.

Ich denke, dass das, was von den Skulptur Projekten Münster 2017 zurückbleiben wird, keine physischen Skulpturen sein werden, sondern eine Flut an Erinnerungen und unzählige Bilder auf den Smartphones der Besucher.

Judith Collins, Mai 2017

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