„Wir tragen einen dunklen Begleiter in uns.“

Mediadaten 2017

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Auf den ersten Blick wirkt die hellblau glänzende Figur „Blue Sky“ vom Künstler und sculpture network-Mitglied Peter Riss freundlich und einladend. Dieser Eindruck trügt: Je näher der Betrachter die Skulptur unter die Lupe nimmt, umso bedrohlicher und entfremdender wirkt sie. Trotz oder vielleicht gerade wegen der Gefahr, welche die Skulptur auf den zweiten Blick ausstrahlt, hat Peter Riss beim Wettbewerb „YICCA 2017 – International Contest of Contemporary Art“ überzeugt. YICCA wurde 2009 gegründet, um Künstler zu fördern und ihnen eine Möglichkeit zu bieten, sich am internationalen Markt der Gegenwartskunst anzuschließen. In diesem Wettbewerb sind jegliche Typen zeitgenössischer Kunst erlaubt wie beispielsweise Zeichnungen, Fotografien, Videos oder eben auch Skulpturen. Peter Riss wurde von der vierköpfigen Jury, zu der unter anderem die Kuratoren Alessandra Prandin und Serge Klymko gehören, aus ungefähr 800 Teilnehmern ausgesucht und hat sich als einziger deutscher Künstler einen Platz bei der finalen Ausstellung im Museum Fondazione Crocetti in Rom ergattert, die diesen Samstag ihre Eröffnung feiert.

Peter Riss, wie sind Sie auf YICCA aufmerksam geworden?

Ich schaue mir ungefähr einmal in der Woche die Ausschreibungsseite von sculpture network an und entscheide dann, welcher Wettbewerb thematisch sowie auch zeitlich in Frage kommt. Dadurch bin ich dann auf YICCA gestoßen und habe aufgrund meiner positiven Erfahrungen, die ich mit der Organisation bei der Biennale in Venedig gemacht habe, entschieden, dass ich gerne wieder etwas in Italien machen würde. Ich nehme generell sehr gerne an Wettbewerben teil, da sie meine Sicht auf meine Arbeiten schärfen. Ich muss mich nämlich noch einmal intensiv mit den Werken befassen, bevor ich sie einreiche. Dadurch habe ich die Möglichkeit, mich auf eine ganz andere, neue Art und Weise mit meinen Arbeiten auseinander- zusetzen als ich das normalerweise tue.

Wie haben Sie sich auf den Wettbewerb vorbereitet?

Zuerst musste ich entscheiden, welche Werke ich einschicken möchte. Ich habe bewusst eher kleine und leichte Skulpturen ausgewählt, da die logistische Handhabung vor Ort einfacher ist. Außerdem kannte ich die Räumlichkeiten des Museums, in dem die finale Ausstellung stattfinden wird, und war der Meinung, dass kleinere Skulpturen besser zu diesen Räumen passen würden. Meine Wahl fiel schlussendlich auf zwei Skulpturen, die ich je mit einem Statement und einer Werkbeschreibung einschickte. Dabei war es mir besonders wichtig, dass ich nicht nur beschrieb, woraus die Skulpturen bestehen, sondern auch was sie vermitteln.

Die Jury hat sich schlussendlich für die Skulptur „Blue Sky“ entschieden. Wie haben Sie sich gefühlt, als die Juroren Ihnen diese Entscheidung mitgeteilt haben?

Ich habe mich natürlich sehr gefreut. Von den anderen 17 Künstlern, die ebenfalls ausgewählt wurden, sind viele sehr präsent auf dem Kunstmarkt und stellen professionell aus. Dadurch fühle ich mich auch ein bisschen bestätigt, in dem was ich mache. Aber auch wenn ich die Wettbewerbe, an denen ich teilnehme, sehr gezielt aussuche und meine Werke oftmals ausgewählt werden, gehe ich nie davon aus, dass es dieses Mal wieder klappt. Ich möchte nicht hochmütig werden und bleibe immer skeptisch.

Was glauben Sie, weshalb ist die Skulptur „Blue Sky“ ausgewählt worden?

Die Skulptur trifft sehr gut den heutigen Zeitgeist. Mit Hilfe des glänzenden, hellblauen Kubus, der von Steinbockhörnern durchbrochen wird, zeigt sie sehr schön die Dualität der Gesellschaft. Der Glanz einer Gesellschaft trügt, da vieles darunter verborgen bleibt. Auch wir tragen einen dunklen Begleiter in uns. Bei diesem Werk geht es um das Durchbrechen der wohlgefälligen Gesellschafts- formen durch genau diese dunklen Aspekte, die durch die Steinbockhörner dargestellt werden. Auf den ersten Blick fällt dem Betrachter vor allem die glänzende, hellblaue Farbe auf, die sehr fröhlich und dekorativ wirkt. Die Bedrohung, die das Werk ausstrahlt, wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Genau diese Veränderung, die man erst beim Betrachten der Figur aus der Nähe empfindet, macht sie einzigartig. 

Wie ist diese Skulptur zu Stande gekommen?

Ich denke in dreidimensionalen Bildern. Das Werk entsteht immer zuerst in meinem Kopf ohne jegliche Skizzen. Ich realisiere ein Konzept erst, wenn es in meinem Kopf ganz fertig ausgereift ist und ich wirklich zufrieden damit bin. Da ich immer gleichzeitig an mehreren Werken arbeite, gibt es auch einige, die ich in meinem Kopf konstruiere, aber nie umsetze, da ich es zeitlich nicht schaffe. Wenn ich aber eine Skulptur umsetze, dann ändere ich nichts mehr im Nachhinein und sie sieht genau so aus, wie ich sie im Kopf konstruiert habe. Das Realisieren des Werkes „Blue Sky“ war eher ein langwieriger Prozess, da die Herstellung aufwendig war. Der Kubus erhielt erst durch acht Lackschichten den Glanz und die Perfektion, die er aufweist. Zudem musste ich Steinbockhörner mit einer speziellen zum Kubus passenden Biegung und Dimension finden.

Besuchen auch Sie die finale Ausstellung vom  internationalen Wettbewerb zeitgenössischer Kunst YICCA 2017, die bis am 29. November 2017 stattfindet. Neben der Skulptur „Blue Sky“ von Peter Riss, haben Sie die Möglichkeit, Werke von den 17 weiteren Künstlern aus aller Welt zu begutachten: 

- Giulia Manfredi (Italien)
- Cécile Balate (Belgien)
- Suresh Babu Maddilety (Indien)
- Maryam Moghadam (Iran)
- Matthew Portch (Australien)
- Andrew Leventis (USA)
- Giacomo Layet (Italen)
- Maria Węgrzyniak-Szczepkowska (Polen)
- Kevin Frech (USA)
- Bianca Giacomelli (Italen)
- Anne Cecile Surga (Frankreich)
- Alfredo Dante Vallesi (Italen)
- Lilac Abramsky-Arazi (Israel)
- Sayaka Suzuki (USA)
- Albert Alcol Costa (Spanien)
- Valentina De Rosa (Italien)
- Marek Slavík (Tschechien)

Peter Riss
YICCA 2017 - International Contest of Contemporary Art
Museo Fondazione Crocetti
Via Cassia 492 - Roma
+39 0633711468
18. - 29. November 2017

 

 

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