Phyllida Barlow

Mediadaten 2017

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Skulptur als Eingriff und das Hinterfragen ihres Verschwindens oder Schattens

Phyllida Barlow, demo, Kunsthalle Zürich, 2016 - photo Annik Wetter
Skulptur als Eingriff und das Hinterfragen ihres Verschwindens oder Schattens

„Skulptur an sich verhält sich in mancher Hinsicht ähnlich wie Objekte in der Welt, die keine Skulpturen sind. Als Sprache ermöglicht sie jedoch eine konstante Manipulation zwischen etwas Vorhandenem, um unsere Beziehung zu Ort, Raum und Zeit zu stören, und auch, um sich selbst zu reformieren, um sich konstant zu verändern, sobald wir auf sie treffen und um sie herum gehen.“

Phyllida Barlow[1]

Phyllida Barlows erste Ausstellung fand im legendären ICA (Institute of Contemporary Arts) 1965 in London statt. Während der gesamten folgenden fünf Jahrzehnte schaffte Barlow (UK, 1944) durchgängig ein umfangreiches Oeuvre, das - mit wenigen Ausnahmen – keinen Fortbestand hatte, und so für immer weitestgehend unzugänglich sein wird. Viele von Barlows Skulpturen können aufgrund ihrer Größe, Materialität und mangels Lagermöglichkeiten, Raum und Geld sowie fehlender Sammler nicht erhalten werden. Dies änderte sich erst nach 2000, als Institutionen, Kuratoren, Sammler und Galeristen anfingen, sich näher mit ihrem Werk zu beschäftigen und dessen ziemlich widersprüchliche Natur zu beurteilen und diskutieren.

Phyllida Barlow, demo, Kunsthalle Zürich, 2016 - photo Annik Wetter

Barlow besteht darauf, eine Bildhauerin und Formalistin zu sein und zitiert unter den wichtigen Einflüssen für sie Künstlerinnen wie Germaine Richter oder Barbara Hepworth. Ihre Kunst richtet den Fokus auf grundlegende Komponenten der Skulptur, ihre Geschichte, Möglichkeiten und Diskrepanzen. Gleichzeitig verwendet sie Materialien, Formen und Farben, die mit der etablierten Vorstellung von Skulptur brechen: Statt Bronze oder Marmor, verwendet Barlow Karton, rohen Zement, Maschendraht und Holzbalken.  Statt solider Körper kreiert sie zackige und rohe Strukturen. Anstelle von Farbe, um die Oberflächen zu vereinheitlichen, zu glätten oder zu dekorieren, verwendet sie Farbe vielmehr zum Kennzeichnen und Unterscheiden und schafft auf diese Weise Divergenzen.

Phyllida Barlow, demo, Kunsthalle Zürich, 2016 - photo Annik Wetter

Der Titel der Ausstellung in der Kunsthalle Zürich ist Demo - wie Demo-lierung, Demo-kratie oder Demo-nstration. Die Ausstellung beginnt auf der zweiten Etage mit einer Skulptur, die drei Räume besetzt und regelrecht nach "körperlicher" Aufmerksamkeit verlangt. Wir müssen aufpassen, um nicht über sie zu stolpern, während wir ständig versuchen, nach oben zur Decke zu schauen. Es kann sein, dass wir sonst die über dem Boden hängenden, in einem Dickicht von Rahmen eingefassten Skulpturen übersehen.

Manchmal glauben wir für einen Augenblick, dass wir alles im Blickfeld haben, obwohl wir in Wirklichkeit jedoch längst den Überblick verloren haben. Hier und jetzt, wird Skulptur spürbar: Wie sie funktioniert, wie sie sich dem Betrachter offenbart, während er oder sie um sie herum geht; wie sie mit der Architektur spielt und im Widerspruch zu ihr steht oder mit dieser konkurriert, wie banal Materialien Form annehmen und unsere Sichtweise umkehren.

Phyllida Barlow, demo, Kunsthalle Zürich, 2016 - photo Annik Wetter

Auf der dritten Etage befinden wir uns in einem abgeriegelten Raum. In diesem steht ein Objekt, möglicherweise eine Bühne, eine Skulptur, von der aus die Besucher eingeladen werden, durch röhrenförmige Öffnungen in den Wänden auf eine andere, zwischen Aluminiumsäulen festgebundene Skulptur aus kaputten Wandelementen und abgerissenem Isolationsmaterial zu schauen. Diese apokalyptische Landschaft und schwergewichtige Skulptur, unerreichbar jenseits der dargebotenen Einblicke, ist dennoch auf eine andere Weise ausgestellt: Direkt hinter ihr sind die Wände vorübergehend herausgerissen und als Teil der Gebäudeeinrichtung neu aufgebaut worden.

Der Baustaub wird die Landschaft überziehen, Baulärm wird die Wände durchdringen, und Arbeiter dürfen den Ort begehen - am Ende wird die Arbeit entsorgt. Deshalb kommen in Zürich zwei zentrale Themen in Barlows Karriere und Arbeit zusammen: Eine Skulptur als Eingriff sowie die Frage nach ihrem Verschwinden oder Schatten.

Phyllida Barlow wird Groß-Britannien auf der Biennale in Venedig 2017 vertreten.

[1] Phyllida Barlow & Nicholas Cullinan, in: Mousse, #30, 2011, pp. 63-71

Phyllida Barlow – Demo
Bis 19.02.2017

Kunsthalle Zürich – CH

kunsthallezurich.ch

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