Lucy Skaer

Mediadaten 2017

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Das Formen eines nicht abschließbaren Transformationsprozesses

Lucy Skaer, La Chasse, 2017 - KW Institute for Contemporary Art - photo Frank Sperling
Das Formen eines nicht abschließbaren Transformationsprozesses

Lucy Skaer (* 1975, Vereinigtes Königreich GB) nutzt bereits vorhandene Bildlichkeit, Narrative und Formen, die von ihrer Biographie sowie von Gebrauch und industriellen Standards, von Massenproduktion und weltweitem Handel geformt sind, um intuitive Verschmelzungen von Skulpturen, Filmen und Drucken zu schaffen. Form, Bedeutung und Wert lassen sich in ihrem Werk durch verschiedene Arten formaler und allegorischer Existenz finden. Das Spannungsfeld zwischen Repräsentationssystemen und Erfahrungen aus erster Hand ist für ihr Werk zentral. Skaer interessiert sich dafür, wie verschiedene Formen von Bedeutung verschoben werden können und sich mit Objekten verbinden oder von ihnen trennen lassen und wie Komplexität den Sinnen durch direkte Erfahrungen vermittelt werden kann.

Lucy Skaer, La Chasse, 2017 - KW Institute for Contemporary Art - photo Frank Sperling

Für ihre Ausstellung in KW präsentiert Skaer eine neue Reihe von Werken durch eine Auswahl von bereits vorhandenen Werken der vergangenen zehn Jahre. Der Titel Available Fonts ist ein augenzwinkernder Hinweis auf die zentrale Rolle, die Sprache in ihrem Werk spielt und erinnert an eine abstrakte Syntax oder einen Code, der seine Bedeutung mit jeder Neuzusammensetzung des zur Verfügung stehenden Bildhauervokabulars ändert.

Rachel, Peter, Caitlin, John
(2010) verbindet drei simultane 16mm Filme mit einer Gruppe von Skulpturen, die aus Porzellan, Zinn, Bronze, Kupfer, Akazie aus Burma und Putz bestehen und die auf Tischen außerhalb der Projektionsfläche positioniert sind. Das Werk spielt mit der Möglichkeit einer Brücke zwischen den Themen der Filme und den Gruppen der ausgestellten Gegenstände. Das verbindende Element kommt von Fahrkartenknipsern, die Schaffner in New York verwenden. Diese Knipser wurden dazu genutzt, einzelne Rahmen des Films zu beschneiden und so Löcher zu hinterlassen. Der Film ist nun nicht länger eine immaterielle Repräsentation, sondern ein physisches Objekt, das beschnitten und geformt wurde und so in direkter Verbindung mit den wuchtigen Formen der Skulpturen steht.

Lucy Skaer, La Chasse, 2017 - KW Institute for Contemporary Art - photo Frank Sperling

One Remove (2016) besteht aus verbundenen Tischen, die von einem langen marokkanischen Teppich verdunkelt werden. Der moderne Tisch ist eine Reproduktion von Skaers Küchentisch. Er wurde so oft reproduziert, dass er sich jeglicher spezifischen Konnotation oder Erinnerung entzieht. Die anderen Tische sind Spielarten antiquierter Frühstückstische mit Intarsien aus Lapis Lazuli. Die Zusammenstellung von einst alltäglichen Gegenständen wurde als Antwort auf Virgina Woolfs Roman The Waves, der uns auf Sprache aufmerksam macht, erdacht.

Mit ihrer neuen Kommission La Chasse (2017) für KW untersucht Lucy Skaer weiterhin die konventionelle Klassifikation von Objekten und Produktionsmethoden mit kritischem Blick auf Kunst, historische Motive und Andeutungen. Sie bezieht sich auf ihr eigenes Werk, indem sie vorhandene Skulpturen zu Vertretern von Tieren in einer mittelalterlichen Jagdszene umarbeitet und so das bekannte Livre de la Chasse zitiert, ein mittelalterliches Transkript mit kleinen Erhellungen der Jagdtechniken der Renaissance von 1331-91. Skaer untersucht die veränderbare Bedeutung dieser Werke und kritisiert ihre Sprache des Verlangens, ihren Status als absolute Kunstwerke und ihr Potential der Selbstreproduktion.

Lucy Skaer, La Chasse, 2017 - KW Institute for Contemporary Art - photo Frank Sperling

In der gesamten Ausstellung erscheinen verschiedene Einfügungen im Raum und ergänzen oder verändern die vorhandene Architektur von KW. Harz und Rahmen, die die Künstlerin aus einem Film ausschnitt, sitzen wie junger Bernstein in einem der Fenster. Schichten von Schiefer sind wie Scheuerleisten in die Ausstellungswände eingefügt worden und künstlich gezüchteter Quarzstein trägt und ziert ausgewählte Skulpturen.

Skaer lehnt die Vorstellung von Materialien oder Werken als abgeschlossene Einheiten ab und erkennt jede Ausprägung nur als eine latente Version zwischen vielen anderen an. Ihre Skulpturen funktionieren eher wie eigenwillige Prozesse, die sich in bereits vorhandene Ketten von Materialien einfügen, diese verformen, aufnehmen und eine Ausprägung in eine andere überführen.

Lucy Skaer
Available Fonts
Bis 7.01.2018

KW Institute for Contemporary Art
Berlin, Deutschland

www.kw-berlin.de

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