Skulpturenmarkt. Interview mit Ewald Karl Schrade

Mediadaten 2017

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Die Liebe zur individuellen Arbeit mit Kunst

Fiflury, Converse Eagle sculpture, 2015 – courtesy Alternative Art Collections Gallery
Die Liebe zur individuellen Arbeit mit Kunst

Ewald Karl Schrade (Deutschland 1941) ist seit 2004 Initiator, Projektmanager und Kurator der art KARLSRUHE. Er ist gelernter Modellbauer und absolvierte im Alter von 19 Jahren eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann, nachdem er bei einem Unfall seine rechte Hand verloren hatte. Er wurde Bankfilialleiter bei der Sparkasse und eröffnete 1971 seine erste Galerie in Reutlingen. Heutzutage führt er diese an zwei Standorten: In Schloss Mochental und in Karlsruhe. In dieser Ausgabe beantwortet Schrade unsere Fragen zum Kunstmarkt mit besonderem Fokus auf die Gattung der Skulptur.

Einige Experten meinen, die Krise und die Unbeständigkeit anderer Märkte habe dem Kunstmarkt viel Geld zugespielt. Wie hat aus Ihrer Sicht /Erfahrung die Krise den Kunstmarkt beeinflusst?


Ewald Karl Schrade: Dass Kunst als Kapitalanlage gesehen wird, ist kein neues Phänomen. Seit den ersten Kunstmessen der modernen Art, also seit den Sechzigern, spielt dieses Phänomen eine Rolle. Freilich hat diese Entwicklung erstmals in den Achtzigern, zunehmend dann in den neunziger Jahren ihre Spuren hinterlassen. Dem Kunstmarkt geht es, alles in allem, wirklich gut. Er profitiert natürlich auch von den angesprochenen Korrekturen weltwirtschaftlicher Prägung. Es wird auch deshalb in Kunst investiert, weil andere Anlage-Möglichkeiten, beispielsweise Aktien oder Immobilien, mittlerweile nicht mehr berechenbar erscheinen. So punktet das Kunstwerk – zumal es obendrein als Wand- oder Raumschmuck dient.

Ingo Ronkholz, S 2015-N° 13 A, 2015 – courtesy Knecht und Burster Gallery

Glauben Sie, es gibt überhaupt genügend Nachfrage für all die vielen Kunstmessen weltweit?

EKS: Aber ja doch. Das Interesse am Kunsterwerb hat sich ungeheuer entwickelt. Die Zahl der echten Sammler und der kunstsinnigen Investoren hat atemberaubend zugenommen. Damit konnte noch vor 20 oder 25 Jahren niemand rechnen. Aber es zeigt sich allmählich, dass der Markt sich splittet. Weltweit betrachtet: Es gibt gewissermaßen Messen für hochpreisige Markenware, für Millionen-Objekte, die bald wieder von ihren neuen Besitzern zur weiteren Wertsteigerung in die Auktionshäuser gebracht werden, und es gibt Messen, dazu gehört die art KARLSRUHE, wo die Liebe zum einzelnen Werk vorherrscht, wo auch schon mal für ein paar Hundert Euro eine schöne Editionsarbeit gekauft werden kann und Sammlungen nach und nach aufgebaut werden können.

Hubert Hanghofer, Transition, 2014 – courtesy Kunsthaus Wiesinger Gallery

Wie hat sich die art Karlsruhe seit ihren Anfängen in 2004 verändert?

EKS: Aus einer naheliegenden Idee, in Baden-Württemberg, wo so viele Kunstsammler leben, eine Messe zu etablieren, wurde eine feste Größe im internationalen Messe-Kalender der Gegenwartskunst und der Klassischen Moderne. Gab es anfänglich noch Bedenken und Widerstände, größtenteils übrigens aus der Region, verflogen diese bald, als die Skeptiker merkten, dass auf der art KARLSRUHE beachtliche Umsätze gemacht werden. Inzwischen pilgern Jahr für Jahr rund 50 000 Besucher durch die Messehallen, und wir sind glücklich, diese Erfolge verzeichnen zu können.

Wie groß ist der Anteil zeitgenössischer Skulptur gemessen am Gesamtverkauf bei der art Karlsruhe?


EKS: Mit einer Prozentzahl kann ich nicht dienen. Aber ich kann feststellen, dass meine frühe Entscheidung, die Messe mit rund 20 besonderen Skulpturenplätzen aufzuwerten, richtig war und zweifelsfrei Einfluss auf das Angebot der Galeristen genommen hat. Erfahrungsgemäß lässt sich die raumgreifende Skulptur bekanntlich schwerer veräußern als ein Bild, das man, gerne „Flachware“ genannt, auch einmal leicht ins Depot schieben kann. Doch die Aussteller schreckt es nicht ab, immer wieder auch Skulpturen in ihre Stände zu rücken, denn im Umfeld der Skulpturenplätze ist die Publikumslust groß, sich auf das Dreidimensionale einzulassen.

Was ist das Profil des Käufers von zeitgenössischer Skulptur: Museen, Öffentliche Galerien, private Institutionen, Privatsammler oder Einzelpersonen? Wie hoch ist der durchschnittliche Verkaufspreis?

EKS: Sowohl als auch. Auf der art KARLSRUHE sind öffentliche und private Sammler unterwegs. Manche Abschlüsse werden direkt auf der Messe erzielt, andere im sogenannten Nachmessegeschäft, weil gerade im Falle der Skulptur oftmals auch über Möglichkeiten der Aufstellung gründlich nachgedacht werden muss. Weil die Aussteller keine Angaben über ihre Verkäufe machen müssen, kann ich auch nicht sagen, wie der durchschnittliche Verkaufspreis ausfällt. Aber ich weiß, dass in allen Segmenten reichlich Umsätze gemacht werden, auf unterschiedlichen Preisniveaus.

Bevorzugen die Käufer von Skulptur eher deutsche oder internationale Künstler?


EKS: Diese Frage stellt sich nach meiner Beobachtung nicht wirklich. Ob die Künstler aus der Region stammen oder international orientiert sind, ist zweitrangig. Was vor allem zählt, ist die Qualität der künstlerischen Arbeit. Darauf achten die Sammlerund natürlich geht es dabei immer auch um persönliche Vorlieben, um stilistische Überlegungen, um Materialaspekte, nicht zuletzt um kommerzielle Überlegungen, schlichtweg um den Preis des Kunstwerks.

Art KARLSRUHE
16 – 19.02.2016
Karlsruhe, Deutschland

www.art-karlsruhe.de

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