Liz Magor

Mediadaten 2017

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Eine reflektierte Annäherung an unsere unbewusste Interaktion mit der materiellen Welt

Liz Magor, Buck (Jagermeister), 2008 - Courtesy Catriona Je ries Gallery © the artist
Eine reflektierte Annäherung an unsere unbewusste Interaktion mit der materiellen Welt

Liz Magor (Kanada, 1948) untersucht die Kultur von Produktion und Wert sowie die damit verbundenen ambivalenten menschlichen Beziehungen zu Konsumgütern. Magors kreative Praxis beginnt mit Steifzügen durch Trödelläden und Secondhandshops. Abgenutzte und sentimental aufgeladene Objekte, die jemand einst das Leben komfortabler machten, zu dekorativen Zwecken benutzt wurden oder als persönliche Andenken gedient hatten, tauchen in diesen Läden wieder als anonymes und ungleiches Treibgut auf.

Die Künstlerin interessiert sich für eine breite Palette ausrangierter Artikel, von Kleidung bis hin zu Billigschmuck. Durch unterschiedlichste Eingriffe in ihrem Atelier versucht sie den verloren gegangenen Reiz und Charme dieser Objekte wiederherzustellen. Ihre künstlerische Transformation der Welt des alltäglichen Lebens fordert uns auf, unser Verständnis von wesentlichen ästhetischen Kategorien wie Realität und Simulation, Präsenz und Absenz, Aufmerksamkeit und Gleichgültigkeit zu hinterfragen – eben jene Kategorien, die für die logische Verwendung dieser Materialien und Objekte, aber auch für die Kultur der Kunstausstellungen gebraucht werden.

Liz Magor, you you you, 2017 - Migros Museum für Gegenwartskunst - photo FBM Studio

Das Migros Museum für Gegenwartkunst präsentiert Liz Magors erste umfangreiche Ausstellung in der Schweiz. Die Retrospektive setzt den Fokus auf Skulpturen und Installationen, die in den letzten drei Jahrzehnten entstanden sind.

Skulpturen wie Banff Chair (1991), Eddie’s White Wonder (1994), Tent (1999) sowie Chee-to (2000), nehmen eine kritische Position gegenüber der idealisierten Vorstellungen von Natur und Eigenständigkeit ein, die im kollektiven Gedächtnis der Nordamerikanischen Kultur verwurzelt sind. Die Erkundung der Rocky Mountains im 19. Jahrhundert von den sogenannten "mountain men" (Trapper, Abenteurer, Goldsucher), hat ihre Spuren in alltäglichen Konsumgütern und Arbeitsgeräten hinterlassen, die den Stil der Epoche imitieren. Magor artikuliert ihre eigene Sicht auf diese kulturell tief verwurzelte Nostalgie, indem sie gezielt Materialeingriffe vornimmt, um neue Beziehungen zwischen den Dingen herzustellen. Objekte werden von ihren eigentlichen konventionellen Bestimmungen losgelöst und dadurch in Frage gestellt.

Liz Magor, GoodShepherd, 2016 - Migros Museum für Gegenwartskunst - photo Site photography

Seit den späten 1990er Jahren, hat Liz Magor ihre Praxis durch das Kombinieren von Objekten und Güssen erweitert: Zigaretten und halb leere Schnapsflaschen treffen auf glaubhaft erscheinende Gipsabgüsse ausrangierter Haushaltsgegenstände. Formal gesprochen betrachten diese Arbeiten, den Formenguss als eine Art erfolglose Wiederholung. Magors Stücke tragen deutliche Spuren ihres Schaffens, indem die Narben des Kampfes um Sichtbarkeit zurückbleiben. Es ist dieses Fehlen von Leichtigkeit, das zu ihrer Unmittelbarkeit und dem Bruch mit dem Gewohnten beiträgt.

Magors Interesse an Textilien ist über ihr gesamtes Oeuvre hin augenscheinlich. Die Künstlerin arbeitet mit gefundenen Decken, und hebt Spuren von Materialermüdung noch hervor, indem Löcher gestopft und Flecken betont werden, sowie die Gestalt dieser ermatteten Formen verändert wird. Einmal überarbeitet, werden die Skulpturen chemisch gereinigt und, in den Plastikhüllen der Reinigung verbleibend, auf Bügeln präsentiert. Eine bemerkenswerte Methode zum Schutze eines nunmehr verfremdeten Objektes. Die Geste von Einsamkeit, Schutz und Konservierung—ein weiterer Aspekt im Zyklus des menschlichen Konsums—ist auch ein Fokus einiger ihrer jüngsten Werke.

Liz Magor, you you you, 2017 - Migros Museum für Gegenwartskunst - photo FBM Studio

Die Ausstellung im Migros Museum für Gegenwartskunst wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Kunstverein in Hamburg konzipiert und gemeinsam mit dem Musée d'art contemporain de Montréal sowie mit der Vancouver Contemporary Art Gallery realisiert.

Liz Magor: you you you
Kurator: Heike Munder
Bis 07.05.2017

Migros Museum für Gegenwartkunst

Zürich, Schweiz
www.migrosmuseum.ch

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