Nachruf über Magdalena Abakanowicz

Mediadaten 2017

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Am 21. April 2017 ist die polnische Künstlerin Magdalena Abakanowicz in ihrem 86. Lebensjahr verstorben. sculpture network und die Kunstwelt verlieren mit ihr ein hochgeschätztes Mitglied und eine herausragende Künstlerin, die mit ihren Werken die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich mitgeprägt hat.

Magdalena war bereits bei der Gründungsveranstaltung von sculpture network 2004 in der Hochschule der Künste in Berlin der Idee präsent und seit 2006 Ehrenmitglied bei sculpture network. Ihre Verbundenheit mit dem Verein drückte sich vor allem durch ihre kollegiale Freundschaft mit einem unserer Gründer und 2. Vorsitzenden Hartmut Stielow aus. Diese besondere Beziehung zu sculpture network beschreibt Stielow: „Von großer Wichtigkeit war es ihr, über die Kunst Menschen zusammen zu bringen, eine Philosophie, die sich mit der von sculpture network eins zu eins deckt. Das war auch mit Grund dafür, dass sie die Organisation von Anfang an unterstützt hat und hinter ihr stand. Sie hielt es für elementar, dass die Kunst und die Institutionen, die die Kunst fördern für Freiheit und Gerechtigkeit eintreten und die Gesellschaften über die Grenzen hinweg verbinden.“

Magdalena Abakanowicz und Hartmut Stielow in Warschau 2006

Geboren am 20. Juni 1930 in Falenty bei Warschau, wuchs Magdalena Abakanowicz, wie so viele polnische Künstler ihrer Generation, in den Schatten und Nachbeben des 2. Weltkrieges auf. Ihre Jugendjahre waren geprägt vom Einmarsch der Roten Armee und kommunistischer Repression. Unter dem Gewicht des sozialistischen Realismus begann sie 1950 zunächst Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Warschau zu studieren. Ihr Interesse galt jedoch schon früh der Skulptur. In den 1960er Jahren entwickelte sie die berühmten „Abakans". Diese weichen Riesenobjekte aus Sisal gewebt und frei im Raum installiert, brachen mit der Tradition des Textils, das bis dato zu rein dekorativen Zwecken auf flachem Grund verwendet wurde und bescherten ihr internationale Aufmerksamkeit.

"Unrecognized" in Park Cytadela

Einen weiteren wichtigen Aspekt ihres Oeuvres markieren ihre Installationen, „Crowds” , die aus dreißig bis zu dreihundert Einzelskulpturen bestehen. Die Beschäftigung mit den „Crowds” begleitete ihr gesamtes Künstlerleben. In unterschiedlichsten Posen, mal stehend, sitzend oder tanzend, und in verschiedenen Materialien ausgestaltet – so zum Beispiel aus Stoff, Kunstharz, Holz, Eisen, Aluminium oder Bronze - erschuf sie wirkmächtige serielle, meist kopflose Figuren, die an Menschen oder Tiere erinner

Puellae (Girls), 1992

Stielow beschreibt diese Skulpturen: „Ihre Figuren zeugen für mich von einer embryonalen Gestaltfindung. Es sind Ungekannte ohne ausgeprägten Charakter. Diese in einer Menge darzustellen, war ihr wichtig, nicht das Individuum in seiner Einzigartigkeit.“ Und dennoch: bei genauerer Betrachtung hat jede Figur seine ganz eigene individuelle Ausgestaltung - Individualität inmitten einer absolut konform scheinenden Masse. Abakanowicz sagte dazu selbst: „Die Menge von Menschen oder Tieren ist eine Ansammlung von Varianten eines gewissen Prototyps. Jede Figur ist unwiederholbar.“ Dieses Spiel zwischen Individualität und Kollektivismus ist eines ihrer stärksten Botschaften.

Ihre Werke zeugen von einer existentiellen Tiefe, der man sich nicht entziehen kann. Sie sind ihre ganz persönlichen Antworten auf ihr eigenes Schicksal und das der Menschen des 20. Jahrhunderts. Magdalena Abakanowicz reiht sich ein in eine Generation von Künstlerinnen, wie Louise Bourgeois oder Alina Szapocznikow, die durch ihre eindrücklichen Werke internationale Aufmerksamkeit erlangten und die Kunstwelt nachhaltig zu beeinflussen wussten.

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