Eine Bewegung hinter der traditionellen Trennung von Kunst und Architektur

Mediadaten 2017

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Sol LeWitt, „die Vorrangigkeit der Idee vor der Umsetzung“

Sol LeWitt, 8x8x1, 1989 - courtesy Juliee and Edward J. Minskoff Collection | Combinations of lines in four directions. Lines do not have to be drawn straight (with a ruler), 2003 - courtesy Estate of Sol LeWitt
Sol LeWitt, „die Vorrangigkeit der Idee vor der Umsetzung“

Kunst und Architektur ist das Dachthema von Sculpture Network für das Jahr 2018. Wir freuen uns, in der Januarausgabe mit Ihnen das diesjährige Dachthema zu teilen und beginnen mit einer Ausstellung, die eine neue Perspektive auf das Werk von Sol LeWitt bietet und das Verhältnis seines Werkes zur Architektur untersucht.

Sol LeWitt, Floor Structure (Well), 1963 - courtesy LeWitt Collection | Untitled (B3 Model), 1966 - courtesy Collection Paula Cooper | Early Wood Structure, 1962 ca - courtesy Estate of Sol LeWitt & Pace Gallery

Ein Jahrzehnt nach dem Tod Sol LeWitts (Hartford 1928 - New York 2007) basiert die Ausstellung Between the Lines im Fondazione Carriero auf einem innovativen Fokus der Interpretation und formuliert die Ansicht um, dass sich ein Werk an die Architektur anzupassen habe. Dadurch wird die Vorstellung der Ortsspezifigkeit in Frage gestellt. Auf Grund der Zusammenarbeit mit dem Architekten Rem Koolhaas als Co-Kurator und dem Kontakt mit Francesco Stocchi, umfasst Broad Lines viele Aspekte von LeWitts Werk. Das ehrgeizige Ziel lautet, sich hinter die Trennung von Architektur und Kunstgeschichte zu begeben, die das Gesamtwerk des Autors kennzeichnet und den Fokus mehr auf den Prozess als auf da Ergebnis legt und frei von jeder ästhetischen oder idealistischen Meinung ist.

Im Jahr 1967 veröffentlichte LeWitt seine Paragraphs on Conceptual Art, in denen er die Vorrangigkeit der Idee vor der Umsetzung postulierte und daher der Vorstellung und dem Prozess mehr Gewicht gab als dem Objekt. Dies markierte den Beginn einer kontinuierlichen Reduktion des Kunstwerks auf einen elementaren Zustand. Die Aufgabe des Künstlers sei es, ein Projekt zu formulieren, wohingegen mit dessen Umsetzung jeder betreut werden könne, vorausgesetzt, die Instruktionen würden beachtet werden. Sein Glaube an den Künstler als ein Schöpfer von Ideen gibt dieser Rolle eine neue Komponente und macht sie so dem Architekten ähnlich, der das Design eines Gebäudes entwickelt und dessen Umsetzung dann anderen überlässt.

Sol LeWitt, Wall Drawing #51 - All architectural points connected by straight lines, 1970 - courtesy Estate of Sol LeWitt

Die Rolle der Architektur (und des Architekten) ist Teil der Beurteilung von LeWitts Werk. Es geht nicht nur um die Neigung zur Planung von Ideen, sondern auch um die Möglichkeit, die beide haben, um Räume neu zu formen. Sol LeWitts Werke sind Strukturen, Formen, die in Räume eingefügt werden und zwischen zwei- und dreidimensionalen Formen schwanken. Ihre geometrische Gleichmäßigkeit lässt sie zur idealen Grundlagen seiner Wandzeichnung werden: vervielfältigt, in Muster überführbar und wiederholbar in einer unendlichen Anzahl an weißen, schwarzen oder farbigen Formen, entweder fest oder offen. Diese Formen offenbaren ihre Loyalität gegenüber flachen Bildern und fordern die Schwerkraft gleichzeitig heraus. Sie lösen eine Reflektion aus, die Wandmalereien und Skulpturen ähnelt und dadurch einen Zugang zwischen Dimensionalität und Konstruktion erschafft.

Viele dieser Figuren stehen ihrer Umgebung und ihren Eigenschaften gleichgültig gegenüber. Sie überschreiten Türen und Mauern und erschaffen so eine Kontinuität in der Architektur, ohne von der Spezifität des Ortes, an dem sie entwickelt wurden, betroffen zu sein. Das Werk ist von diesem Ort geprägt, auch wenn es nicht notwendigerweise mit diesem im Blick erdacht wurde. Daher eröffnen sich neue metaphysische Räume und zwar nicht mit Linien, Würfeln oder anderen geometrischen Formen, sondern durch die Vorstellung von eben diesen Linien, Würfeln und Formen.

Sol LeWitt, Wall Structure Black, 1962 - courtesy Estate of Sol LeWitt & Pace Gallery

Die Ausstellung im Fondazione Carriero entsprang dem Wunsch die Grenzen von LeWitts Werk zu entdecken, seine Formulierungen als Teil eines neuen und freieren Systems der Überprüfung zu versehen und einen neuen Einklang zwischen dreidimensionalen Figuren und zweidimensionalen Oberflächen zu schaffen.

Sol LeWitt

Between the Lines
Kuratoren: Francesco Stocchi und Rem Koolhaas

Fondazione Carriero

Mailand, Italien

fondazionecarriero.org

 

 

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