Tony Cragg

Mediadaten 2017

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„Skulpturen zu schaffen ist eine phantastische, sich schnell entwickelnde und dynamische Arbeit"

Tony Cragg, Congregation 1999 - MUDAM ©Adagp - photo Michael Richter
„Skulpturen zu schaffen ist eine phantastische, sich schnell entwickelnde und dynamische Arbeit"

Tony Cragg (UK, 1949) war ein zwanzigjähriger Labortechniker der National Rubber Producers Research Association (Nationale Forschungsgesellschaft der Gummiproduzenten), als er beschloss Kunst zu studieren. Er besuchte die Wimbledon School of Art und das Royal College of Art in London und arbeitete während der Sommerferien in der Nachtschicht einer Gießerei für Komponenten von Motoren und Getrieben.

Die Kombination aus Kunst und die Erfahrung der physischen Transformation von Materialien mittels industrieller Prozesse ist der Grundstein Craggs künstlerischer Praxis.

Tony Cragg, Minster, 1990 - courtesy the artist and YSP

Der Künstler glaubt, dass "sozusagen das menschliche Neuron das phantastischste Material ist". Das bringt Cragg dazu, seine Skulpturen als manifest gewordene Ideen zu bezeichnen. Vom Kleinformat zur monumentalen Skulptur ist Craggs künstlerische Praxis das Ergebnis eines konstanten, hinterfragenden und experimentell symbiotischen Prozesses von Gedanken und manueller Arbeit, die jedes Mal mit der Zeichnung beginnt.

In seinem Ateliers fertigt Cragg seine Skulpturen von Hand, wobei jede Evolutionsstufe von Gedanken Gestalt annimmt und so wiederum die Inspiration für die nächste ist. Cragg ist dazu in der Lage, fast alles Vorstellbare und Angemessene an Materialien in seinen Arbeiten zu verwenden. In seinen frühen Arbeiten kombinierte er Plastik oder Holzreste, Baumaterial und mechanische Elemente. Allmählich entwickelten sich seine Skulpturen innerhalb einer Bandbreite von organischen zu technoiden Formen, ohne jedoch komplett auf die Verwendung identifizierbar Elemente zu verzichten. Zunehmend wurde seine Aufmerksamkeit den klassischen Materialien der Skulptur wie Gips, Holz, Bronze und Stein zuteil - jedoch schreckte er auch nie vor neuen Materialien wie Fiberglas und Kevlar zurück.

Tony Cragg, Parts of the World, 2015 - MUDAM photo Michael Richter

Obwohl er in den letzten Jahren eine Art Protokoll zur Formfindung entwickelt hatte, betrachtet er sich selbst eher als "Agent", der Formen und ihre innere Energie dazu bringt, hervorzutreten. "Selbst wenn es sich um nichts lineares handelt, wird etwas dabei generiert. Es gibt eine Art sich selbst weiterentwickelnde und generierende Energie innerhalb des Materials.“

Das Zeichnen ist eine seine täglichen Haupttätigkeiten und ist ein essentielles Werkzeug zur Formung und Schaffung dieser Skulpturen. Als Medium von Abstraktionen und Abkürzungen erlaubt es ihm, an formalen Problemen zu arbeiten, bis es soweit ist, sie in ihre dreidimensionale Form umzusetzen.

Vier verschiedene Ausstellungen an unterschiedlichen Orten Europas bieten die Gelegenheit, alle diese Aspekte, das umfassende Oeuvre sowie die künstlerische Praxis des Künstlers zu erfahren.

Tony Cragg, Forminifera, 1994 - Collection Mudam Luxembourg Acquisition 1996 – Apport FOCUNA ©Adagp photo Remi Villaggi

Bei Mudam in Luxemburg nähert sich Cragg den Fragen von Form und Material, indem er die Techniken klassischer Skulptur mit vorausschauenden und experimentellen Erforschungen verbindet. Er glaubt, dass jedes vorstellbare Material ein Träger von Bedeutung, Vorstellungen und Emotionen sein kann und dass Skulptur ein zukunftsorientiertes Medium ist - ein Medium, dessen Potential bei weitem noch nicht erschöpft ist.

Bei dieser Konzeption besetzt die Kunst ein Territorium zwischen dem organischen Reich der Natur und dem funktionalen Aufgabengebiet der industriellen Produktion. Dass er einen freiheitlichen Raum jenseits der nützlichen Bedürfnisse anbietet, macht die explizit politische Dimension seiner Kunst aus - weil sie es ihm erlaubt, dem Material mit jeder neuen Skulptur eine neue Form zu geben und seine Gefühle und Emotionen in konstanter Veränderung auszudrücken.

Tony Cragg, Caldera, 2008 - photo Michael Richter courtesy of YSP

"Skulptur ist, wie Material und Materialformen uns beeinflussen", sagt Cragg. Über die emotionale Empfänglichkeit der Betrachter gelangend, spricht sie vor allem das intellektuelle Vermögen analytischer Aufnahmefähigkeit an, um einen Sinn für das Gesehene zu schaffen.

Yorkshire Sculpture Park
präsentiert die bisher größte UK-Ausstellung von Tony Cragg. Neue Skulpturen, Zeichnungen und Arbeiten aus fast fünf Jahrzehnten Craggs künstlerischer Praxis untersuchen und demonstrieren seinen Pioniergeist sowie seine kontinuierliche Beherrschung der Materialien. Als "radikaler Materialist" definiert Cragg seine Skulpturen als "seltene Kategorie von Objekten" und nähert sich taxonomisch seiner eigenen, in der Ausstellung reflektierten künstlerischen Praxis an.

Tony Cragg, Identity, 2015; Weatherman, 2015 - photo Małgorzata Kujda ©Muzeum Współczesne Wrocław

Die Ausstellung im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt richtet den Fokus auf die Entstehungsgeschichte der Inspiration durch natürliche Formen sowie die unnatürliche Selektion, die auf Charles Darwins Theorie anspielt und das Prinzip der künstlichen Selektion umfasst.

Die Ausstellung im Wrocław Contemporary Museum in Polen zeigt ein Dutzend verschiedene, zwischen 1996 und 2016 entstandene Skulpturen sowie eine Auswahl seiner Zeichnungen und Aquarelle.

video courtesy of Lisson Gallery - videographer Laura Bushell

Hessisches Landesmuseum
Tony Cragg. Unnatural Selection

Bis 2.03.20017
Darmstadt, Deutschland
www.hlmd.de

Mudam Luxembourg

Tony Cragg

Kurator: Clément Minighett
Bis 3.09.2017
Luxembourg
www.mudam.lu

Wrocław Contemporary Museum

Tony Cragg. Sculpture

Kurator: Eulalia Domanowska
Bis 8.05.2017
Wroclaw, Polen
muzeumwspolczesne.pl

YSP - Yorkshire Sculpture Park

Tony Cragg: A Rare Category of Objects
04.03.17 - 03.09.17
Yorkshire, GB
www.ysp.co.uk

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