Lara Favaretto

Mediadaten 2017

Download PDF

Newsletter abonnieren

sculpture network veröffentlicht monatlich einen Newsletter auf deutsch und englisch.
Er informiert zu laufenden Veranstaltungen und Ausstellungen zur zeitgenössischen Skulptur in Europa und zu den Veranstaltungsreihen von sculpture network.

Newsletter abonnieren

Sollten Sie eine Auflage verpasst haben können Sie hier nachlesen.

Ungewissheit und Archäeologie einer unbekannten Vergangenheit

Lara Favareto, Bulk, 2002 - photo Ela Bialkowska
Ungewissheit und Archäeologie einer unbekannten Vergangenheit

Lara Favaretto (1973 in Italien geboren) beschäftigt sich in ihren Werken mit der Wandelbarkeit und Monumentalität von Skulpturen. Dabei testet sie oft deren Verhältnis zu Zeit. Scheitern, Zwecklosigkeit und Verschwinden werden zu produktiven Prozessen. Wie sie selbst einmal sagte: „Ich mag es von Perfektion zum Absturz zu wandeln, das Werk an einen kritischen Punkt zu schieben, an seine Grenzen, es in Gefahr zu bringen, so dass es beinahe nachgibt, verhakt, kollabiert.“

Favarettos Ausstellung, ihre bisher größte im Vereinigten Königreich, vereint zentrale Werke, die zwei Jahrzehnte ihrer Arbeit umfassen und zeigt zusätzlich aktuelle Werke und einen großen öffentlichen Auftrag.

Lara Favaretto, Relic, 2015 - Courtesy Nottingham Contemporary - photo Sam Kirby

Die Ausstellung hat die Absicht, verschiedene Stadien der Unsicherheit zu zeigen, in denen Kunstwerke zu Überbleibseln von Veranstaltungen werden.

Ausgestellt sind 14 rätselhafte Skulpturen, die Bulk (2002) heißen. Es sind Gipsabdrücke von aus Pappmaché angefertigten Karnevalsmasken, die Teil einer Prozession waren, die Favaretto mit jungen Leuten in Italien durchgeführt hatte. Alles, was bleibt, sind Spuren der Veranstaltung. Ein weiteres Werk, Relic (2015) besteht aus 9 Betonskulpturen, die archäologischen Fundstücken ähneln. Sie wurden der vierten Episode von Favaretto’s Momentary Monument Serie entnommen, die bei der dOCUMENTA (13) zu sehen war. Es handelte sich um 400 Tonnen gesammelten Altmetalls, von denen nur die handfesten aufgehoben wurden, wie die Überbleibsel einer unbekannten Vergangenheit.

Lara Favaretto, 7724-7716, 2016 - Courtesy the artist & Galleria Franco Noero - photo Sebastiano Pellion di Persano

An anderer Stelle in der Ausstellung ist ein 8 Meter langes Triptychon zu finden. Es trägt den Namen 7724-7716 (2016) und ist das größte „Gemälde aus Wolle”, das Favaretto erschaffen hat, seit sie im Jahr 2010 mit der Serie begann. Jedes dieser Werke ist aus einem einzelnen, zusammengeklaubten Wollfaden hergestellt worden, der eng um ein gefundenes Gemälde gewickelt wurde, das dadurch beinahe vollständig unkenntlich gemacht wird.

Ein weiteres Ausstellungstück (Di Blasi R7, 2012) hat seinen Namen von einem kleinen Moped, das wiederholt durch die Galerie gefahren wurde, bevor die Ausstellung eröffnete. Alle Wände der Galerie sind daher auf willkürliche Weise mit Schrammen und Kratzern versehen und so von dieser privaten Aufführung gezeichnet.

Lara Favaretto, Thinking Head, 2017 - Courtesy Nottingham Contemporary - Generously supported by The Ampersand Foundation - photo Emma Lloyd

Für den Rest des Jahres steht ein neuer, großer, öffentlicher Auftrag an, der den Namen Thinking Head (2017) trägt. Er besteht aus Dampfwolken, die langsam vom Dach des Nottingham Contemporary aufsteigen. Völlig unabhängig von der Kontrolle der Künstlerin, wird sich der Dampf in sich verändernden Formen bewegen und Schwaden, Strähnen oder komplexe Formen annehmen.

Die Inspiration für Favarettos Werk ist Alighiero Boretetis letzte Skulptur aus dem Jahr 1993. Manchmal wird das bronzene Selbstporträt, das elektrisch beheizt wird, My Brain is Smoking (1993) genannt. Favaretto sagte, dass sie das Museum in eine Denkmaschine umformen wollte. Die Intensität der Dampfwolken über dem Nottingham Contemporary wird mit der Intensität des Denkens, die im inneren stattfindet, in Verbindung gesetzt werden. An langweiligen Tagen wird es kaum Dampf geben. Zu anderen Zeitpunkten könnte es dichter Dampf sein. Die andere Hälfte dieses Werks ist unter der Erde und somit außerhalb des Sichtfelds. Details zu diesem Projekt werden vielleicht, aber vielleicht auch nicht, in der Zukunft veröffentlich werden.

Lara Favaretto
Absolutely Nothing

Bis 28.08.2017

Nottingham Contemporary

Nottingham, UK

www.nottinghamcontemporary.org

Nur für Mitglieder

Dieser Bereich ist nur für eingeloggte Mitglieder zugänglich.

Noch kein Mitglied? Hier erfahren Sie mehr.